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Sport frei im Mai?

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Kehrt der Vereinssport im Mai ansatzweise in die Normalität zurück? Die Pläne dafür liegen zumindest auf dem Tisch. Doch nur einzelne Sportarten dürften in den Genuss von offiziellen Trainingseinheiten kommen - solange sich an die hygienischen Vorgaben gehalten wird.

Die Reproduktionszahl ist gesunken, die Zahl der Neuinfizierten geht zurück, die Bundesregierung startet erste vorsichtige Lockerungen der seit dem "Shutdown" am 16. März eingeleiteten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus. Die Kontaktsperre gilt bis 3. Mai, bis zu diesem Tag sind alle Sportanlagen und -hallen gesperrt. Und dann? Die Sportler sitzen auf heißen Kohlen, wollen loslegen - wenigstens mit dem Training. Allein durch die Landschaft zu joggen, macht keinen Spaß und passt nicht zur ausgeübten Sportart.

Die Politik hatte die Verbände aufgefordert, konkrete Pläne zum "angepassten Sporttreiben" vorzulegen. Das hat zu einem regen Austausch geführt. Um ein langsames Wiederaufleben des Sports zu ermöglichen, hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) mit den Verbandsärzten "10 Leitplanken" festgelegt, mit denen dieses Unterfangen unter diesen Bedingungen gelingen könnte.

Auch deswegen hat sich der Landessportbund Hessen (lsb h) für "einen alle Aspekte des Gesundheitsschutzes beachtenden und an die Gegebenheiten der Corona-Pandemie angepassten Wiedereinstieg in den Vereinssport" ausgesprochen, wie der lsb h in einer Pressemitteilung schrieb.

Danach sollten Sportvereine, die Vorgaben zum Gesundheitsschutz wie das Einhalten von Distanzregeln und Hygienevorschriften gewährleisten können, ab Anfang Mai wieder Sport anbieten dürfen. Der Fokus liegt auf dem Trainingsbetrieb, sportliche Wettbewerbe sollten zunächst ausgesetzt bleiben.

Der lsb h plädiert darüber hinaus dafür, dass in den weiteren Beratungen auch die schrittweise Öffnung der Schwimmbäder aktiv aufgenommen wird. "Die Corona-Krise hat die Menschen in vielerlei Hinsicht an ihre Grenzen gebracht. All das, was unsere Gesellschaft ausmacht, beispielsweise das soziale Miteinander oder das Gefühl der Gemeinschaft, ist nahezu völlig zum Erliegen gekommen. Eine behutsame Öffnung des Sports im Verein kann dem entgegenwirken und eine - zumindest teilweise - Rückkehr in eine an die Gegebenheiten angepasste Normalität bewirken. In der derzeitigen Situation braucht unsere Gesellschaft den Mehrwert unserer 7600 Sportvereine mehr denn je", begründete Rolf Müller, der Präsident des Landessportbundes Hessen, den Vorstoß.

Das Konzept des DOSB, das Infektionsschutz mit einem angepassten Sportbetrieb und sportartspezifischen Detailregeln verbindet, trägt der Landessportbund Hessen unter Beachtung der hygienischen Vorgaben mit. Weiter müssen Vereinsheime und Duschanlagen geschlossen bleiben, Trainingsgruppen verkleinert und Risikogruppen besonders geschützt werden.

Dass bei einem möglichen Neustart die "kontaktlosen" Sportarten wie Golf, Tennis, Tischtennis und Leichtathletik Vorteile haben, liegt in der Natur der Sache.

Kontaktloser Sport in der Poleposition

Golf:In Anbetracht der Vorgaben mit Abstand halten und Verhindern der Gruppenbildung biete sich Golf eher als andere Sportarten an, in Kürze wieder betrieben werden zu dürfen. Dazu bringen die Spieler ihre eigenen Bälle mit, die sie markieren können. Somit muss kein Golfer "fremde" Bälle anfassen. Eine Möglichkeit sei es, nur je zwei Spieler auf die Bahn zu lassen und exakte Startzeiten festzulegen.

Tennis:Hier ist es ähnlich. Ein Sport unter freiem Himmel. Die Spieler stehen im Einzel im ausreichenden Abstand voneinander. Möglicherweise ergibt es Sinn, auf Doppel-Wettbewerbe zu verzichten. Der Hessische Tennis-Verband ist optimistisch, dass der Spielbetrieb starten kann, und hat seine Mitgliedsvereine Ende März darauf hingewiesen, dass die Medenrunde nicht vor Juni beginnen werde. "Sollte es die Entwicklung zulassen, ist der Start des kompletten Mannschaftsspielbetriebs für den 8. Juni vorgesehen", heißt es in der Mitteilung. Sollte das funktionieren, würden die Tennisspieler fast noch im normalen Zeitplan liegen.

Tischtennis:Einer, der sich mit der Basis als auch mit der Weltklasse auskennt, ist Thomas Weikert. Selbst aktiver Spieler im Verbandsliga-Team des TTC Elz, muss er sich in seiner Funktion als Präsident des Tischtennis-Weltverbandes (ITTF) um Weltmeisterschaften, Olympische Spiele und den World-Men’s-Cup kümmern, der vom 16. bis 18. Oktober in Düsseldorf stattfinden soll. Diesbezüglich ist Thomas Weikert noch optimistisch. Immerhin ist der DTTB-Stützpunkt in Düsseldorf inzwischen wieder für die Top-Athleten zu Trainingszwecken geöffnet. Doch es soll auch im Tischtennis-Kreis und auf Landesebene irgendwann wieder losgehen. Ideen gibt es genug, wie man die hygienischen und abstandstechnischen Hürden nehmen könnte. "Wenn wir bei Punktspielen auf die Doppel verzichten würden, wären acht bis zwölf Spieler in der Halle. Die Zwei-Meter-Abstandsregel wäre gewährleistet", sagt der Jurist. Auch für eine Trainingseinheit sieht Weikert Möglichkeiten: "Man könnte bis zu fünf Platten aufbauen; in jede Ecke eine und eine in die Mitte. Daran könnten insgesamt zehn Spieler trainieren." Bälle und Tische müsse man vor Spielbeginn und am Ende desinfizieren. Oder man arbeitet mit sehr vielen Bällen. An den Halleneingängen sollte eine Handdesinfektion möglich sein. Geduscht wird zu Hause.

Leichtathletik: Ebenfalls eine klassische Individualsportart, bei der man sich gut aus dem Weg gehen kann. Martin Rumpf, 2. Vorsitzender des Hessischen Leichtathletik-Verbandes (HLV), teilt mit, dass die Stützpunkte in Frankfurt-Kalbach und an der Hahnstraße für die Bundeskader-Athleten wieder geöffnet sind. Allerdings müsse man den 1:1-Plan einhalten; sprich: ein Athlet plus ein Trainer. In der Halle dürfen sich sechs Personen tummeln, im Freien acht.

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