Löwen-Sportdirektor Franz-David Fritzmeier. FOTO: HÜBNER
+
Löwen-Sportdirektor Franz-David Fritzmeier. FOTO: HÜBNER

"Schon ein extremer Einschnitt"

  • vonred Redaktion
    schließen

Eishockey-Zweitligist Löwen Frankfurt hängt derzeit ebenso in der Warteschleife wie die Konkurrenz. Dabei ist es das große Ziel, endlich den Aufstieg in die DEL zu packen. Der größte Gegner ist derzeit aber nicht auf dem Eis zu finden.

Seit zwei Jahren arbeiten die Löwen Frankfurt auf dieses große Ziel hin, am Ende der neuen Saison in der DEL 2 soll es erreicht sein: Dann öffnet sich für den Meister der deutschen Eishockey-Zweitligisten endlich wieder die Tür in die erstklassige DEL. Wenn denn irgendwann gespielt werden kann. Wie sehr die Corona-Pandemie diese Planungen erschwert und wie die Löwen damit umgehen, schildern Gesellschafter Andreas Stracke und Sportdirektor Franz-David Fritzmeier.

Normalerweise würden in diesen Tagen die Vorbereitungen auf die neue Saison in die heiße Phase gehen. In diesem Jahr ist das anders, langweilig wird Ihnen aber auch jetzt bestimmt nicht?

FRANZ-DAVID FRITZMEIER: Nein, so viel zu tun wie diesen Sommer war fast noch nie. Das Gefühl ist nur: Du machst doppelt so viel, erreichst aber weniger. Schwierig ist die Ungewissheit: Es gibt so viele Faktoren zu bedenken und so viele offene Fragen, die man oft zum jetzigen Stand auch einfach nicht beantworten kann.

Wie geht es jetzt weiter?

ANDREAS STRACKE: Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und wissen, wie die interne Checkliste aussieht. Aber wir können eigentlich nichts sagen, bis die Rahmenbedingungen durch die Politik für die Rückkehr in einen Spielbetrieb mit Zuschauern feststehen.

Mit wie vielen Zuschauern in der Eissporthalle rechnen Sie denn, Stand jetzt?

STRACKE: Jetzt schon über Maximal- oder Minimalkapazitäten zu sprechen, macht keinen Sinn. Wir müssen abwarten, was die Politik vorgibt. Und wenn es zur Zuschauerzahl x kommt, muss man sehen, wie man für die Differenz zu einer normalen Zuschauerzahl die Hilfspakete von Bund und Ländern und so weiter nutzen kann. Aber da gibt es auch viele offene Fragen. Eine erste Frist für das Hilfspaket des Bundes läuft Ende September ab. Wir werden hier unsere Unterlagen einreichen und sehen, was für ein Feedback wir bekommen.

Wie ist es mit Landeszuschüssen?

STRACKE: Das ist auch so eine Sache. In Hessen gibt es zum Beispiel einen Landeskredit, den die Wibank angeboten hat, über eine halbe Million Euro, zinsfrei, über zehn Jahre. Leider ist es aber nicht so wie in Sachsen. Hier wird den Klubs die Hälfte der Kreditsumme erlassen, sofern der erste Teil nach fünf Jahren zurückgezahlt wurde. Bei solchen Themen darf man auch nicht die Wettbewerbsgleichheit aus den Augen verlieren. Am Ende geht es hier immerhin um 250 000 Euro Unterschied.

Frankfurt steht wirtschaftlich stabil da. Würde es aber auch die Existenz der Löwen bedrohen, wenn die ganze Saison abgesagt würde?

STRACKE: Man kann sich verschiedene Szenarien ausmalen. Dass du zum Beispiel den Spielbetrieb aufnimmst, aber das Ganze durch die Pandemie erneut abgebrochen werden muss. Das wäre das Worst-Case-Szenario. Deswegen versucht man als Klub, so wenig wie möglich Risiko einzugehen und die Kostenblöcke nicht zu groß werden zu lassen. Bei uns geht es außerdem nicht nur um die Profis, sondern auch um die Wirtschaftlichkeit des Löwen-Nachwuchses mit circa 300 aktiven Kindern.

Gibt es eine Konstellation, in der für Sie Geisterspiele vorstellbar wären?

STRACKE: Wir sind absolut gegen Geisterspiele. Dennoch müssen wir uns auch mit diesem Szenario befassen. Für uns wäre es nur vorstellbar, wenn klar ist, wer dann den Etat übernimmt beziehungsweise wie er finanziert werden kann.

Wie sieht es denn aus bei den Sponsoren, deren Firmen es in der Corona-Krise ja auch nicht leicht haben?

STRACKE: Unterschiedlich. Viele sind extrem betroffen, machen wie wir Kurzarbeit durch. Es ist eine herausfordernde Zeit. Deswegen sind viele Sponsoren und Partner aktuell natürlich sehr zurückhaltend.

Anders als die Löwen-Fans.

STRACKE: Wir sind superhappy, wie die Fans das Thema Dauerkarte unterstützen, weil sie an die neue Saison glauben, wann immer sie losgeht. Wir sind über der Marke von 1500, der Zuspruch ist ungebrochen.

Frankfurt verzeichnet klar die meisten Zuschauer der Liga. Trifft es die Löwen besonders hart, wenn weniger Zuschauer zugelassen sind?

FRITZMEIER: Es ist schon ein extremer Einschnitt. Der Etat für den Spielerkader hängt wesentlich von der Zahl der Zuschauer ab. Daraus bekommen wir normalerweise zu großen Teilen das Budget, aus dem die Spieler ihr Geld verdienen.

STRACKE: Unsere Mannschaft ist fast komplett, wir haben Mietverträge für Wohnungen und Autos, das sind laufenden Kosten. Dafür müssen wir auch dringend wieder Einnahmen verzeichnen.

Die Liga hat eine Pandemie-Klausel eingeführt, nach der die Verträge mit den Spielern erst einen Monat vor dem tatsächlichen Ligastart wirksam werden. Sind davon auch Löwen betroffen?

FRITZMEIER: Im Moment sieben Spieler. Die Liga hat das nach dem Beginn der Corona-Pandemie in ihren Standardvertrag aufgenommen. Spieler haben nur noch eine Lizenz bekommen, wenn sie diesen unterschrieben haben. Natürlich kann man aber nicht in schon bestehende Spielerverträge eingreifen, für diese gilt das nicht.

Sind die Spieler mit der Klausel dann arbeitslos gemeldet?

FRITZMEIER: Ja, sie bleiben arbeitslos, solange die aufschiebende Wirkung besteht. Diese Spieler gehören daher momentan offiziell nicht zum Team.

Wie gestaltet man denn unter solchen Bedingungen ein sinnvolles Eishockey-Training?

FRITZMEIER: Ein Teil der Mannschaft ist in Kurzarbeit, mit denen aber in diesem Rahmen trainiert werden kann. Es ist schon schwierig mit so einer geteilten Mannschaft. Aber im Moment ist es die oberste Priorität, dass wir überleben. Wir haben die üblichen medizinischen und leistungsdiagnostischen Eingangstests gemacht, diesmal auch Corona-Tests, alle negativ. Das Sommertraining ist sehr gut gelaufen. Wir haben viele junge Spieler, die über den Sommer sehr viel Zeit zum Aufbautraining hatten - allein schon durch das vorzeitige Ende der vergangenen Saison, Mitte März statt Ende April. Die sind richtige Kanten geworden, dieses Level hätten wir sonst nicht erreicht.

Auf diese Saison wird seit zwei Jahren hingearbeitet, weil am Ende der Meister wieder in die DEL aufsteigen kann. Wie sehr sind diese Pläne erschwert?

FRITZMEIER:Wir haben schon vorher große Schritte gemacht. Der Plan war für die dritte Saison auch, dass wir die Mannschaft weitgehend zusammenhalten, das ist uns gelungen. Es sind keine Spieler abgesprungen, die wir behalten wollten. Es fehlen uns nur noch zwei Verteidiger, die wir sonst längst verpflichtet hätten. Aber es gibt natürlich einige große Unbekannte. Das fängt bei der Vorbereitung an, die normalerweise im Mai anfängt und für uns sehr wichtig ist im Rahmen einer kontinuierlichen Entwicklung. Auch der Spielrhythmus wird sich ändern: Weniger Training, mehr Spiele. Und dann bleibt die Frage, ob die Saison normal durchläuft oder etwas dazwischenkommt. Eigentlich kann man gar nichts planen.

STRACKE: Wir müssen auf Sicht fahren und immer auf aktuelle Gegebenheiten reagieren, so wie wir es die letzten fünf Monate getan haben. Wir wollen so schnell wie möglich zurück in die DEL, und dass wir zweimal hintereinander Hauptrundensieger waren, spricht auch für eine gewisse Qualität. Wichtig ist aber erst einmal, dass wir überhaupt wieder Eishockey spielen können Alles andere ist mindestens drei Schritte zu weit gedacht. Bevor wir irgendwann eine Meisterfeier planen können, gibt es noch viele andere Dinge zu tun.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare