Thomas Brendel (l.), Trainer und Sportlicher Leiter des FSV Frankfurt, blickt optimistisch auf das Hessenpokal-Finale gegen den TSV Steinbach Haiger. FOTO: HARTENFELSER
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Thomas Brendel (l.), Trainer und Sportlicher Leiter des FSV Frankfurt, blickt optimistisch auf das Hessenpokal-Finale gegen den TSV Steinbach Haiger. FOTO: HARTENFELSER

Ein seltsamer Saisonauftakt

  • vonred Redaktion
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(mka). In Corona-Zeiten ist schon der eine oder andere Terminkalender durcheinandergewirbelt worden, das ist auch im hessischen Fußball so. Den FSV Frankfurt bringt das in eine seltsame Lage: Zum Ende der Vorbereitung auf die neue Saison steht noch die letzte Partie der alten an - und gleich viel auf dem Spiel. "Das ist schon eine ungewöhnliche Situation", sagt Thomas Brendel, Cheftrainer und Sportlicher Leiter der Bornheimer, "dass man direkt in so ein K.-o.-Spiel reinkommt." Und dann auch nicht irgendeines. Zum Anfang gibt es gleich ein Finale: das Endspiel um den Hessenpokal gegen den TSV Steinbach Haiger, am heutigen Samstag (16.45 Uhr), daheim am Bornheimer Hang.

Bei einem Erfolg gegen den leicht höher gehandelten Regionalliga-Rivalen würde der traditionsreiche Frankfurter Stadtteilverein, der am Donnerstag seinen 121. Geburtstag gefeiert hat, in die erste Runde des DFB-Pokals einziehen und dort drei Wochen später dann auf den Zweitligisten SV Sandhausen treffen - das ist bereits ausgelost worden. Für den FSV, zuletzt vor vier Jahren im DFB-Pokal, wäre das in mehrfacher Hinsicht ein Gewinn. Zuallererst wegen der dafür ausgelobten sechsstelligen Prämie, nicht zu verachten für einen Klub, der vor drei Jahren Insolvenz anmelden musste, und obendrein wegen einer Aufmerksamkeit, wie sie den Bornheimern seit dem Zweitliga-Abstieg vor vier Jahren selten zuteil wurde.

Schon das Landespokalfinale bietet dem Klub die Gelegenheit zu einer besseren Außendarstellung, wenn auch nicht in ganz so großem Umfang wie ursprünglich geplant: Als "Finaltag der Amateure" sollten die gebündelten Endspiele der Landesverbände am 23. Mai wieder ein kräftiger Prolog sein für das DFB-Pokalfinale, das kam wegen Corona dann ganz anders. Die ARD aber überträgt trotzdem in Live-Konferenzen von den 19 Standorten, auch aus Frankfurt - noch ein Grund mehr, sich gut zu präsentieren.

FSV gilt etwas als Außenseiter

Um die Schwere der Aufgabe weiß Brendel. "Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Steinbach eine der besten Mannschaften der Liga ist", sagt er, indes: "Ich sehe uns in einer kleinen Außenseiterrolle, aber nicht ohne Chancen. Wir müssen daran glauben und das Momentum nutzen, dann ist alles möglich." So wie in der vergangenen Runde, als man Steinbach zu Hause mit 2:1 schlug.

Während der FSV die wegen der Coronavirus-Pandemie vorzeitig abgebrochene Runde als Tabellenzwölfter der Regionalliga Südwest beendet hatte, wurde der Gegner aus Mittelhessen als Zweiter verbucht, hinter Drittliga-Aufsteiger 1. FC Saarbrücken - und wird in die in zwei Wochen beginnende Mammutstaffel mit 22 Mannschaften als einer der Favoriten gehen. Der Fußballsportverein aus dem Frankfurt Osten hingegen will vornehmlich mit dem Abstieg nichts zu tun haben.

Dafür sieht Brendel sein Team gerüstet. "Die Vorbereitung kann man nie so gut einschätzen, das werden erst die Spiele zeigen. Aber es ist alles in Ordnung", sagt er und kann am Samstag bis auf zwei, drei Ausfälle aus dem Vollen schöpfen: Die Verteidiger Timo Kunert und Adrian Schulze Solano fehlen, der Einsatz von Mittelfeldmann Andu Kelati ist noch fraglich.

Für Leonhard von Schroetter, unter der Woche vom FC Augsburg II angesichts der Ausfälle in der Abwehr verpflichtet, kommt das Hessenpokalfinale noch etwas früh. Auf einen neuen Frankfurter Hoffnungsträger kann Brendel dafür gleich beim ersten Pflichttermin nach der Corona-Zwangspause bauen: Ihab Darwiche, aus zweieinhalb Offenbacher Jahren bekannt in der Region, soll das FSV-Spiel prägen. "Dafür haben wir ihn geholt, er ist ein Unterschiedsspieler", sagt der Trainer.

Nur 250 Zuschauer sind zugelassen

Ungewöhnlich ist für Brendel dabei nicht nur die Terminlage mit dem Finale zum Wiederbeginn, "surreal" findet er die ganze Situation - und meint damit unter anderem das am Samstag fast leere Stadion. Gerne hätten die Bornheimer vor 1000 oder mehr Zuschauern gespielt, wie Steinbach vor Wochenfrist beim nachgeholten Halbfinale beim FC Gießen (Endstand: 2:1 für Steinbach). Die Stadt Frankfurt lehnte diesen Antrag aber wegen der steigenden Infektionszahlen aber ab.

Nun sind maximal 250 Zuschauer zugelassen. Je 63 Karten haben die Vereine bekommen, 40 davon hat der FSV unter bis Freitagmorgen angemeldeten Dauerkartenbesitzern und Mitgliedern verlost, die 23 weiteren Tickets gehen an Partner und Sponsoren des Vereins. Der Rest des Kontigents nach Abzug der Karten für beide Klubs verteilt der Hessische Fußballverband als Ausrichter des Hessenpokals selbst. "Schade, das Spiel hätte einen würdigeren Rahmen verdient", bedauert Brendel. Zu gewinnen gibt es für seinen FSV Frankfurt trotzdem eine ganze Menge.

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