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Fußball

Schiedsrichter Marcel Cholewa: Mit 23 in der Bundesliga

Marcel Cholewa vom SC Dortelweil pfeift seit dieser Saison in der Junioren-Bundesliga. Der Friedberger erklärt die Unterschiede zum Kreisfußball und wie er mit den Profis von morgen umgeht.

Karlsruhe, Leverkusen, München - Marcel Cholewa aus Friedberg kommt aktuell viel rum. Der 23-jährige Student vom SC Dortelweil ist seit dieser Saison Fußball-Schiedsrichter in der U 17-Bundesliga und fühlt sich mit seiner neuen Aufgabe sichtbar wohl. Dahinter stehen zehn Jahre Erfahrung als Referee und eine prägende Entscheidung. Wie er mit der regelmäßigen Kritik an Unparteiischen umgeht und was er von sich als Schiri erwartet, erzählt er im Interview.

Marcel Cholewa, seit dieser Saison pfeifen Sie in der U17-Bundesliga. Was ist dort anders?

MarcelCholewa: Es wird deutlich mehr Fußball gespielt. Die Trainer sind darauf aus, dass ihre Mannschaften kaum lange Bälle spielen. Es ist temporeicher.

Welchen Einfluss hat das auf Sie als Schiedsrichter?

Cholewa:Man muss sich taktisch darauf einstellen. Die Vorbereitung ist deutlich intensiver, man schaut sich die Mannschaften an. Die Vergehen an sich sind nicht so rustikal wie im Herrenbereich, die Jungs sind aber auch nicht so ausgewachsen.

Wie haben Sie den Aufstieg in so jungen Jahren geschafft?

Cholewa:In vielen seiner Spiele in der höchst eingestuften Spielklasse wird man beobachtet. Es gibt ein Notensystem, dort kann man sich präsentieren und qualifizieren. Wenn man ganz gut dar steht und eine gewisse Perspektive mitbringt wird man für die Junioren-Bundesliga nominiert.

Wo hat alles angefangen?

Cholewa:Ein Spiel der F-Jugend als ich 13 Jahre alte war. 2010 habe ich meinen Schiedsrichterschein gemacht. Erst habe ich das nebenbei gemacht, um auch ein bisschen Taschengeld zu verdienen. Nebenbei habe ich bis zur A-Jugend noch gekickt. Dann hat sich herausgestellt, dass ich eigentlich ganz gut dabei bin. Es hat mir immer mehr Spaß gemacht, jeden Sonntag auf dem Platz Entscheidungen zu treffen. Dann musste ich mich zwischen Spielen oder Pfeifen entscheiden. Als Schiri ist zum einen das Verletzungsrisiko geringer und vor allem

Finden sie Schiri-Job nicht manchmal ein bisschen undankbar?

Cholewa:Von außen betrachtet ist man immer der "Buh-Mann". Jedoch bringt das Hobby auch viele Vorteile mit sich. Man stärkt sein Selbstbewusstsein, Menschenkenntnis und die Fähigkeit, Entscheidungen unter Druck zu treffen. Das Problem ist auch, dass die Schiedsrichter in eine gewisse Schublade gesteckt werden. Ich habe das große Glück, dass ich als Spieler auch die andere Perspektive kenne. Ich habe auch mit 18 meine Trainer-B-Lizenz gemacht, war vier Jahre Jugendtrainer. Grundsätzlich ist die Gewalt gegen Schiedsrichter natürlich ein Riesenproblem. Ich mag es überhaupt nicht, wenn man ausschließlich die Schuld beim Schiedsrichter sucht. Man sollte verstehen, dass diese nur Menschen sind und, genauso wie Spieler, auch Fehler machen.

Wie gehen sie persönlich mit der oft sehr direkten Kritik um?

Cholewa:Das ist natürlich individuell abhängig. Es ist Fakt, dass es so etwas gibt. Ich finde, da sind auch die Trainer dazu angehalten, ihre Spieler zu disziplinieren. Schiedsrichter können viel während eines Spiels machen, aber wir können ja nicht die Charaktere ändern, die auf dem Platz stehen.

Was macht denn ihrer Meinung einen richtig guten Referee aus?

Cholewa:Als aller erstes natürlich Regelkenntnis. Körperliche Fitness ist auch extrem wichtig. Wenn du in der 75. Minute schon platt bist, kannst du auch nicht mehr klar denken. Selbstkritisch die eigene Leistung reflektieren. Kommunikationsfähigkeit. Durchsetzungsvermögen und ein starker Charakter. Man muss bestimmend sein, aber nicht arrogant - und das Spiel verstehen.

Ändert das ihre Sichtweise als Außenstehender auf ein Spiel?

Cholewa:Seitdem ich Schiedsrichter bin, schaue ich das Spiel anders. Man muss sich immer auch in den Schiedsrichter hineinversetzen, was vielen schwer fällt, weil sie nicht einmal ein Spiel gepfiffen haben. Das würde ich gerne vielen einmal zeigen, dann ändert sich vielleicht auch deren Sichtweise.

Gibt es etwas, was sie gerne grundsätzlich ändern würden?

Cholewa:Die Handspielregel sollte vielleicht noch enger gefasst werden. Sie wurde schon verbessert, was ich gut finde. Aber es ist vielleicht noch einen Tick zu weit gefasst.

Welche Ziele haben sie noch als Schiri?

Cholewa:Man hat Träume, die sollte man sich im Kopf bewahren. Entscheidend ist aber, welche Leistungen man von Spiel zu Spiel bringt. Man wird ja auch da beurteilt. Ich kann im Endeffekt in der letzten Beobachtung mir die ganze Saison verhauen oder nach oben pushen. Ich kann natürlich nicht sagen, wo ich lande. (Foto: Jonas Kinski)

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