Zoom-Training bei den Basketballern der Gießen 46ers. Athletiktrainer Lukas Lai bringt die Profis ins Schwitzen. Eine Trainingsform, die auch bei den Hessenliga-Fußballern von Türk Gücü Friedberg zum Einsatz kommt. FOTO: LAI
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Zoom-Training bei den Basketballern der Gießen 46ers. Athletiktrainer Lukas Lai bringt die Profis ins Schwitzen. Eine Trainingsform, die auch bei den Hessenliga-Fußballern von Türk Gücü Friedberg zum Einsatz kommt. FOTO: LAI

Schwitzen im Homeoffice

  • vonGerd Chmeliczek
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Vier Wochen ohne Trainings- und Spielbetrieb - mindestens. Die Corona-Krise hat den Amateursport fest im Griff. Anfang Dezember kann es zumindest mit dem Training wieder losgehen, sollten es die Infektionszahlen zulassen. Aber auch die Profis müssen sich umstellen, wenn sie zum Beispiel in Quarantäne sind. Für alle Akteure gilt: Möglichst fit durch die Zwangspause kommen. Aber wie?

Der Lockdown im Sommer hatte seine ganz eigenen Herausforderung: Man begab sich auch im Sport auf unbekanntes Terrain. Von diesen Erfahrungen können die Teams nun profitieren, wenn es beispielsweise um das individuelle Training geht. Aber auch der derzeitige "Lockdown light" stellt die Akteure vor besondere Probleme: Das Wetter wird schlechter, was die Planungen mitunter erschwert. Wie die Trainer mit ihren Schützlingen die Zwangspause überbrücken, hängt also von zahlreichen Faktoren ab:

Bis auf Brandon Thomas und Tim Uhlemann befanden sich die Bundesliga-Basketballer der Gießen 46ers bis Dienstagabend in häuslicher Quarantäne. Läuft alles normal weiter, dürfte das Team von Coach Ingo Freyer am kommenden Samstag zu Hause gegen Ulm erstmals in den Ligabetrieb eingreifen. Bis zur ersten gemeinsamen Einheit hieß es für die Spieler also, zumindest den Fitnessstand zu halten. Dafür ist unter anderem Athletiktrainer Lukas Laiverantwortlich. "Wir haben mit der Mannschaft Einheiten über das Video-Portal Zoom gemacht. Bis zu dreimal täglich", erklärt Lai. Morgens machte Team-Physiotherapeut Nico Brendel Dehnübungen mit den Profis, gegen Mittag leitete Co-Trainer Steven Wriedt Koordinationsübungen mit dem Ball "und am Nachmittag kam dann mein Workout. Dann wurde es anstrengend", sagt Lai. Alles übrigens unter Beobachtung von Coach Ingo Freyer, der sich ebenfalls einloggte.

"Wir haben versucht, das ganze Spektrum abzudecken - Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Explosivität." Dabei arbeitete man lediglich mit Gummibändern, einer Schaumstoffrolle und einem Basketball. "Wir haben viel mit dem eigenen Körpergewicht gemacht, unterstützt auch von Dingen, die man im Haushalt findet, zum Beispiel Stühle." Liegestütze könne man auf so viele verschiedene Arten machen - in der tiefen Position verharren, einarmig, einbeinig, mit Klatschen oder explosiv ausgeführt. Spaß und Abwechslung dürfen natürlich nicht fehlen", weiß Lai. "Und wenn es nur die Musik ist, die bei den Übungen läuft."

Ziel war es, dass die Spieler nach Ablauf der Quarantäne sofort ins Mannschaftstraining einsteigen können. Mittwoch, Donnerstag und Freitag bleiben also für Basketball-Training vor dem Spiel gegen Ulm am Samstag. Zusätzlich zum Zoom-Workout habe man den Spielern auch andere Hilfsmittel an die Hand gegeben: Tipps zur Schlafoptimierung oder zur Ernährung. Dazukommen - mit einer Sondergenehmigung des Gesundheitsamtes - Einzel-Laufeinheiten auf dem MTV-Sportplatz. Das sportartspezifische Training blieb dennoch in den 14 Tagen weitgehend auf der Strecke. Auch taktische Übungen fehlten. Dass muss jetzt - so gut es eben geht - in den drei Tagen vor dem Ulm-Spiel in Angriff genommen werden.

Lai betreut auch Amateursportler, die im Moment ebenfalls nicht in gewohntem Maß trainieren können. "Hier legen wir ebenfalls viel Wert darauf, einfach Übungen ohne viel Equipment zu vermitteln." Man könne nicht davon ausgehen, dass jeder eine Hantelbank zu Hause habe. Dazukommt: "Ein Ausrede, um nicht ins Fitnessstudio zu gehen, hat jeder schnell parat. Fünf Minuten zu Hause hat man dagegen immer."

Spezielle Hausaufgaben haben die Oberliga-Handballer des TV Petterweil von ihrem Trainer Martin Peschkenicht mit auf den Weg in die vierwöchige Zwangspause bekommen. "Im Moment läuft alles mehr oder weniger auf freiwilliger Basis", sagt der Coach. Man habe eine sehr lange Vorbereitung gemacht, dann wurde coronabedingt wieder unterbrochen. "Wir haben schon im Juni angefangen. Das ist eine lange Zeit. Im Moment sollen die Jungs einfach für sich joggen gehen. Wir warten ab, ob es im Dezember wieder in der Halle weitergehen kann. Falls das nicht der Fall sein sollte, werden wir mit Hausaufgaben arbeiten müssen."

Es sei ohnehin schon schwierig gewesen, in der Vorbereitung das Trainingspensum richtig zu dosieren. "Erst sind wie davon ausgegangen, dass es im September losgeht, dann im Oktober. Deshalb haben wir jetzt einmal vier Wochen nichts Konkretes vorgegeben. Ich gehe auch nicht davon aus, dass die Spieler in dieser Zeit viel an Ausdauer verlieren", erklärt Peschke.

Im Moment befinde man sich im Schwebezustand. Ob der Spielbetrieb Mitte Januar wieder losgehe, das stehe in den Sternen. Er gehe nicht davon aus, dass dieser Termin zu halten sei. Für Peschke ist klar: Drei Wochen Vorbereitung, wie vom Hessischen Handballverband angekündigt, bedeuten für ihn drei Wochen Mannschaftstraining in der Halle. Zu weit vorgreifen möchte Peschke aber aufgrund der unsicheren Situation nicht: "Das ist alles sehr spontan. Wir planen von heute auf morgen."

Das sieht Carsten Weberganz ähnlich. Auch der Trainer der Hessenliga-Fußballer von Türk Gücü Friedberg hätte gerne Planungssicherheit, weiß aber auch, dass das im Moment Wunschdenken bleibt. Er und die Physios Charlotte Meixner und Sotirios Balatsos belasten die Spieler derzeit viermal in der Woche. "Es ist ein Mix aus den Bereichen Athletik, Beweglichkeit und Ausdauer", sagt Weber. Teilweise individuell, teilweise wie die Gießener Basketballer in Zoom-Konferenzen. Jeder Spieler bekomme seine Anforderungen für die Läufe - wie Tempo oder Pulsfrequenz - auf Basis der Laktatwerte. Einmal in der Woche "treffe" man sich abseits des Trainings per Videokonferenz, um organisatorische Sachen mit den Akteuren zu besprechen.

"Wir achten darauf, nicht ausschließlich im Grundlagenbereich zu arbeiten, sondern auch Tempo in die Läufe reinzubringen", erklärt Weber. Die entsprechenden Daten werden dann ausgewertet. 60 bis 90 Minuten dauerten die Einheiten jeweils. "Wir nutzen die Zwangspause auch dafür, bei Spielern an Schwachpunkten zu arbeiten, zum Beispiel muskulär. Dafür fehlte zuletzt aufgrund der vielen englischen Wochen die Zeit." Er lege viel Wert auf den Bereich Beweglichkeit, auch um muskulären Problemen vorzubeugen.

"Wir planen im Moment so, dass wir bis Jahresende nicht auf den Platz können. Stellen uns aber darauf ein, dass schon Ende Januar Punktspiele anstehen können." Mitte Dezember schickt Weber die Spieler in eine kurze Winterpause, bevor Anfang Januar die Vorbereitung beginnen soll. "Das ist der Plan, aber wir müssen uns natürlich nach den Vorgaben richten und flexibel bleiben." Mittel- oder langfristig zu planen, sei im Moment einfach nicht möglich. FOTOS: PV/NICI MERZ

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