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Dunkle Schatten legen sich über den Amateurfußballs. Die Probleme von sinkenden Mannschaftszahlen vor allem im Jugendbereich sind das große Zukunftsproblem von Vereinen und Verbänden. Der Masterplan hat dafür nur wenige Lösungen parat. (Symbolfoto: dpa)

Masterplan Amateurfußball

Sieben Jahre "Masterplan Amateurfußball" in Friedberg: Großer Plan ohne große Lösung

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Die zweite Phase des "Masterplan Amateurfußball" läuft in diesem Jahr. Doch was bringt das Konzept des DFB überhaupt bei den Vereinen vor Ort? Wir haben nachgefragt.

Die "Seele unseres Spiels " will der Deutsche Fußball-Bund stärken. Dies hat zumindest der nun geschasste DFB-Präsident Reinhard Grindel in seinem Vorwort zum "Masterplan 2017-2019" vor zwei Jahren geschrieben. Ein gutes halbes Jahr vor Ablauf der zweiten Phase der 2012 ins Leben gerufenen Initiative stellt sich die Frage, nach Erfolg und Misserfolg. In der Analyse der Handlungsfelder Kommunikation, Spielbetrieb und Vereinsservice mit dem Friedberger Kreisfußballwart Thorsten Bastian wird schnell klar: Die Antwort ist vielschichtig:

Masterplan Amateurfußball: Die Analyse in den drei Handlungsfelder Kommunikation, Spielbetrieb, Vereinsservice

Kommunikation: Je einen sogenannten Vereinsdialog (siehe Kasten) und einen Kreisdialog hat es seit Einführung des Masterplans im Kreis Friedberg gegeben. Während der Vereinsdialog für den Austausch zwischen Verband und einem exemplarischen Verein gedacht ist, ist der Kreisdialog für die Sorgen und Nöte aller Vereine im Kreis konzipiert. Doch das Fazit nach der Veranstaltung bei der FSG Burg-Gräfenrode fiel angesichts einer schwachen Beteiligung ernüchternd aus. "Das ist sehr schade, wenn die Vereine nicht bereit sind, an so etwas teilzunehmen", sagt Bastian.

Der Spielbetrieb läuft nur, wenn man auch genug Leute hat, die Fußball spielen wollen

Thorsten Bastian

Spielbetrieb: Für Bastian ist die Sicherung des Spielbetriebs das Kerngeschäft des Verbandes. Hier habe man mit der Einführung der Futsal-Regeln bei offiziellen Hallenturnieren, der geplanten Einführung des Norweger Modells zur kommenden Saison sowie der Einführung der Fair-Play-Liegen der F- und G-Junioren samt Umsetzung neuer digitaler Strategien rund um das dfb.net für Sportgericht, Spielberichte und bald auch Pässe (fast) alles erreicht. "Das ist eine gute Sache und vereinfacht Vieles. Aber auch dadurch lässt sich dem demografischen Wandel als größtes Problem nicht entgegenwirken. Wir müssen mithilfe der Flexibilisierung des Spielbetriebs der Talsohle soweit wie möglich entgegenkommen, denn unter dem Strich haben wir immer weniger Jugendliche, immer weniger Spieler und immer weniger Schiedsrichter", sagt Bastian. Laut einer Studie werde erst 2027 die Situation im Bereich der E-Jugend wieder besser, bis diese dann im Seniorenbereich ankämen wäre es 2040. "Das sollte ein Alarmsignal für die Vereine sein. Die Angebote in Sachen Fortbildung, Lizenzen und Co. sind da und jeder muss sich dafür einsetzen. Aber der Spielbetrieb läuft eben nur, wenn man auch genug Leute hat, die Fußball spielen wollen." Das jüngste Beispiel: Für den gemeinsamen Neulingslehrgang der Schiedsrichter in den Kreisen Büdingen und Friedberg gab es gerade einmal zehn Anmeldungen. Für die Seniorenteams sei die Prognose angesichts von 13 A-Jugendmannschaften auch nicht besser. Diesen "gordischen Knoten" gelte es zu lösen, doch da helfe der Masterplan auch nicht.

Masterplan Amateurfußball: Das Fazit fällt gemischt aus

Vereinsservice: Ein großer Teil des Masterplan befasst sich mit der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Trainer, Betreuern und Ehrenamtlichen. Hier ist der stellvertretende Kreisfußballwart und Koordinator für Qualifizierung, Lars Osadnik, tätig. "Ich habe am Anfang Schwierigkeiten gehabt, die Vereine zu motivieren und unsere Maßnahmen publik zu machen, aber mittlerweile stehen wir sehr gut da", sagt der Echzeller, der Schulungen für Vereinsmitarbeiter im Wechsel- oder Steuerrecht oder in Sachen Datenschutz organisiert, aber auch Jugendtrainer ohne Lizenz in Kurzschulungen ausbildet oder Lizenzlehrgänge veranstaltet. Gemeinsam mit der Jugendbildungsbeauftragten Dörthe Wacker "zeigen wir den Vereinen die Möglichkeiten dafür auf" – mit Erfolg.

Fazit: Viele der im Masterplan verankerten Felder seien zwar wichtig und erleichterten hier und da auch das Leben, seien am Ende des Tages aber nicht selten "Nebenkriegsschauplätze", erklärt Bastian. Das vielbeschworene "aus der Praxis für die Praxis" habe auch dieser Plan (leider) nicht umsetzen können. Immerhin ist seine Botschaft: "Bei uns im Kreis Friedberg ist der Spielbetrieb für die kommenden Jahre gesichert."

Info

Der Vereinsdilaog - ein Beispiel aus der Praxis

6. Oktober 2016: Auf dem Vereinsgelände des FC Ober-Rosbach kommen HFV-Präsident Stefan Reuß, Kreisfußballwart Torsten Bastian mit seinen Mitstreitern Rainer Klöppel und Harald Wilke sowie Mitglieder des Vorstands des FC zum Vereinsdialog zusammen. Käding und Co. hatten auf Initiative Bastians die Veranstaltung organisiert, ihre Sportanlage präsentiert und im Vorfeld bereits etliche Themen vorbereitet. Verband und Verein stellen ihre Sichtweisen auf das aktuelle Geschehen dar und treten anschließend in die Diskussion. "Ich hatte den Eindruck, als wenn der Verband wirklich an die Basis kommt. Auch wenn sich deswegen nicht gleich alles verändert hat, würde ich es wieder machen – einfach um mal zu sagen, was uns als Verein unter den Nägeln brennt", sagt Käding heute. Natürlich könne man an einem Abend nicht die strukturellen Probleme für die Zukunft des Fußballs lösen, aber eben auch einmal über die kleine Dinge besprechen, die alle Beteiligten gemeinsam verbessern können. "Für mich war es keine vergeudete Zeit, weil ich nicht den Eindruck hatte, als ob der Termin nur abgearbeitet worden ist."

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