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Bei Schalke 04 unter Vertrag

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Lukas Schmandt spielt im Esport für den FC Schalke 04. 	(Foto: rge)
Lukas Schmandt spielt im Esport für den FC Schalke 04. (Foto: rge) © Red

(rge) Der 20-jährige Pohlheimer Lukas Schmandt, der bis diesen Herbst aktiver Fußballer bei der zweiten Mannschaft des SC Teutonia Watzenborn-Steinberg war, ist seit wenigen Wochen beim Ruhrpott-Traditionsclub FC Schalke 04 unter Vertrag. Er ist einer der deutschen Top-Spieler bei den »FIFA 2017« Spiel-Turnieren.

Die spielen nicht auf dem realen Grün des Rasens, sondern in der jungen Disziplin des Esports von zu Hause oder unterwegs am Bildschirm online über Computer oder Spielkonsole um Tore und Punkte.

In ganz Deutschland gibt es nur rund 20 Spieler, die im Bereich dieses aufstrebenden elektronischen Sports einen Vertrag erhalten haben, weiß er. Dementsprechend sind Familie und Freunde stolz, als er die gute Nachricht von den Schalkern aus Gelsenkirchen bekam. Die Popularität dieses virtuellen Fußballspiels am Bildschirm, gerade bei den jungen Leuten, haben inzwischen die Bundesligisten wie FC Schalke 04 und VfL Wolfsburg erkannt. Sie stellen eigene Mannschaften. In Europa sind es beispielsweise Spitzenclubs aus England mit Westham United, in Frankreich mit Paris St. Germain, in der Schweiz FC St. Gallen und in Polen Legia Warschau schon in diesem sportlichen Wettkampf engagiert. Im Esport-Bereich werden inzwischen internationalen Top-Spielern hohe Gagen und Preisgelder in Millionen-Dollar-Höhe wie bei dem Spiel »League of Legends« gezahlt. Die Anzahl der organisierten Esportler wird in Deutschland je nach Quelle zwischen 1,5 bis 4,5 Millionen geschätzt, in Europa rund 22 Millionen.

Schmandt begann bereits vor zehn Jahren als Kind mit dem Spielen mit der Version »FIFA 2006«, damals auf einer Playstation. Schnell bemerkte er, dass er eine hohe Reaktionsgeschwindigkeit als auch ein gutes Auge für die richtige Situation hat. Die motorische Top-Koordination von Hand und Auge sind für den Erfolg bei den virtuellen Fußballspielen entscheidende Vorteile. Das und die wachsende Erfahrung spiegelten sich im Lauf der Zeit in den Ergebnissen wider. Von 90 Spielen gewann er rund 80 mit seiner Elf in einer Serie. Mit seinem Watzenborn-Steinberger Freund Gerit Geller ging es zu einem ersten Turnier mit professionellen Spielern nach Köln. Dort war für ihn erst im Sechzehntel-Finale gegen die Profis Schluss. Es wurde dann auf dem weiterentwickelten »FIFA 2016« Spiel auf der Playstation gespielt und online und global auf der offiziellen Spielerseite www.esl.eu trainiert. Dort erreichte er zum Ende von »FIFA 16« unter 200 Spielern den 25. Platz.

Zu Beginn von »FIFA 17« begann die deutsche Meisterschaft, bei der er von rund 250 Spielern unter die Auswahl der besten acht kam. Diese acht Spieler wurden in zwei Vierer-Gruppen aufgeteilt, wonach die besten zwei Spieler jeder Gruppe ermittelt wurden. Als Außenseiter gesetzt, war er sich nach der Auslosung sicher: »Die geloste Gruppe ist machbar.« Im Oktober holte er sich dann als Gruppenzweiter einen Platz unter den letzten vier Spielern, welche die deutsche Meisterschaft offline in Duisburg am 26. November ausspielten. Dort verlor er im Halbfinale gegen den neuen deutschen Meister. Durch diese Leistung sicherte sich Schmandt ein Preisgeld von rund 600 Euro.

Bis dahin hatte er fast täglich vier Stunden Abends online mit Pausen gespielt. Dabei braucht er Ruhe und seine Lieblingsmusik. Das gängige Vorurteil vom typischen Nerd, der sich von Cola und Pizza ernährt, weist der Pohlheimer weit von sich. »Auf keinen aus meinem Bekanntenkreis der Spieler passt dieses Vorurteil.« Wie er, der regelmäßig Sport treibt, Freundschaften pflegt und frische Luft liebt, stehen alle mitten im realen Leben. Dass er von Schalke 04 entdeckt und unter Vertrag genommen wurde, freut ihn.

Er ist sich sicher, dass die Fangemeinde für Esport weiter wachsen wird. Die Fußballspielsimulation werde immer besser und realistischer, stellt er fest. Die Passkombinationen und Flanken sowie der Torschuss müssen richtig getimt und durch die vorgegebene Energie kalkuliert werden.

TV-Sportsender wie Sport1 und die Online-Ausgabe von »Bild« bieten den Esport-Begeisterten inzwischen ein Forum in Live-Spielen und Talkrunden mit den Spielern. In Schalke 04 werden auf den großen Leinwänden vor den Bundesliga-Spielen bereits vor tausenden Zuschauern online von Gast und Auswärtsmannschaft die Spiele ausgetragen.

Dass sein Vater Bayern-München-Fan ist, macht dem Neu-Schalker und seinem Vater keine Probleme. »Er fiebert immer mit mir mit«, sagt er lächelnd. »Und jetzt greif ich richtig an«, erklärt er sein weiteres Esport-Engagement.

Er weiß aber auch, dass er erst einmal sein BWL-Studium an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen erfolgreich beenden will. Danach kann er sich vorstellen, als Profi oder Manager nur noch in der jungen Esport-Szene tätig zu sein.

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