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Schlüsselzahlen, Platzbelegungen, Wünsche

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Das »Spielplan-Trio« (v. l.): Kreisfußballwart Thorsten Bastian, Daniel Parisi und der Regionalbeauftragte Harald Vorndran.	(Foto: Wiener)
Das »Spielplan-Trio« (v. l.): Kreisfußballwart Thorsten Bastian, Daniel Parisi und der Regionalbeauftragte Harald Vorndran. (Foto: Wiener) © Michael Wiener

Einfach ein paar Lose in die Trommel werfen und dann ziehen? Oder Zettel und Stift nehmen und die Begegnungen nach Lust und Laune ansetzen? Nein, die Erstellung des Spielplans für die Kreisligen der Fußballer ist komplexer. Die WZ war dabei, als in einem Frankfurter Café die Begegnungen von der Kreisoberliga an abwärts der Saison 2014/15 ermittelt wurden.

»Können wir nicht den FSV Dorheim auf die 1 und den SV Ockstadt auf die 17 setzen, dann haben wir ein knackiges Derby am ersten Spieltag«, fragt Thorsten Bastian, der Kreisfußballwart. Harald Vorndran, der Regionalbeauftragte, schaut auf seinen Zettel, zieht noch einmal das Papier mit den Vereinswünschen hervor und sagt: »Kein Problem, das passt«. So sind wieder zwei sogenannte Schlüsselzahlen in der Kreisliga A besetzt. Sind alle Schlüsselzahlen vergeben, steht der Spielplan fest. Doch bis dahin ist es ein langer Weg, zumal Bastian und Co. sechs Spielklassen zu bearbeiten haben.

Thorsten Bastian und Harald Vorndran haben sich an diesem Donnerstagmorgen in einem Frankfurter Café verabredet, um die Spielpläne für den Fußballkreis Friedberg nach einem zünftigen Frühstück zügig zu erstellen. Kreisfußballwart Bastian arbeitet in der Mainmetropole und kommt nach einer kurzen U-Bahn-Fahrt zum Treffpunkt, der Regionalbeauftragte Vorndran wohnt in der Nähe und hat sich daher sein Stammcafé als Sitzungszimmer ausgesucht. Mit dabei ist auch der 19-jährige Ober-Mörler Daniel Parisi vom SV Steinfurth, der das Duo in technischen Fragen unterstützt.

Vorndran assistiert den Verantwortlichen des hiesigen Fußballkreises, weil er auf eine langjährige Erfahrung beim Erstellen von Spielplänen zurückgreifen kann. Seit knapp 25 Jahren befasst sich der Fußballfunktionär damit. »Am Anfang haben wir noch mit der Schreibmaschine getippt, jede Menge Tippex verbraucht und am Ende einen halben Meter hohen Stapel Papier an die Vereine verschickt«, erinnert sich der 54-Jährige, der seit 1986 in Verbandsarbeit auf Hessenebene involviert ist. Thorsten Bastian hatte mit dem Thema Spielplan bis zu seinem Amtsantritt als Kreisfußballwart vor zwei Jahren gar nichts zu tun. »Ich bin daher sehr froh, dass Harald uns hilft«, sagt der kürzlich 50 Jahre alt gewordene Oppershofener. Die beiden ehemaligen Schiedsrichter kennen sich schon seit vielen Jahrzehnten – dass sie auch gerne zusammenarbeiten, merkt man sofort.

Die Theorie: So wird der Spielplan erstellt

• Wann können die heimischen Spielpläne erstellt werden? Die Kreisligen sind das letzte Glied in einer langen Kette. Die Erstellung der Spielpläne nimmt erst Fahrt auf, wenn die Deutsche Fußball-Liga ihre Bundesliga-Partien angesetzt hat – und dies war in diesem Jahr am 24. Juni. Dann folgen, analog der Ligenstruktur, die 3. Liga und Regionalliga, danach die Ligen unter Obhut des Landesverbandes (in Hessen die Hessenliga, die drei Verbandsligen und die Gruppenligen), ehe die Kreisligen an der Reihe sind.

• Wie wird der Spielplan erstellt? Manuell nach dem sogenannten englischen Schlüssel. Jedem Klub wird dabei eine Zahl zwischen eins und 18 zugeordnet und in ein vorgegebenes Schema eingepasst. Daraus ergeben sich automatisch die Begegnungen. Individuelle Anpassungen außerhalb des Schemas sind nicht möglich. Bis vor rund einem Jahrzehnt wurde auch der Spielplan der Bundesliga so erstellt. Aufgrund der fehlenden Flexibilität und immer mehr Parametern, die es zu beachten gilt, errechnet heute bei der DFL eine eigene Software die bestmöglichen Kombinationen.

• Dürfen die Vereine Wünsche angeben? Ja. Dies können beispielsweise Wünsche nach Heimspielen an einem bestimmten Datum sein. Gründe hierfür sind meist Festivitäten im Ort. Der Wunsch nach Heimspielen zu einer bestimmten Uhrzeit oder einem bestimmten Ort (bei Spielgemeinschaften) beeinflussen die Spielplangestaltung nicht.

• Werden alle Wünsche erfüllt? Ziel der Verantwortlichen ist es, so viele Wünsche wie möglich zu erfüllen. Es ist jedoch kaum möglich, allen Vereinen gerecht zu werden – wie sich am Praxisbeispiel A-Liga zeigt. Der Tausch eines Heimrechts an einem Spieltag ist jedoch möglich.

• Welche Auswirkungen haben die doppelten Platzbelegungen? Sie führen dazu, dass die betroffenen Vereine die korrespondierenden Schlüsselzahlen zwingend erhalten müssen. Korrespondierende Schlüsselzahlen sind 1/2, 3/4, 5/6 usw. Grundlage ist die höhere Liga. Beispiel: Der VfB Friedberg hat in der Kreisoberliga die 16 zugeordnet bekommen, also muss Blau-Gelb Friedberg in der Kreisliga B4 die Schlüsselzahl 15 erhalten. Doppelte Platzbelegungen gibt es neben dem Burgfeld auch in Bruchenbrücken (SVB, Emekspor Friedberg), Ossenheim (SVO, Türk Gücü Friedberg), Rödgen (TSV, Türk. SV Bad Nauheim) und Reichelsheim (Inter, SG Reichelsheim/Bingenheim).

• Wie wird erreicht, dass die zweite Mannschaft eines Vereins stets das Heimspiel vor seiner ersten Mannschaft austrägt? Beiden Teams wird dieselbe Schlüsselzahl zugeordnet. Grundlage ist immer die höhere Liga. Beispiel: Türk Gücü Friedberg hat in der Verbandsliga die Schlüsselzahl 4 erhalten. Daher muss Türk Gücü Friedberg II in der Kreisliga B1 ebenso die 4 erhalten. Erhalten zwei Teams von oben die gleiche Schlüsselzahl, wird eine Schlüsselzahl gesucht, die einen fast identischen Heimspielplan hat. So geschehen mit dem FCO Fauerbach (Gruppenliga) und dem SV Nieder-Weisel (Kreisoberliga), die beide mit ihren Erstmannschaften auf die 7 gesetzt wurden und mit ihren Zweitmannschaften in der B-Liga 1 spielen. Fauerbach hat dort nun die 9 erhalten und hat damit einmal in der Saison beim Heimspiel der Ersten mit der Zweiten ein Auswärtsspiel. Die Spielpläne der B-Liga-Gruppen 1 mit ausschließlich Reserven und B-Liga 2 (nur vier Erstmannschaften) ergeben sich also fast von selbst.

• Wieso haben in der Kreisoberliga an jedem Spieltag zwei Mannschaften spielfrei, obwohl eine gerade Anzahl an Teams (16) am Start ist? Alle Ligen von der Hessenliga abwärts wurden mit einem 18er-Schlüssel erstellt. Dies vereinfacht die Spielplangestaltung, weil der Kernpunkt »zeitgleiche Heimspiele« erfüllt werden kann. Die fehlenden Teams werden mit »spielfrei« ausgefüllt. Für die »geplanten« 16er-Ligen im Kreis (KOL, B1; die B4 ist erst nach der Spielplanerstellung auf 16 Vereine geschrumpft, durch den Rückzug der Spvgg. 08 Bad Nauheim II) bedeutet dies, dass an allen Spieltagen zwei Teams spielfrei sind. Ausnahme: alle Mannschaften sind im Einsatz, wenn die beiden Spielfrei-Schlüsselzahlen aufeinandertreffen. Die Verantwortlichen haben geschaut, dass dieser Spieltag in der Kreisoberliga der letzte ist, alle Teams sind somit zum Rundenabschluss am 31. Mai im Einsatz. In der B-Liga 1 war dies aufgrund von bereits belegten Schlüsselziffern nicht möglich. Hier wurde jedoch die Partie zwischen den beiden eigentlich am letzten Spieltag spielfreien VfB Petterweil II und Türkischer SV Bad Nauheim II vom 30. November auf den 31. Mai verlegt – somit sind auch hier alle Teams zum Saisonabschluss im Einsatz. Bei den 17er-Ligen lässt es sich logischerweise nicht vermeiden, dass auch am letzten Spieltag eine Mannschaft zuschauen muss.

• Die ersten drei Gegner des Kreisoberliga-Aufsteigers SSV Heilsberg heißen SKV Beienheim, Türk. SV Bad Nauheim und SV Steinfurth – also auf dem Papier drei Meisterschaftsfavoriten. Will da jemand den SSV am Tabellenende sehen? Harald Vorndran kennt diese »Vorwürfe« zu gut. »Das ist purer Zufall. Ob das ein Nachteil oder ein Vorteil ist und ob diese Teams am Ende wirklich ganz weit oben stehen, weiß doch heute noch keiner.« Gerne sieht der Regionalbeauftragte jedoch Spitzenpartien am letzten Spieltag. »Sind nach Berücksichtigung aller vorgegebenen Parameter und Wünsche noch Freiheiten da, versuchen wir, am letzten Spieltag vermeintliche Topteams gegeneinander spielen zu lassen«. Wie das konkret aussieht, zeigt sich beispielsweise am letzten Spieltag der Kreisoberliga. Am Saisonfinale sind die Mitfavoriten SKV Beienheim, FC Ober-Rosbach, SV Steinfurth und der Türkische SV Bad Nauheim unter sich.

• Wie können Derbys am ersten Spieltag erzeugt werden? Auch hier gilt das Prinzip von Vorndran: Sind alle Parameter und Wünsche berücksichtigt, können weitere Schlüsselzahlen frei eingeteilt werden. Hier zeigt das Schema, welche Schlüsselzahlen am ersten Spieltag aufeinandertreffen. So sind zum Auftakt zwei A-Liga-Derbys (siehe Praxisbeispiel) oder die B-Liga-Derbys zwischen Dorn-Assenheim/Weckesheim und Reichelsheim/Bingenheim sowie Wisselsheim und der Spvgg. 08 Bad Nauheim entstanden.

• Der erste Rückrundenspieltag steigt bereits am 11. September – also knapp fünf Wochen nachdem sich beide Teams zum Hinrundenspiel gegenüberstanden. Wieso? Der Verband hat einen Rahmenterminplan erstellt, der den 19. Spieltag am 14. Dezember vorgesehen hat. Um die Plätze im Winter früher zu entlasten, ist dieser Spieltag auf den 11. September vorgezogen worden.

Die Praxis: Beispiel Kreisliga A

• Die Schlüsselzahlen der drei Reserveteams sind aus höheren Ligen vorgegeben:

2: SV Steinfurth II

3: SC Dortelweil II

13: SV Gronau II

• Doppelte Platzbelegungen überprüfen: Keine höherklassige Mannschaft spielt auf dem Platz eines A-Liga-Vereins. Dennoch müssen alle doppelten Platzbelegungen in der B-Liga beachtet werden. Durch den Türkischen SV Bad Nauheim (KOL-17, damit TSV Rödgen KLB-18 mit beiden Teams) bieten sich die beiden Reichelsheimer Vereine ebenso auf den Positionen 17 und 18 an. Inter Reichelsheim erhält somit in der B-Liga 2 die 18. Die 13 A-Liga-Vereine mit Reserven müssen Schlüsselzahlen erhalten, die sowohl in der A-Liga als auch der B-Liga 2 (hier spielen alle A-Liga-Reserven) frei sind. Der SV Assenheim ist der einzige Verein ohne Reserve und muss daher auf einer Position stehen, die in der B-Liga 2 von einer Erstmannschaft besetzt ist. Die 18 ist durch Inter belegt und somit für den SVA frei.

18: SV Assenheim

• Wunsch 1: Der SV Ober-Mörlen möchte am ersten Spieltag spielfrei sein. Die »Mannschaft« Spielfrei muss eine Schlüsselzahl erhalten, die in der B-Liga 2 von einer Erstmannschaft belegt ist. Durch den SV Bruchenbrücken (KOL-12) hat Emekspor Friedberg bereits die Position 11 sicher.

11: spielfrei

Das Schema weist am ersten Spieltag die Begegnung 6 – 11 aus.

6: SV Ober-Mörlen

Daraus ergibt sich jedoch, dass die Ober-Mörler Zweite in der B-Liga 2 nicht spielfrei sein kann – Gegner ist Emekspor Friedberg. »Sie können anstreben, ihre Partie zu verlegen«, sagt Thorsten Bastian.

• Wunsch 2: Ober-Hörgern und Trais möchten das Derby am ersten Spieltag.

7: Ober-Hörgern

10: Traiser FC

• Wunsch 3: Die FSG Burg-Gräfenrode möchte am 11. September (Donnerstag) ein Heimspiel austragen und am 14. September nicht spielen. Das Problematik ist, dass am 11. September ein kompletter Spieltag angesetzt ist. Die FSG erhält an diesem Tag ihr Heimspiel durch einen festgelegten Heimrechttausch mit Gegner FSV Dorheim und hat die Möglichkeit, ihre Partie vom 14. September mit Zustimmung des Gegners SV Ober-Mörlen zu verlegen. Die Verantwortlichen haben hier im Spielplan provisorisch den 4. September angesetzt.

16: FSG Burg-Gräfenrode

• Wunsch 4: Die SG Rodheim möchte am 10. August auswärts spielen.

5: SG Rodheim

• Nach den Vereinswünschen wird auf die »Schmankerl« geschaut. Es werden ein Karbener und ein Friedberger Derby zum Auftakt angesetzt.

1: FSV Dorheim

8: FC Rendel

9: KSG 1920 Groß-Karben

17: Germania Ockstadt

• Die verbleibenden Schlüsselzahlen werden auf die restlichen Vereine aufgeteilt.

4: FC Kaichen

12: SG Wohnbach/Berstadt

14: TSV Ostheim

15: SV Schwalheim

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