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RSV-Rollstuhlbasketball-Urgestein Dirk Köhler gibt den mittelhessischen Topclubs gute Ratschläge bei der Anzeige für Kurzarbeit. FOTO: PRIVAT

Lokalsport

Spezialist in Sachen Kurzarbeit

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Sein Know-how ist gefragt. Der ehemalige Rollstuhlbasketball-Nationalspieler Dirk Köhler ist in Wetzlar bei der Agentur für Arbeit tätig. Die kürzlich initiierte Interessengemeinschaft "Teamsport Hessen" nimmt die Dienste von Köhler auch gerne privat in Anspruch.

Dirk Köhler ist eine Rollstuhlbasketball-Legende. Mit seinem RSV Lahn-Dill hat er in seiner aktiven Laufbahn 34 Titel auf nationaler und internationaler Ebene gewonnen. Mit der deutschen Nationalmannschaft nahm er an vier Paralympischen Spielen (2000, 2008, 2012 und 2016) teil. Seine Ausbeute mit der deutschen Elite waren zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen bei Europameisterschaften. Nach der Saison 2018 trat der heute 52-Jährige kürzer - der Center treibt nun in der zweiten Mannschaft des RSV sein Unwesen unter dem Korb. Der jahrelange Spagat zwischen beruflicher und sportlicher Karriere war für ihn immer schwieriger zu bewältigen.

Aktuell steht der gebürtige Bad Hersfelder wieder im Fokus. Er ist in Wetzlar bei der Agentur für Arbeit angestellt und dort die letzten elf Jahre im Arbeitgeber-Service tätig. Für die vergangene Woche von der HSG Wetzlar, dem RSV Lahn-Dill und den Gießen 46ers ins Leben gerufene Interessengemeinschaft "Teamsport Hessen", an der auch der EC Bad Nauheim beteiligt ist, ist Köhler in Zeiten von Kurzarbeit und Zuschüssen ein begehrter Ratgeber.

Wer stellte den Kontakt zu Ihnen her?

Andreas Joneck, der Geschäftsführer des RSV Lahn-Dill. Er weiß ja, dass ich bei der Agentur für Arbeit in Wetzlar tätig bin. Andy hatte mit Björn Seipp (Anm. d. Red., Geschäftsführer HSG Wetzlar) darüber geredet und gab ihm meine Kontaktdaten - und dann kamen auch die Gießen 46ers dazu. Selbst Triers Rollstuhlbasketball-Spielertrainer Dirk Passiwan hatte Fragen zum Thema. Von daher bin ich fast bundesweit im Einsatz.

Mit welchen Fragen wurden Sie bombardiert?

Hauptsächlich ging es um das Verfahren, wie man grundsätzlich Kurzarbeit anzeigt. Was man berücksichtigen muss? Und dann hinterher um die Abrechnung - wie geht das vonstatten, wie berechnet sich das ungefähr? Wir haben einen E-Service. Das sind Onlineportale, bei denen man die Unterlagen online erstellen und gleich bei uns im System hochladen kann. Es waren meist normale Beratungsgespräche.

Wie konnten Sie den Clubs weiterhelfen?

Es waren ja überwiegend grundsätzliche Fragen zu beantworten: Wer hat Anspruch auf Kurzarbeit, was muss man entsprechend vereinbaren? Die Mitarbeiter sind alle angestellt, sie sind sozialversicherungspflichtig, sie zahlen normal Beiträge zur Arbeitslosenversicherung. Von daher sind sie in solchen Fällen auch abgedeckt.

Kurzarbeit ist gerade für Sportprofis nicht alltäglich.

Das ist wirklich ein Ausnahmefall. Kurzarbeit kommt für Clubs fast nie infrage. Wenn die Spieler ihre Verträge nicht verlängert bekommen und sie arbeitslos sind, beantragen sie bei uns Arbeitslosengeld.

Sie sind Präsident des Gesamtvereins RSV Lahn-Dill?

Ja. Im letzten Jahr habe ich das Amt von Peter Bangel übernommen, der es 33 Jahre lang inne hatte.

Haben Sie einen Tipp für die Vereine, wie sie sich verhalten sollen - auch in Richtung Zuschüsse?

Wir informieren über die Förder- oder Zuschussprogramme, die über das Land oder über den Bund gehen. Wir entscheiden darüber nicht, aber wir sind diesbezüglich immer auf dem Laufenden und wissen, wie und wo man das beantragen kann. Durch die Netzwerkarbeit unter den Sportvereinen wissen das die meisten auch. Wir beim RSV sind zum Beispiel Mitglied beim hessischen Behinderten- und Reha-Sportverband. Dort gibt es Newsletter, auf denen Hinweise zum Kurzarbeitergeld stehen. Und natürlich gibt es auf den sozialen Medien wie Instagram, Twitter und Facebook jede Menge Informationen über das Thema.

Sie sind zurzeit ein gefragter Mann bei den hiesigen Topclubs. Sind Sie immer für eine Auskunft bereit?

Wer weiß, dass ich in diesem Bereich arbeite, kann mich anrufen. Ich bin nicht jemand, der zu Hause sitzt und sagt, ich habe jetzt Freizeit. Nein. Wenn ich selbst Fragen habe, dann bin ich auch schnellstmöglich darauf bedacht, Antworten zu erhalten. Ich lasse niemanden stundenlang warten. Am Wochenende haben mich zum Beispiel Sven Köppe (Manager RSV Lahn-Dill) und Sebastian Jung (Leiter Vertrieb Gießen 46ers) angerufen, die Fragen zu den Themen hatten. Da habe ich natürlich zurückgerufen. Mir ist das egal, ob sie im Büro oder über mein Handy anrufen.

Nicht nur eine stressige Zeit für Sie?

Das ist für alle eine besondere Situation. Nicht nur für die Unternehmen und die Clubs - auch für uns hier. Wir haben im Jahr regional ungefähr 1100 Kurzarbeitsfälle und jetzt sind es zigtausende - hessenweit sogar 30 000. Das ist außergewöhnlich. Das hat bisher noch niemand erlebt, und ich hoffe, dass man so etwas nicht mehr erleben wird. Es geht für viele um die Existenz.

Wie sieht es bei den Vereinen aus?

Wir haben in unserem Verein keine Arbeitsverhältnisse, daher fahren wir diesbezüglich im ruhigen Wasser. Aber es gibt Vereine, die zum Beispiel Reha-Sport anbieten und einen Übungsleiter angestellt haben, der sozialversicherungspflichtig ist. Wenn man dann wochenlang keinen Rehasport anbieten kann, brechen dir als Verein die Einnahmen weg und du hast laufende Kosten. Dann können auch einige Vereine in Bedrängnis geraten und müssen ein Insolvenzverfahren einleiten, sonst haftet man als Vorstand.

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