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Seeliger: Wir sind nicht bei »Wünsch Dir was«

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Wo spielt der Meister der Eishockey-Oberliga in der kommenden Saison? Kann der unterlegene Finalist den Platz der insolventen Hannover Indians einnehmen, um die Zahl der Zweitbundesligisten auf 14 zu erhöhen?

Oliver Seeliger, der DEB-Ligenleiter und Playoff-»Chef«, hat im Gespräch mit WZ-Sportredakteur Michael Nickolaus Stellung bezogen.

Oliver Seeliger, die ESBG hat den Kooperationsvertrag mit dem Deutschen Eishockey-Bund gekündigt. Aktuell wird der DEB dem Meister der Oberliga keine Freigabe für die 2. Bundesliga erteilen. Ist dies denn im Sinne des Sports; gerade angesichts der Begeisterung, die die Halbfinal-Spiele derzeit entfachen?

Seeliger: Die ESBG hat die Zusammenarbeit gekündigt, nicht der Verband. Die Frage ist: Warum wird das Vertragsverhältnis aufgelöst? Warum wurde der bestehende Vertrag nicht durch eventuelle Nachträge ergänzt? Der Standpunkt des DEB ist klar: Ohne Kooperationsvertrag kein Aufsteiger.

Worin bestehen überhaupt die Differenzen? Was ist in diesem Vertrag geregelt? Spielt das Thema Geld eine Rolle?

Seeliger: Mit dem Vertrag wird die rechtliche Stellung des DEB als Dachverband sowie als einziges deutsches Mitglied des Internationalen Eishockey-Verbandes geregelt. Bestehende Satzungen, Ordnungen und Regularien sind entsprechend anzuerkennen. Der Verband ist unter anderem zuständig für das Passwesen, für die Abwicklung von Transfers, die Gerichtsbarkeit und stellt auch die Schiedsrichter. Natürlich müssen diese Leistungen auch honoriert werden.

Wann ist mit einer definitiven Entscheidung zu rechnen? Steht der Verband nicht in einer Verantwortung gegenüber seinen Vereinen?

Seeliger: Wie gesagt: Die ESBG hat die Kooperation gekündigt. Das ist nicht ein Fehler des Verbandes.

Ist dieser Konflikt auf Funktionärsebene nicht kontraproduktiv und kann nicht zuletzt einen Standort gefährden?

Seeliger: Natürlich ist es für das Eishockey insgesamt kontraproduktiv, aber wie bereits erwähnt, der DEB hat den momentanen Zustand nicht herbei geführt.

Alexander Jäger als Geschäftsführer der ESBG hat in einer Frankfurter Tageszeitung kürzlich von zwei sportlichen Aufsteigern gesprochen.

Seeliger: Wir sind nicht bei »Wünsch Dir was«. Natürlich hätte die ESBG gerne eine 2. Bundesliga mit 14 Vereinen. Aber zum einen gibt’s eben vom DEB erlassene und somit gültige Durchführungsbestimmungen, nach denen die Oberliga spielt und die sehen einen sportlichen Aufsteiger vor. Alles andere wäre gegen die geltenden Regularien, und wir wären dann beim Thema Quereinstieg. Zum anderen muss man den Spielbetrieb im Gesamten sehen. Alle Oberliga-Halbfinalisten in der 2. Bundesliga – wie ich unlängst gelesen habe – das funktioniert nicht und würde auch die Forderung der 2. Bundesliga nach einer sportlich starken Oberliga ad absurdum führen, wenn man gleich mehrere der stärksten Oberligisten abzieht. Ich kann mich doch in der Oberliga Süd beispielsweise auch nicht nach Belieben am Pool der Bayernligisten bedienen, wenn Mannschaften fehlen. Auch hier gibt es klare Auf- und Abstiegsregelungen.

Die Langeweile in der Oberliga West wird Zuschauer – gerade in den Hochburgen wie Kassel und Frankfurt – auf Dauer vom Stadionbesuch abhalten. Werden hier nicht auch pulsierende Eishockey-Standorte gefährdet? Rauben die hessischen Klubs angesichts ihrer strukturellen Voraussetzungen den Vereinen wie Essen, Hamm oder Königsborn nicht die Perspektive auf eine Endrunden- oder Playoff-Teilnahme?

Seeliger: Kassel und Frankfurt – mit Abstrichen auch Bad Nauheim – sind sicherlich Ausnahmefälle. Deren Etat hat nichts mit dem Budget einer durchschnittlichen Oberliga-Mannschaft zu tun. Allerdings hat man diese Situation auch in anderen Sportarten, die Etats von Bayern München und Borussia Dortmund sind auch nicht mit denen von Fürth oder Augsburg vergleichbar – trotzdem spielen sie in der gleichen Liga. Der Westen ist in der Spitze sicher stärker und kostenintensiver besetzt, die Süd-Gruppe hingegen ist in sich homogen, ausgeglichen in der Breite. Und das muss ja nicht schlecht sein. Bad Tölz beispielsweise geht einen erfolgreichen Weg, überwiegend mit Eigengewächsen.

Die Oberliga Süd spielt unter dem DEB, der Norden folgt zur kommenden Saison unter das Dach des deutschen Verbands. Der Osten und der Westen spielen hingegen unter der Regie der Landesverbände. Für die Klubs herrschen – trotz gleicher Ligenebene – unterschiedliche Voraussetzungen; beispielsweise in punkto Reindl-Modell oder Verbandsabgaben. Das gibt’s in keiner anderen Sportart.

Seeliger: Reindl-Modell und Verbandsabgaben sind allerdings die einzigen Unterschiede, alle anderen Bedingungen sind identisch. Das Problem sind die unterschiedlichen strukturellen Voraussetzungen zwischen Nord und Süd. Die Klubs der Oberliga Süd profitieren natürlich auf Grund ihrer Nachwuchsarbeit vom Reindl-Modell und wollten deshalb unter dem DEB spielen. Im Westen wiederum war das nicht gewollt, da kleinere Klubs, welche auf eine Vielzahl an Spielerzugängen aus anderen Klubs angewiesen sind, sich zur Teilnahme am Reindl-Modell nicht in der Lage sahen.

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