In den Sand gesetzt

Erst lagen drei Punkte in der Luft, dann hatten sie zumindest einen Zähler so gut wie in der Tasche, doch am Ende reichte es noch nicht mal für einen Teilerfolg: Die Fußballer des KSV Klein-Karben haben den Einstieg in die Verbandsliga Süd am Samstagnachmittag trotz Heimvorteils in den Sand gesetzt, denn im Jahr eins nach dem Hessenliga-Abstieg und einem personellen Umbruch, wie er radikaler nicht hätte sein können, zog die Mannschaft von KSV-Trainer Thomas Biehrer auf dem Günter-Reutzel-Sportfeld gegen den letztjährigen Rangvierten Viktoria Griesheim knapp mit 2:3 (2:1) den Kürzeren.

Zweifellos unglücklich, zumal der Siegtreffer der Südhessen kurz vor dem Abpfiff registriert werden musste. Viktoria-Spielmacher Jean-Marie Starck riss die neu formierte KSV-Truppe aus allen Träumen: Von Florian Muhl in Szene gesetzt, überlistete Starck Karbens Keeper David Tempel per Flachschuss ins kurze Eck. "Sicher bitter, weil ein Remis dem Spielverlauf eher entsprochen hätte, aber eben nicht zu ändern", zog Thomas Biehrer eine zunächst ernüchternde Bilanz, um gleich darauf zu ergänzen, dass er keinem seiner Spieler einen Vorwurf machen könne: "Allerdings hat sich in der Auftaktpartie bestätigt, dass noch viel Arbeit auf uns wartet."

Doppelt ärgerlich für den Klein-Karbener Übungsleiter und die KSV-Fans unter den lediglich rund 130 Zuschauern: Zunächst, in den ersten 20 Minuten der insgesamt auf eher mäßigem Verbandsliga-Niveau stehenden Begegnung, gab’s aus der Sicht der Platzherren überhaupt keinen Grund zur Klage. Ali El Fechtali, der 34-jährige Neuzugang aus Eschborn und mit Abstand ältester Spieler auf dem Platz, schlug früh zwei Mal erfolgreich zu. Nach fünf Minuten zirkelte er einen an Jannik Jung verursachten Freistoß aus 18 Metern zur KSV-Führung flach ins linke Eck, und nur zwei Minuten später erhöhte der Routinier gar auf 2:0.

Erneut mittels Freistoß erzielt, diesmal allerdings fast von der rechten Eckfahne und mit freundlicher Unterstützung durch Griesheims Torwart René Blessing. Alles in allem für den Ex-Hessenligisten ein Auftakt nach Maß, der im Griesheimer Lager eine Art Schock-Zustand hinterließ.

Allerdings versäumte es die Biehrer-Elf, aus dem tollen Start Kapital zu schlagen. Wohl inszenierte vor allem Christopher Wilz auf der linken Außenbahn bis zur Pause einige vielversprechende Attacken, in letzter Konsequenz fehlte jedoch vorne die Durchschlagskraft. Blessing, der im Griesheimer Kasten nicht den sichersten Eindruck hinterließ, wurde jedenfalls nach den beiden Gegentoren kein einziges Mal mehr ernsthaft auf die Probe gestellt. Weder in der ersten Halbzeit, und schon gar nicht in den zweiten 45 Minuten, als man Klein-Karbener Offensiv-Aktionen, die der Erwähnung wert gewesen wären, vollends vermisste. "Wir hätten nachlegen müssen", erkannte Thomas Biehrer.

Sein Trainerkollege auf Griesheimer Seite, Rainer Kolitsch, sah es genauso: "El Fechtalis Volltreffer haben meine Mannschaft zunächst verunsichert. Erst ab dem Anschlusstor Mitte der ersten Hälfte lief es besser." Von einem guten Spiel seiner Truppe könne jedoch nicht die Rede sein: "Viel zu zerfahren. Auf beiden Seiten wollte partout kein richtiger Spielfluss aufkommen. Unser Sieg war glücklich".

Bezeichnend für den Spielverlauf: Beide Abwehrreihen wirkten stabil, gestatteten dem Gegner trotz der fünf Treffer kaum Entfaltungs-Möglichkeiten. Weitere Torchancen? Fehlanzeige Der kleine, aber feine Unterschied: Griesheim war hinten zwei Mal nicht im Bilde und wurde prompt bestraft. Die Klein-Karbener Abwehrkette mit Kapitän Sven Kunisch und Manuel Döpfer in der Innenverteidigung sowie Felix Schubert (links) und Kahsai Ghebrezghi (rechts) auf den Außenbahnen wirkte in summa summarum drei Fällen nicht auf der Höhe der Zeit. Eine Quote, an der es eigentlich nichts zu kritisieren gibt, aber dennoch war’s halt einmal zu viel.

Denn als Konsequenz dieser Tatsache stand zu Buche: Griesheims Oliver Greindls halbierte den Zwei-Tore-Rückstand seiner Mannschaft nach Starcks Rückpass mittels leicht abgefälschten Flachschuss, Stürmer René Behmüller egalisierte - von Fetsch freigespielt - kurz nach Beginn der zweiten Hälfte frei vor David Tempel auftauchend im zweiten Versuch zum 2:2-Ausgleich, und ganz zum Schluss - nach fast 45 Minuten ohne weitere zwingende Angriffsaktionen - machte Jean-Marie Starck den Sack zugunsten der Fußballer aus der Darmstädter Kante zu.

Gut für Klein-Karbens Chefcoach Thomas Biehrer und Co-Trainer Wolfgang Schmidt: Ganz grundsätzlich stimmt die Richtung. Punktuelle Verbesserungen und ein besseres taktisches Zusammenspiel aller Komponenten scheinen jedoch unumgänglich. Nicht zu übersehen: Die jungen Mittelfeldspieler Marius Troll und Eric Bueno Oliva sowie Stürmer Jannik Jung wirkten gegenüber ihren erfahreneren Teamkollegen Christopher Wilz (linkes Mittelfeld), Kerem Kaya (zentrales Mittelfeld) oder Ali El Fechtali (zweite Sturmspitze) phasenweise gehemmt. Doch das kann sich schnell ändern. An genügend Potenzial, auf der Verbandsliga-Bühne eine gute Rolle spielen zu können, scheint’s auf dem Günter-Reutzel-Sportfeld nicht zu mangeln.

KSV Klein-Karben: Tempel - Schubert, Kunisch, Döpfer, Kahsai Ghebrezghi - Kaya, Troll (56. Alempic), Bueno Oliva (74. Cömertpay), Wilz - El Fechtali, Jung (60. Rico da Silva).

Viktoria Griesheim: Blessing - Greindl, Dantse, Windeck, Finger - Fetsch, Schwarz - Kwiaton (63. Muhl), Dickler, Starck - Behmüller (91. Carlon).

Tore: 1:0 (5.) El Fechtali, 2:0 (7.) El Fechtali, 2:1 (38.) Greindl, 2:2 (46.) Behmüller, 2:3 (90.) Starck.

Schiedsrichterin: Susanne Luft (Obertshausen). - Zuschauer: 130.

Uwe Born

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