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Der Spielerpass auf dem Papier soll bald schon der Vergangenheit angehören.

Umstellung

Der Spielerpass wird digital: Das müssen Fußballvereine aus der Wetterau jetzt wissen

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Längst verjährte Fotos, fehlende Stempel oder keine Unterschrift - die Spielerpasskontrolle ist für Vereine und Schiedsrichter oft lästig. Das soll sich nun ändern. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Der digitale Spielerpass im Fußball ist auf dem Vormarsch. Nach der Hessenliga wird dieser in der kommenden Saison hessenweit in weiteren Spielklassen eingeführt, wie der Hessische Fußball-Verband (HFV) bekanntgab. "Es wird höchste Zeit, denn Hessen ist einer der letzten Landesverbände, der den digitalen Spielerpass flächendeckend einführt", sagt Kreisfußballwart Thorsten Bastian. Auch die Friedberger Vereine werden künftig verpflichtet sein, ihre Spieler online zu legitimieren. Wir beantworten dazu die wichtigsten Fragen.

Was ist der digitale Spielerpass?

Die digitale Form soll den Spielerpass in Papierform ersetzen. Die Akteure werden über ein Spielerfoto legitimiert, das der Verein im DFB-Net hochladen muss. Der Schiedsrichter bekommt dann vor der Partie keine Mappe mehr vorgelegt, sondern kontrolliert die Akteure anhand einer Spielberechtigungsliste an einem Computer oder Tablet.

Warum wird der digitale Spielerpass eingeführt?

Der Verband will die Kontrollen für Schiedsrichter, Vereine und Klassenleiter erleichtern. "Vergessene Spielerpässe, fehlende Vereinsstempel und lästiges Warten auf Passbilder gehören der Vergangenheit an", gab der HFV bekannt. Es handelt sich aber immer noch um eine Testphase. Das bedeutet: Wenn für alle Spieler, die eingesetzt werden, das Bild in der Datenbank hinterlegt ist, muss in den betreffenden Ligen kein Pass in Papierform mehr vorgezeigt werden. Es gibt diese aber weiterhin. Und: Die Vereine müssen die Papier-Pässe weiter zu den Partien mitbringen.

Was passiert, wenn das System ausfällt oder kein Internet verfügbar ist?

Die Vereine müssen die ausgedruckte Spielberechtigungsliste inklusive Fotos der Akteure mit zu den Partien bringen. Bei einem Systemausfall werden die Spieler darüber legitimiert. "Das kann vor Saisonbeginn ausgedruckt werden, laminieren und im Sportlerheim oder dem Mannschaftskoffer abgelegt werden", sagt Bastian. Zudem gibt es bisher ja weiterhin die Pässe in Papierform.

In welchen Ligen gibt es den neuen Spielerpass?

In der Hessenliga gab es den digitalen Pass schon in der vergangenen Saison, allerdings auf freiwilliger Basis. Nun weitet der Verband diesen auf alle Verbandsspielklassen also auch auf die Verbands- und Gruppenligen der Herren, Frauen und des Nachwuchses aus. Alle Nachwuchsligen im Fußballkreis Friedberg sind Pilotspielklassen. Der digitale Pass ist seit dieser Saison somit im kompletten Nachwuchsbereich verpflichtend. Im Seniorenbereich ab der Kreisoberliga abwärts ist es auf freiwilliger Basis, ab der Saison 2021/22 soll es Standard sein.

Was müssen die Vereine der Pilotklassen beachten?

Sie müssen für alle Akteure ein Foto in der Spielberechtigungsliste im DFB-Net hinterlegen. Bei ihren Heimspielen müssen die Klubs dem Schiedsrichter zudem einen PC oder ein Tablet für die digitale Überprüfung der Spieler bereitstellen.

Was ist das Ziel des Verbandes?

Der Verband will "eine Entbürokratisierung und weniger Bestrafungen". Das langfristige Ziel des HFV ist die "vollständige Abschaffung des herkömmlichen Spielerpasses in Papierform zum Verbandstag im Juni 2020". Dafür muss dort allerdings die Satzung und Ordnung geändert werden.

Was halten Klassenleiter und Schiedsrichter von der neuen Form?

Die Freude ist groß. Marvin Roos (Echzell) ist als Schiedsrichter, bis hoch zur Männer-Verbandsliga und Klassenleiter der Gruppen 2 der Friedberger B- und C-Liga leidgeprüft. Vergessene Pässe, alte Fotos, fehlende Stempel. "Für Schiedsrichter ist die elektronische Anwendung deutliche einfacher. Gerade zu Saisonbeginn sind die Passmappen oft unvollständig, das muss dann dem Klassenleiter gemeldet werden, der dann wiederum die Vereine auffordern muss, das in Ordnung zu bringen", sagt Roos. Der elektronische Spielerpass mache die Kontrolle für Schiedsrichter deutlich einfacher und hält den Aufwand gering. Roos sagt aber auch: "Für die Vereine ist es natürlich erstmal ein großer Aufwand, aber wenn es einmal gemacht ist, ist es auch für sie eine Erleichterung."

Wie bewerten die Vereine die Einführung?

Dörthe Wacker beschäftigt sich einerseits als Trainerin der G-Jugend des SV Assenheim mit dem elektronischen Spielerpass, als stellvertretende Kreisjugendwartin steht sie zudem mit den Vereinen des Fußballkreises in Kontakt. Sie sagt: "Es ist eine Erleichterung für die Vereine, da viel Bürokratie wegfällt." Die Skepsis seitens der Vereine halte sich bei Sitzungen und Schulungen in Grenzen, wie Wacker sagt. "Man hat gesehen, dass es mit dem elektronischen Spielbericht funktioniert, also sollte es mit dem elektronischen Spielerpass auch funktionieren.

Wie ist es um den Datenschutz bestellt?

Die Spielerfotos unterliegen nach derzeitiger rechtlicher Einschätzung grundsätzlich der Datenschutzgrundverordnung, schreibt der HFV. Dennoch müssen Nachwuchstrainer bei den Eltern der Spieler Überzeugungsarbeit leisten. "Die Eltern müssen ihr Einverständnis geben, dass die Fotos ihrer Kinder in das System hochgeladen werden dürfen. Fehlt die Zustimmung, erhält das Kind keine Spielberechtigung", sagt Wacker. Thorsten Bastian ergänzt dazu: "Es braucht keiner Angst haben, es ist alles datenschutzrechtlich abgesichert. Einer Verwendung der Daten auf der Plattform fussball.de kann widersprochen werden. Das ist auch für Seniorenspieler in sensiblen beruflichen Positionen wichtig."

Wo finde ich als Verein Informationen zum digitalen Spielerpass?

Der HFV hat auf seiner Homepage unter dem Artikel "Projekt digitaler Spielerpass 2020" alle Informationen gesammelt und Videos zum Umgang mit dem DFB-net bereitgestellt. Auch auf der Vorrundenbesprechung im Kreis Friedberg am Sonntag (11 Uhr, Sportheim des FC Karben) wird der digitale Spielerpass ein Thema sein. Ärgerlich: "Zu einer Schulungsveranstaltung im Mai, zu der Vereine aus den Kreisen Frankfurt, Offenbach, Gießen und Friedberg eingeladen waren, ist kein einziger Verein aus unserem Kreis erschienen", sagt Bastian. (Foto: hfv.de)

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