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Fußball-Globetrotter: Shelby Printemps (am Ball) ist aus der Fußball-Regionalliga Nordost zum Hessenligisten Türk Gücü Friedberg gewechselt.

Außergewöhnlicher Neuzugang

Von Miami einmal um die Welt bis in den Sturm von Türk Gücü Friedberg

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Shelby Printemps ist wohl das, was man als Globetrotter bezeichnen kann. Er hat schon fast überall auf der Welt Fußball gespielt - nun ist er bei Türk Gücü Friedberg in der Hessenliga gelandet.

Shelby Printemps ist schon viel herumgekommen. Auf den kleineren Bühnen der Fußball-Welt. Für sage und schreibe elf Vereine in neun Ländern hat der Stürmer allein in den vergangenen zehn Jahren gekickt, zuletzt beim FSV Optik Rathenow in der Regionalliga Nordost. Jetzt spielt der haitianische Ex-Nationalspieler (ein Spiel/ein Tor) für den Fußball-Hessenligisten Türk Gücü Friedberg. "Ein Flügelstürmer, pfeilschnell", sagt Carsten Weber, der Trainer, über seinen Neuzugang. Sercan Kaplan, Mitglied im Spielausschuss, verweist auf die Verbandsliga-Saison 2017/18 der Kreisstädter. Da sei er schon aufgefallen, damals noch für den FC Sandzak Frankfurt spielend. Beim Trainingsauftakt von Türk Gücü spricht Printemps über seine Karriere als Globetrotter, über die Nationalmannschaft und Rassismus im Fußball.

Shelby Printemps, Sie haben schon auf vier Kontinenten gespielt. Wie kommen Sie nun zu Türk Gücü Friedberg?

Shelby Printemps:Meine Frau, die aus Österreich stammt, ist beruflich in Frankfurt tätig, und Trainer Carsten Weber hat mich über einen Freund kontaktiert. Für mich ist Türk Gücü eine gute Option. Ich möchte dem Klub helfen.

Ihnen eilt der Ruf als Globetrotter voraus.

Printemps:Das war nicht geplant, sondern hat sich letztlich so ergeben. Ich bin als junger Kerl nach Südamerika gegangen. Das war eine tolle Erfahrung; ebenso der Wechsel dann nach Europa. Mir gefällt es, immer wieder eine neue Kultur zu entdecken oder auch eine neue Sprache kennenzulernen.

Im Oktober 2015 wurden Sie für die Nationalmannschaft von Haiti nominiert, haben auch getroffen. Das ist nun vier Jahre her.

Printemps:2010 hatte sich zum Argentinien-Spiel schon einmal eine Einladung, musste aber absagen. 2015 ging’s im Anschluss an die Partie gegen El Salvador noch nach Brasilien, dort haben wir gegen die Olympia-Auswahl gespielt. Ich hatte damals eine sehr gute Saison. Und natürlich würde ich mir wünschen, wieder dabei sein zu können. Man weiß ja nie. Ich bin bereit.

Sie kommen aus der Regionalliga. Gehen Sie einen Schritt zurück, um wieder zwei Schritt nach vorn folgen zu lassen?

Printemps:Ich sehe das nicht als Rückschritt. Ob man vor 30 000 oder 300 Fans spielt, ist egal. Ich habe auch schon vor 30 Zuschauern gespielt. Wichtig ist mir, in einem guten Team auf einem guten Level zu spielen. Und da fühle ich mir hier bei Türk Gücü gut aufgehoben.

Wo fühlen Sie sich zu Hause?

Printemps:Meine Heimat ist grundsätzlich Miami in den Vereinigten Staaten. Ich komme sehr viel herum und kann mich überall anpassen. Natürlich mag ich Spanien; allein schon wegen der Sonne. Aber jetzt wird Frankfurt mein zu Hause sein.

Sie sind gleich zweimal nach Rathenow, zu einem Klub der Regionalliga Nordost, gewechselt. Wie haben Sie in dieser Spielklasse das Thema Rassismus erlebt?

Printemps:Rassismus gibt es überall. Und gerade zu Hause in den USA. Da kann ich mich doch jetzt nicht hinstellen und mich beklagen, wie es möglicherweise in Europa oder eben im Osten Deutschlands ist. Man muss sicherlich auch zwischen körperlichen Übergriffen und verbalen Attacken unterscheiden. Natürlich ist beides falsch. Das ist klar. Aber Beleidigungen lasse ich eigentlich nicht an mich heran. Emotionen und Leidenschaft sind nunmal auch Teil des Sports. Einem Schiedsrichter geht’s doch oftmals nicht besser. Er wird auch von außen übel beschimpft.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie nun in die Saison 2019/20?

Printemps:Ich will dem Team helfen, so gut ich das eben kann. Ich denke, der Klassenerhalt wird an erster Stelle stehen. Und persönlich: Ich nehme Spiel für Spiel und will Leistung zeigen.

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