Auch im Sommer für den Wintersport aktiv: Geschäftsführerin Stefanie Wintershoff (2. v. r.) sowie (v. l.) Melanie Heisel, Jonas Wintershoff und Kevin Nickel. FOTO: NICI MERZ
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Auch im Sommer für den Wintersport aktiv: Geschäftsführerin Stefanie Wintershoff (2. v. r.) sowie (v. l.) Melanie Heisel, Jonas Wintershoff und Kevin Nickel. FOTO: NICI MERZ

Wintersport

Was macht der Hessische Skiverband eigentlich im Sommer?

  • Erik Scharf
    vonErik Scharf
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Sommer und Skifahren - das passt nicht zusammen. Trotzdem gibt es beim Hessischen Skiverband eine Menge zu tun. Ein Besuch in der Geschäftsstelle in Bad Nauheim.

Bad Nauheimer Parkstraße, vierter Stock, kein Aufzug - ein bisschen Ausdauer muss man mitbringen, wenn man die Geschäftsstelle des Hessischen Skiverbands (HSV) besuchen will. Aber irgendwie passt es auch, schließlich muss man zum Skifahren meistens hoch hinaus.

Nur, im Sommer sind die Gedanken eher selten im Skigebiet. Trotzdem ist die HSV-Geschäftsstelle täglich besetzt. Geschäftsführerin Stefanie Wintershoff empfängt im Konferenzraum mit Blick auf die Dächer von Bad Nauheim. In der Ecke steht ein Paar Holzski aus vergangenen Tagen, und irgendwie verspürt man Lust, damit den Hang im Bad Nauheimer Kurpark herunterzufahren. "Das Highlight im Sommer ist der City-Biathlon in Wiesbaden, auch wenn dieser durch Corona dieses Jahr nur in abgespeckter Version stattfinden kann", sagt Wintershoff. Also doch keine Abfahrt im Park.

Gemeinsam mit vier weiteren Mitarbeitern in Teilzeit sowie einer Studentin und einem Freiwilligendienstler ist es ihre Aufgabe, die 230 hessischen Skivereine und -abteilungen mit rund 35 000 Mitgliedern zu betreuen und zu stärken.

Und dabei gibt es auch in Sommertagen eine Menge zu tun, wie Wintershoff deutlich macht. Ein Aspekt der Arbeit des HSV hat mit den Jahreszeiten und mit Wintersport im Speziellen wenig zu tun. "Heute stellen die Leute keine Verbindung zu einem Verband mehr her. Für junge Leute ist das Thema Verband antiquiert", sagt Wintershoff.

Seit 2011 arbeitet die 49-Jährige daran, das zu ändern. "Überall ist die zentrale Frage, wie man Leute findet, die bereit sind, ehrenamtlich mitzuarbeiten", sagt die gelernte Bankkauffrau. Nicht überall funktioniert es so gut wie beim 2011 gegründeten Skiteam Bellersheim, das mittlerweile rund 500 Mitglieder zählt. Es sei vielerorts eine schwere Aufgabe, "zumal unsere Skivereine in ihrem Angebot sehr heterogen sind. Da sei es nicht möglich, universell zu agieren, vielmehr "versuchen wir, mit den Vereinen zu sprechen, sie mitgestalten zu lassen".

Doch auch dazu müsse man die richtigen Leute heutzutage motivieren. "Selbst auf einem Verbandstag müssen wir einen Mehrwert außerhalb der Tagesordnung bieten, damit sich die Fahrt für die Teilnehmer lohnt. Keiner will mehr den ganzen Tag in einem Saal zugetextet werden", sagt Win-tershoff, zumal man dann am Ende der Veranstaltung überhaupt nicht wisse, was in den Vereinen Phase ist.

Um die Kommunikation zu verbessern, hat sich der HSV in der Außendarstellung mit Newslettern und Social Media breiter und jünger aufgestellt. Dabei liegt das Potenzial vor der Haustür: "Tausende kommen jedes Jahr zum Langlauf nach Schotten. Selbst aus Westfalen kommen Busse zum Taufstein gefahren, weil es abgesehen von Süddeutschland die einzige Region mit Schneesicherheit ist. Nur sind die wenigsten Mitglied in einem Skiverein", sagt Wintershoff. Hier gelte es für den HSV, bei der Entwicklung von Angeboten und der Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen, um die Nicht-mitglieder in die Vereine zu locken.

Suche nach Skilehrern

Ein Punkt, der damit verknüpft ist, ist die Ausbildung von ehrenamtlichen Skilehrern. "Früher haben die Ausbilder von der Hotelbuchung bis zu den Skipässen alles selbst organisiert. Damit will sich aber heute keiner mehr rumschlagen. Wenn wir diese Aufgaben als Verband nicht auffangen würden, würden wir auch keine Ausbilder mehr finden", sagt Wintershoff. Zwei Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle sind mit diesem Thema ganzjährig beschäftigt.

Die Hoffnung des Skisports in Hessen liegt, wie überall, auf der Jugend. Beim HSV hat man sich rechtzeitig darum gekümmert und gilt innerhalb des Deutschen Skiverbands als Vorzeigemodell. "Vor fünf Jahren haben wir die Jugendarbeit jungen Leuten übergeben, die zwischen 14 und 17 Jahre alt waren. Die haben tolle Ideen, organisieren Events für die Skijugend, haben aber auch nur begrenzt Zeit. Dafür bekommen sie Unterstützung vom Freiwilligendienstler", sagt die Geschäftsführerin.

Die Senioren hat der HSV aber auch im Blick und entwickelt Programme, "es gibt beispielsweise gelenkschonendes Skifahren, und auch im Alter kann man noch mit Langlauf beginnen", sagt Wintershoff.

Es bleibt ein harter Kampf um Aufmerksamkeit. "Die wenigsten wissen, dass man in Hessen nordischen Leistungssport betreiben kann", sagt Wintershoff. Zudem gibt es kaum Aushängeschilder. Einer der wenigen hessische Wintersportler mit internationalem Format ist Skispringer Stephan Leyhe. Weltcup-Biathletin Nadine Horchler hat ihre Karriere kürzlich beendet.

Zwar habe Wintershoff schon Anrufe aus dem Rhein-Main-Gebiet erhalten, wo Eltern sagten, dass ihr dreijähriger Sohn gerne Skispringer werden möchte, erzählt die Geschäftsführerin, "das ist aber eher die Ausnahme". Genau wie Schnee im Sommer. Langweilig wird es beim Hessischen Skiverband trotzdem nicht.

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