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Wohin führt der Weg? Die beiden Plätze sowie das Übungsareal im Golfclub Friedberg sind aktuell geschlossen. FOTO: NICI MERZ

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Solidarität trotz guter Arguemente: Wie die Golfer auf Platzsperren reagieren

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Bewegung an der frischen Luft, ein Spaziergang im Grünen; mit Schlägern eben. Oft alleine oder in kleiner Gruppe, körperlich auf Abstand. Der Golfsport hat in Zeiten der Corona-Krise gute Argumente auf seiner Seite, die Plätze sind im Frühjahr aber gesperrt. - ein Stimmungsbild.

Abschlagmarkierungen und Fahnen fehlen. Hier und da knattert ein Motor - Platzpflegearbeiten eben. Die Greenkeeper sind in diesen Tagen auf den Golfplätzen unter sich. Der Spielbetrieb, der gewöhnlich gerade den Monaten März und April so richtig an Fahrt aufnimmt, ruht; mit weitreichenden Konsequenzen für den Verband, Betreiber, Mitglieder, Gastronomen und Trainer.

"Den Klubs brechen Einnahmen weg. Und das wird man spüren", sagt Marc vom Hagen. Der vielfache Meister im Golfclub Bad Nauheim leitet die Geschäftsstelle des Hessischen Golf-Verbandes. Greenfee, Trainingsbälle, Startgelder für Turniere - all das macht oft einen Großteil der Einnahmen aus. All das fehlt. "Wir prüfen, was wir auch als Verband tun können, um die Klubs liquide zu halten", sagt vom Hagen. Er selbst sehe trotz "aller sachlichen Argumente" für den Golfsport die Solidargemeinschaft im Vordergrund. "Der Spirit of the Game ist Teil unserer DNA. Und allein deshalb sollte keiner beginnen, um Ausnahmegenehmigungen zu feilschen."

Der hessische Verband feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. "Viele Dinge dazu sind geplant. Vieles hängt nun in der Warteschleife." Schulaktionen, Sichtungstage, Kadertraining, interne Sitzungen - alles abgesagt. Mit Video-Challenges wird versucht, den rund 60 Kindern und Jugendlichen in den Nachwuchskadern Aufgabenstellungen zu bieten. "Und das wird auch gut angenommen. Offen ist, wann der Ligenspielbetrieb beginnt: "Da haben wir aber auch noch ein bisschen Luft", sagt vom Hagen.

Ein Sommer- und Outdoor-Geschäft

Trainer wie Robert Schmalfuß, der seit 2008 die Golfschule in Friedberg-Ockstadt betreibt, wurden durch die Corona-Krise und die entsprechenden Maßnahmen ihrer Arbeitsgrundlage beraubt. In reichlich Technik hatte Schmalfuß jüngst investiert; zur Schwunganalyse, zur Simulation. Gerade in den jetzigen Tagen trifft’s ihn besonders hart. Der Beruf Golftrainer ist in erster Linie ein Sommer- und Outdoor-Business. Im Frühjahr werden die Grundlagen geschaffen; die sportlichen wie die wirtschaftlichen. "Die Regeln gelten aber für alle. Auch wenn’s momentan schwer fällt. Und auch wir Golfer müssen uns solidarisch zeigen und dürften uns nicht als privilegiert betrachten", sagt er.

Doch gerade dieses Image hängt den Sportlern oft nach. Die Politik werde für einzelne Sportarten keine Ausnahme machen. "Das könnte zu gesellschaftlichen Spaltungen führen, die gerade jetzt vermieden werden müssen." Immerhin: Vom Betreiber der Anlage, deren Trainingsbetrieb er gepachtet habe, sei Entgegenkommen signalisiert worden.

Die Parkplätze rund um die Golfplätze in der Region sind seit Tagen leer. Am Wochenende vor der Schließung hatten die Fairways, Grüns und Übungsplätze bei herrlichen Temperaturen Pilgerstätten noch geähnelt. Die Golf-Nation schien bereit für den Frühling. Nun wurde vielerorts bereits Kurzarbeit angemeldet. Die Sekretariate sind nur wenige Stunden pro Tag besetzt. "Die Sonne scheint. Normalerweise zieht’s unsere Mitglieder jetzt nach draußen. Aber alle sind sehr diszipliniert", sagt Lucia Pinsel, Managerin vom Golfclub Altenstadt. In den vergangenen Tagen waren Videos in den sozialen Medien kursiert, die zeigten, dass sich mancherorts über Verbote hinweggesetzt worden war.

Wirtschaftlicher Stresstest

In Bad Vilbel ist Anne Wenzel als Ansprechpartnerin präsent. Das Klub-Leben, dass hier beispielsweise auch durch Konzertabende in den Wintermonaten geprägt war, ist natürlich komplett zum Erliegen gekommen. Hin und wieder spazieren Mitglieder ohne Schläger über den Platz - "und lernen ihn vielleicht ganz neu kennen", sagt Wenzel. "Ich denke, Golfanlagen werden irgendwann zu den ersten zählen, die wieder öffnen werden. Aber wir sollten uns solidarisch zeigen und uns auf das besinnen, was wichtig ist: die Gesundheit. Vielleicht steigt im Anschluss die Wertschätzung für scheinbare Selbstverständlichkeiten."

Im Golfclub Friedberg wurde eine 25-Jahre-Veranstaltung bereits abgesagt; ebenso die Turniere; "bis auf Weiteres.", wie Michael Ernst, der Präsident, sagt. Im Verein selbst könne man die Situation noch unaufgeregt sehen, allerdings ist der Klub auch auf die Zahlungen der Betreiber-GmbH angewiesen, der nun Einnahmen fehlen. "Das wird zum wirtschaftlichen Stresstest."

Für den Golfclub Bad Nauheim spricht Vizepräsident Matthias Baier von "großer Einsicht" unter den Mitgliedern. "Den einen, der nach möglichen Rückerstattungen seiner Beiträgen fragt, gibt’s immer. Aber der hat dann auch den Ernst der Lage nicht erkannt." Die elitären Zeiten seien Teil der Vergangenheit. "Unsere Golfer sind ein Querschnitt der Gesellschaft. Und solidarisch", sagt Baier.

Einig sind sich alle: Durch die aktuellen Möglichkeiten der Platzpflege werden sich die Bahnen und Grüns in einem Top-Zustand präsentieren, wenn die Anlagen wieder zur Verfügung stehen. Nur wann; das kann keiner sagen.

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