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Cengiz Ehliz (M.) hat ehrgeizige Ziele mit den Tölzer Löwen.

Sind die Tölzer Löwen verrückt geworden?

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Trommeln gehört dazu. Cengiz Ehliz, 49 Jahre alt, spielt gerade ein wildes Schlagzeug-Solo. Der Unternehmer ist Hauptsponsor bei den Tölzer Löwen in der Deutschen Eishockey-Liga 2. Neulich war Teampräsentation, die Spieler wurden auf Harleys vorgefahren, Ehliz stand auf der Ladefläche eines Trucks und donnerte den Fans Parolen mit seinen Zielsetzungen für den Club entgegen: Diese Saison die Playoffs, 2023 dann der Aufstieg und 2026 die Deutsche Meisterschaft. Tölz dann also vor München, Mannheim, Köln, Düsseldorf oder Berlin. Ehliz hat auch schon einen Filmtrailer anfertigen lassen, und auf den Dauerkarten ist aufgedruckt: 1962 - 1966 - 2026. Die beiden bisherigen Meisterjahre und das angestrebte.

Es ist eine großspurige Ansage. Die Realität ist, dass das Eishockey sich von seinen Traditionsstandorten entfernt hat und der einst ruhmreiche EC Bad Tölz, Brutstätte ganzer Generationen von Nationalspielern, seit über 40 Jahren nicht mehr erstklassig ist. Die Eissport GmbH hat mehr als einen finanziellen Kollaps hinter sich, der derzeitige Geschäftsführer Christian Donbeck tätigte auch schon beim EV Landshut große Versprechungen, die er nicht einlösen konnte. Zuletzt hat sich Bad Tölz mit Mühe in der DEL 2 halten können. Woher nun der Antrieb, nach ganz oben kommen zu wollen?

Das hat mit Cengiz Ehliz zu tun und seiner Firma "Wee", einem Anbieter im Bereich Cashback. Ähnlich der weit verbreiteten Payback-Karte. Bei "Wee" gibt es statt Punkten auch die Option des Sofortrabatts. Ehliz sagt, er wolle den regionalen Einzelhandel stärken, die Dauerkarte bei den Löwen ist zugleich eine Wee-Card, man könne sich den Eishockey-Eintritt über Einkäufe bei Wee-Partnern finanzieren. Nach eigenen Angaben ist die Firma, deren Zentrale in München neben der von Microsoft steht, auch bei den Lausitzer Füchsen (DEL 2) und dem FC Sion (Schweizer Super League im Fußball) im Einsatz, mit der chinesischen Region Shenzhen soll ein Vorvertrag bestehen. Ehliz nennt sich selbst einen "Gründer und Visionär", zu Füßen liegt ihm die CSU, die ihn jüngst zum "Unternehmer des Jahres in München" kürte. "Wee" muss sich allerdings auch Kritik gefallen lassen. "Nah an der Grenze zum Schneeballsystem" sieht die Plattform "akom360" das Geschäftsmodell, draufzahlen würden die Vertriebspartner. Ein Projekt im Düsseldorfer Nahverkehr wurde schnell wieder eingestellt. Ehliz beklagt derweil "mediales Bashing".

Und wie ist die forsche Tölzer Ankündigung in der DEL angekommen? "Das ist keiner unserer Klubs, wir haben das auch nur gelesen", erklärt DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke, lässt aber anklingen, dass es für die Löwen bei einer Bewerbung um einen DEL-Platz schon in der Stadionfrage eng werden könnte. Die ehemalige Hacker-Pschorr- (nun Wee-) Arena ist ziemlich klein, hat deutlich weniger Sitz- (756) als Stehplätze (3359). "Grundsätzlich", so Tripcke, "kann man es aber cool finden, wenn ein Traditionsverein wieder nach oben kommt - mit künstlicher Beatmung."

"Man muss anerkennen, wenn einer etwas macht", erklärt Christian Winkler, Geschäftsführer des EHC München. Für ihn ist es nicht leicht, Stellung zu beziehen. Cengiz Ehliz und Wee gehören auch in München zum Sponsorenpool, Yasin Ehliz, der Neffe von Cengiz, ist zudem Spieler beim aktuellen Vizemeister. Aber auch Winkler gönnt sich zu Tölz ein Lächeln.

Spitzenetats in der DEL dürften sich im Jahr 2019 um die 15 Millionen Euro bewegen, 2026 werden es 20 Millionen sein. Die Titelaspiranten spielen in Multifunktionsarenen mit bester VIP-Vermarktung. Ehliz investiert diese Saison bei den Löwen "im unteren siebenstelligen Bereich". Die Mannschaft wurde mit Erfahrung bestückt, der neue Trainer Kevin Gaudet war zumindest in der DEL 2 mit Bietigheim erfolgreich. Das erste Ziel, die Playoffs 2020, könnten die Löwen daher wohl erreichen. Günter Klein

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