Segelsport hoch im Kurs

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(gst). Durch Willi Kuhweide schaffte es der Segelsport in Deutschland einst in die Schlagzeilen. 1964 gewann der Berliner in Tokio die Goldmedaille, bei den Spielen 1972 in München nochmals Bronze. Das ist lange her. Nun schafft es Einhandsegler Boris Herrmann bundesweit in die Gazetten. Seit dem 8. November drücken ihm viele Menschen die Daumen. Der 39-jährige Oldenburger nimmt mit seinem »Sea Explorer« an der »Vendée Globe« teil, der härtesten Segel-Regatta der Welt mit einer Gesamtdistanz von rund 40 000 Kilometern.

Auch am Rande der Wetterau wird mitgefiebert. Was kaum jemand weiß: Im benachbarten Hochtaunuskreis ist mit dem Friedrichsdorfer Yachtclub (FRYC) ein Verein beheimatet, der zu den erfolgreichsten in Hessen gehört.

Gegründet wurde der FRYC 2008 von acht Personen, die sich drei Jahre zuvor eher zufällig bei einer Spaß-Regatta im Mittelmeer kennengelernt hatten und allesamt im Vordertaunus beheimatet waren. Jürgen Waldmann wurde zum ersten Präsidenten gewählt und hatte dieses Amt bis zu seinem Wohnortwechsel nach Fürth inne.

Seitdem steht Georg Stötzel an der Spitze des Vereins - und erlebte mit den weiteren 55 Mitgliedern das Corona-Jahr so: »Durch den Gegenwind, der durch den ersten Lockdown entstanden ist, mussten wir praktisch alle geplanten Veranstaltungen für 2020 absagen.« Störzel führt weiter aus: »Die einzige ausgetragene Vereinsregatta war deshalb der traditionelle Katamaran-Cup auf dem Steinhuder Meer, den Peter Schreiner zum dritten Mal in Folge mit seinem Vater Frank gewinnen konnte.«

Abgesagt werden mussten hingegen zum Beispiel das beliebte Segelwochenende auf dem Edersee und die traditionelle Hessen-Regatta für Fahrtensegler in der Ostsee. Auch die Geselligkeit blieb auf der Strecke. An jedem zweiten Freitag im Monat hatte sonst ein Stammtisch stattgefunden.

Für die Zeit nach dem Lockdown sind die Segler nun auf der Suche nach einer neuen Location und hoffen auf die Unterstützung Friedrichsdorfer Vereine. Über ein Klubhaus respektive ein Vereinsgelände verfügt der FRYC nämlich nicht. Das hat auch einen Vorteil. Die Mitgliedsbeiträge sind mit 50 Euro pro Jahr für Erwachsene (ermäßigt 30 Euro) erstaunlich gering.

Es fehlt aber auch ein See oder ein Gewässer, auf dem das Freizeitvergnügen mit den Yachten betrieben werden könnte. Friedrichsdorfs Bürgermeister Horst Burghardt erntet bei der alljährlichen Sportlerehrung der Stadt stets einen Lacher, wenn er darauf verweist, dass der Erlenbach deutlich zu klein sei, um sich dort mit einem Segelboot fortzubewegen.

Die Erfolge werden deshalb vorrangig bei der Hessen-Regatta in der Ostsee errungen, wo der FRYC in den Jahren 2009, 2010, 2011 und 2013 viermal Champion geworden ist und zuletzt vier Vize-Meisterschaften hinter dem Rivalen Rüsselsheim gefeiert hat.

Gute Jugend in Friedrichsdorf

»Auf unseren Nachwuchs sind wir besonders stolz«, verweist Störzel auf die Erfolge von Clara Werckmeister und Martin Gutermuth im Mai. Bei den Hessenmeisterschaften der Bootsklasse »Opti B« hat die 13-jährige Clara auf dem Nidda-Stausee im Vogelsberg nach drei Wettfahrten Rang zwei belegt.

Ebenso wie Clara Werckmeister ist auch ihr Vereinskamerad Martin Gutermuth in die Fördergruppe des Hessischen Seglerverbands aufgenommen worden. Der 16-Jährige hatte in seinem ersten Jahr im Laser 4.7 gleich an den deutschen Meisterschaften in Travemünde teilgenommen. »Die starken Leistungen unserer Jugendlichen sind nur durch die Unterstützung der Eltern möglich«, freut sich Störzel darüber, dass die Fahrten zu den Trainingsrevieren wie dem Inheidener See, dem Langener Waldsee oder Gewässern im Großraum Frankfurt auch für weitere Talente ermöglicht werden.

Dass Segeln ein Sport für jedes Alter ist, belegt die Mitgliederstatistik des FRYC, in der die Altersspanne von neun bis 87 Jahre reicht. Voraussetzung für den Beitritt ist ein Freischwimmer-Zeugnis, wenngleich für die Wettkämpfe auch das Tragen einer Schwimmweste Pflicht ist. Wie weit es ein Segler bringen kann, zeigt Boris Herrmann. Der Weltumsegler hat das sagenumwobene Kap Hoorn schon hinter sich.

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