Bilder, die es aufgrund der Coronavirus-Pandemie so bald nicht wieder geben wird: Volles Haus bei Oberliga-Aufsteiger TV Petterweil. ARCHIVFOTO: NICI MERZ
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Bilder, die es aufgrund der Coronavirus-Pandemie so bald nicht wieder geben wird: Volles Haus bei Oberliga-Aufsteiger TV Petterweil. ARCHIVFOTO: NICI MERZ

Neuer Termin

Hessischer Handballverband verschiebt Saisonstart - Basis kritisiert Ausnahmeregelung

  • Philipp Keßler
    vonPhilipp Keßler
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Der Hessische Handball-Verband hat wie erwartet den Saisonstart aufgrund der Coronavirus-Pandemie mehr als einen Monat nach hinten verschoben. Falls die Gegebenheit vor Ort ein Spiel möglich machen, könnte es auch schon vorher Handball geben - meist jedoch ohne Zuschauer.

Günter Dörr lässt keinen Zweifel daran, dass die neue Handballsaison eine sein wird, die so wohl noch niemand in Hessen erlebt hat. Zu groß sind aus Sicht des Geschäftsführers des Hessischen Handballverbands (HHV) die Hürden aufgrund der Coronavirus-Pandemie, zu schwerwiegend die Hygieneauflagen und Einschränkungen durch die Behörden. Der Verband hat am Mittwochmittag wie erwartet bekannt gegeben, dass der Saisonstart von 12./13. September auf 17./18. Oktober nach hinten verlegt wird - allerdings mit einer Einschränkung: Wenn es die örtlichen Gegebenheiten zulassen und beide Mannschaften spielen wollen, sind bereits ab 12. September Meisterschaftsspiele möglich.

"Wir gehen aktuell von einem hohen Prozentsatz an Mannschaften aus, die spielen wollen und können - hoffentlich dürfen sie es ab September auch noch", sagt Dörr. "Die Anfragen der Vereine nach dem Start des Spielbetriebs war bei uns in jedem Fall höher als erwartet."

Auch deshalb habe sich das Präsidium des HHV in einer Telefonkonferenz am Dienstag entschieden, den Saisonstart nicht pauschal zu verlegen. Dies hatte der Arbeitskreis Spieltechnik, der am Wochenende über die aktuelle Lage beraten hatte, mit einer Mehrheit befürwortet. Daraufhin war die Meldung von der Verlegung durch einen Klassenleiter bereits als Tatsache veröffentlicht worden, ehe HHV-Präsident Gunter Eckart zurückrudern musste.

Nun herrscht also Klarheit - zumindest was die Rahmenbedingungen angeht. Der Rest soll in den Durchführungsbestimmungen geregelt werden, die Anfang September veröffentlicht werden sollen. "Hier müssen noch letzte Details festgelegt werden, da bitten wir einfach noch um etwas Geduld", sagt Dörr.

Der Verband wollte damit, so viele Spielmöglichkeiten wie möglich schaffen, solange die Corona-Lage dies auch zulasse. Der Hintergrund: "Das Präsidium sieht für die kommende Runde große Herausforderungen auf die Vereine und spielleitenden Stellen zukommen, da nach derzeitigem Stand der Dinge mit sehr großer Wahrscheinlichkeit Spielausfälle und Unterbrechungen der Runden zu erwarten sind", wie es in der Pressemitteilung heißt. Der Gesundheitsschutz aller an Spielen beteiligten Personen müsse aber bei jeder Entscheidung "oberste Priorität" haben.

HHV-Empfehlung: Saisonstart vor leeren Rängen

Auch Dörr sieht eher skeptisch in die Zukunft. Jedem müsse klar sein, dass es am Ende der Saison Ligen gebe, in denen Mannschaften nicht immer gleich viele Spiele absolviert hätten. Von einem völlig fairen Wettbewerb "muss man sich verabschieden". Er gehe nicht davon aus, dass auch nur an einem Wochenende die sonst übliche Zahl von Spielen in Hessen durchgeführt wird.

Ein weiteres schwieriges Thema seien Zuschauer. "Ich empfehle jedem, aktuell auf Zuschauer zu verzichten", sagt Dörr. "Die Vereine, die das bisher geprüft haben, haben fast alle festgestellt, dass es sich nicht lohnt." Zu groß seien die Auflagen, zu hoch der Aufwand für die Ehrenamtlichen und zu gering der Nutzen. Schließlich müssten bereits für einen Trainings- und Spielbetrieb ohne Zuschauer hohe Auflagen erfüllt werden.

Immerhin: Für die, die spielen wollen, sei der Aufwand im Online-Spielsystem angesichts der bereits angelegten Spielpläne gering und auch das Stellen von Schiedsrichtern voraussichtlich kein Problem. "Bei einer Abfrage auf Verbandsebene hatten wir diesbezüglich nur wenige negative Rückmeldungen", erklärt der Geschäftsführer.

Bei der TG Friedberg ist man sich derweil nicht mal mehr sicher, ob ein Wettspielbetrieb in diesem Jahr überhaupt noch sinnvoll ist. "Wir haben schon mal intern diskutiert, ob es nicht mehr Sinn ergeben würde, nur auf Basis von Freundschaftsspielen zu agieren, dann hätte man auch keine Probleme bei Spielausfällen oder am Ende der Saison mit Auf- und Abstieg", erklärt TG-Abteilungsleiter Ulrich "Uli" Kaffenberger. "Die Hauptsache ist doch, dass wir unseren Sport betreiben können."

Die Teams der TG befinden sich zwar längst wieder im Training, die Verschiebung der Runde sieht Kaffenberger aber eher als gut an. Lediglich die Entscheidung zur freiwilligen Austragung von Spielen sieht er kritisch: "Das verwirrt nur, hier hätte ich mir ein entweder/oder gewünscht. So wird die Verantwortung wieder auf die Vereine abgeschoben."

Die haben - zumindest im Falle der Friedberger - ihre Hausaufgaben in Sachen Hygienekonzept größtenteils schon erledigt. "Das hätten wir sowieso gebraucht"; sagt Kaffenberger. "Zumal unsere Halle groß genug ist, sodass wir auch mit Zuschauern geplant haben - 250 sind bei Veranstaltungen grundsätzlich ja auch erlaubt." Dafür benötige man nur die entsprechende Man-power. Doch auch diesbezüglich habe es bereits positive Signale aus dem Umfeld gegeben.

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