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Auf der Schwelle zum Finale

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(mn) Ein Schlittschuhtor von spielentscheidender Bedeutung, eine Matchstrafe, verbale Provokationen und viel beachtete Pressekonferenzen in aufgeheizter Atmosphäre zum Abschluss emotionaler Begegnungen: Die Halbfinal-Serien der Eishockey-Oberliga haben die Fans am Oster-Wochenende in ihren Bann gezogen.

Mehr als 30 000 Zuschauer sahen die Partien zwischen Selb und Bad Nauheim sowie Kassel und Frankfurt; vier der bislang sechs Spiele waren ausverkauft. Mit den nordhessischen Huskies und den Roten Teufeln aus der Wetterau stehen vor der vierten Partie der Best-of-Five-Serien (Freitag) die beiden leicht favorisierten Klubs angesichts ihrer jeweiligen 2:1-Führung bereits auf der Schwelle zum Endspiel (beginnend am 12. April).

Das Top-Thema im Halbfinal-Rückblick war das Siegtor der Kassel Huskies am Montagabend gegen Frankfurt. Wie schon am Gründonnerstag hatten die Löwen bei den Nordhessen einen Vorsprung nicht über die reguläre Spielzeit retten können und mussten sich in der Verlängerung zum zweiten Mal geschlagen geben. Pikant: Das Siegtor von Petr Sikora (67.) wurde mit dem Schlittschuh erzielt. Ob nun eine aktive Kickbewegung vorlag oder der Routinier nur angeschossen wurde, musste Schiedsrichter Jens Steinecke im Hexenkessel entscheiden – und er gab den Treffer. »Das war eher nicht regulär. Ein bisschen Bewegung mit dem Schlittschuh war dabei«, räumte Matchwinner Sikora hinterher ein.

»Wie auf dem Schulhof«

In Bad Nauheim fokussiert Frank Carnevale – bewusst oder unbewusst – die Aufmerksamkeit auf seine Person. Am Samstag hatte der Coach der Roten Teufel mit einer unbedachten Äußerung in der Pressekonferenz provoziert, als er die Verletzung des Selber Verteidigers Dennis Schütt (Gehirnerschütterung) infrage gestellt hatte. »Die Selber fallen um und bleiben liegen. Das war schon im ersten Spiel nicht anders. Als die Strafen ausgesprochen waren, haben sie weitergespielt. Woher soll man dann wissen, ob eine Verletzung wirklich ernst ist? Hätte ich das gewusst, hätte ich wohl meinen Mund gehalten«, sagte der RT-Coach gestern. Die Pressekonferenz in Selb hatte der Italo-Kanadier geschwänzt, wollte das Thema »nicht weiter zur Eskalation treiben«. Beim morgendlichen Training in Selb hatte ein Fan dem Coach am Busparkplatz mit eindeutigen Gesten und Worten gedroht. »Er ist eben ein Showmaster. Er liebt das. Das ist seine Art. Wenn er sich wie ein kleines Kind auf dem Schulhof verhalten will, dann werden wir uns nicht darauf einlassen«, kommentierte VER-Coach Cory Holden am Montagabend.

Vorausgegangen war nach der Pressekonferenz am Samstag ein Dialog, den sich VER-Abwehrspieler Nikolaus Meier mit Carnevale im VIP-Raum geliefert hatte. Dort nämlich speiste das Team der Wölfe vor der Rückreise an die tschechische Grenze.

Im sportlichen Duell auf dem Eis haben die Roten Teufel den Oberfranken in den Spielen zwei und drei die Grenzen aufgezeigt. Seit 145 Minuten ist der VER ohne Torerfolg. »Natürlich sind wir enttäuscht. Bad Nauheim stand nach der frühen Führung sehr kompakt. Trotz einer hohen Intensität ist es uns nicht gelungen, die Mauer zu durchbrechen«, musste Holden einräumen, nachdem Bad Nauheim die Ausfälle von gleich drei Angreifern so unbeeindruckt weggesteckt hatte. Da übernahm Daniel Huhn die Rolle von Tim May und lebte als Mittelstürmer, der mehr über das Tempo als über das Körperspiel kommt, förmlich auf, während Jannik Striepeke auf der Position von Patrick Strauch das kämpferische Element einbrachte. Zudem profitierte Bad Nauheim von der Tiefe im Kader. Michel Maaßen und Janne Kujala, der seine Torflaute beenden konnte, rückten in den dritten Block nach vorne.

»Wir wissen, dass diese Jungs Erfahrung haben und Eishockey spielen können. Wir konnten unser Level halten«, sagt Carnevale, der zudem ein Lob für die Defensivarbeit übrig hatte: »Fabelhaft – clever und ohne dumme Fehler.« Wie schon am Samstag hatte Bad Nauheim das letzte Drittel mit nur vier Verteidigern absolviert.

In Selb hatte der Hallensprecher bewusst provokant auf ein Wiedersehen zum fünften und dann alles entscheidenden Halbfinale am kommenden Sonntag hingewiesen, die Eindrücke aus bislang 180 Minuten deuten aber vielmehr auf eine vorzeitige Entscheidung am Freitag hin. »Uns fehlt eben ein Torerfolg. Wir müssen den Torwart beschäftigen und schneller und direkter den Abschluss suchen«, sagte Holden mit Blick auf den Freitag, doch war in der Autowelt-König-Arena am Montag förmlich zu spüren, dass das Saisonende naht. »Die Final-Teilnahme hat für uns eine enorme Bedeutung. Aber noch haben wir diese Serie nicht gewonnen«, warnt Carnevale konsequent vor Überraschungen. Bei den Wölfen wird Peter Hendrikson, der am Montag aus beruflichen Gründen gefehlt hatte, wieder dabei sein, Fragezeichen stehen hinter Dennis Schütt (Gehirnerschütterung) und Tim Schneider (krank).

Bei den Roten Teufel ist mit der Rückkehr von Marius Pöpel zu rechnen, zudem steht Josiah Anderson nach seiner Sperre wieder zur Verfügung. Wie lange Tim May (Knieverletzung – Diagnose steht noch aus) und Patrick Strauch (Matchstrafe am Samstag) zuschauen müssen, ist offen.

Wer ist Ansprechpartner?

Begleitet wird der Erfolg der Roten Teufel (zehn Siege aus zwölf Endrunden- und Playoff-Partien) von den zahlreichen Fragen nach der Zukunft. Steigt der Oberliga-Meister in die 2. Bundesliga auf? Ist bereits die Final-Teilnahme für einen Aufstieg ausreichend? Und wer zieht in Zukunft die Fäden der Profi-Mannschaft, nachdem die Nachwuchsabteilung als Lizenzhalter eine weitere Kooperation mit Wolfgang Kurz zur kommenden Saison ablehnt? Wer ist mit Blick auf die Spielzeit 2013/14 Ansprechpartner für Spieler und deren Berater? Mit Eddy Rinke (Ingolstadt) und Chris Stanley (Frankfurt) sollen zwei Spieler der Top-Reihe aufgrund bislang nicht kommunizierter künftiger Kompetenzen bereits bei anderen Klubs unterschrieben haben.

Zudem ist der Trainerposten noch nicht besetzt (Frank Carnevale hat einen Vertrag bei der Spielbetriebs-GmbH von Wolfgang Kurz unterschrieben, an den die »neue« GmbH nicht gebunden ist – die Gespräche ruhen seit Wochen). »Wir haben mit dem aktuellen Trainer und auch dem Mannschaftsrat bereits vor vier Wochen vereinbart, dass sich alle in der wichtigsten Saisonphase auf den Sport konzentrieren«, sagt Martin Flemming, der im Vorstand den Bereich Sport verantwortet. Auch in den Vorjahren seien Verträge erst nach dem letzten Spieltag geschlossen worden, wird Flemming weiter in einer Pressemitteilung mit der Überschrift »Wir sind startklar« zitiert. Ob Spieler und Trainer, die mit ihren Erfolgen aktuell die Konkurrenz auf sich aufmerksam machen, solange ihre Entscheidungen vertagen (können), bleibt abzuwarten.

Der Nachwuchs stehe im stetigen Dialog zu mindestens zwei neuen Gesellschaftern, die bereits jetzt stark in die operativen Fragen eingebunden sind, heißt es darüber hinaus, konkrete Namen werden nicht genannt. Erst nach der Saison solle über Strukturen und Personalien informiert werden, sagt Uwe Gericke, der Vorsitzende. »Wirtschaftlich und auch im administrativen Bereich sind wir unmittelbar nach Saisonende handlungsfähig«, ergänzt Martin Schröer, der die Finanzen verantwortet. Der Nachwuchsverein will – wie die WZ bereits berichtet hatte - im Rahmen einer Mitgliederversammlung über die Möglichkeit einer direkten Beteiligung an der GmbH abstimmen lassen. Der Förderverein »Teufelskreis«, ein weiterer potenzieller Gesellschafter, hat sich diese Zustimmung bereits von seinen Mitgliedern geholt.

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