Ordentlich krachen lassen wollen es die Gießen 46ers um Johannes Richter in der Bundesliga-Saison 2020/21. FOTO: IMAGO
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Ordentlich krachen lassen wollen es die Gießen 46ers um Johannes Richter in der Bundesliga-Saison 2020/21. FOTO: IMAGO

Saisonstart fällt schon ins Wasser

  • Wolfgang Gärtner
    vonWolfgang Gärtner
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Die Gießen 46ers stehen wie die anderen 17 Klubs vor einer herausfordernden Saison 2020/21 in der Basketball-Bundesliga. Keiner kann in diesen ungewissen Zeiten sagen, ob sie überhaupt zu Ende gespielt wird. Bereits der Start der 46ers in die BBL fällt flach. Das Corona- virus schwebt über allem.

Kurz vor dem Heimspiel-auftakt in der Basketball-Bundesliga hat das Virus bei den Gießen 46ers gegen den Mitteldeutschen BC zugeschlagen. Ein Spieler der Profimannschaft wurde positiv getestet, alle müssen in Quarantäne. Die Premiere am Samstag um 18 Uhr in der Sporthalle Gießen Ost fällt damit aus. Mit dem unvorhersehbaren Parameter Corona muss nicht nur die neuformierte Gießener Mannschaft von Trainer Ingo Freyer während der gesamten Saison rechnen.

Status Quo: Knapp sechs Wochen Vorbereitung liegen hinter den 46ers - die BBL-Pokalauftritte in Vechta waren bewusst miteinbezogen. Dort gab es ausschließlich Nieder-lagen: gegen Vechta, Frankfurt und Göttingen. "Was ich sehen wollte, dass sich die Mannschaft von Spiel zu Spiel verbessert und an sich arbeitet, das hat man deutlich sehen können. Die Mannschaft ist intakt", kommentierte Sportdirektor Michael Koch.

Kommen und Gehen: Wie in fast allen Jahren bei den 46ers wurde fast der gesamte Kader ausgetauscht. Von den Stammspielern hatten nur noch die Eigengewächse Bjarne Kraushaar (Guard) und Alen Pjanic (Forward) sowie Routinier Brandon Thomas (Forward) gültige Verträge - dazu die Doppellizenzler Tim Köpple und Tim Uhlemann. Acht neue Spieler rekrutierten Cheftrainer Freyer, "Co" Steven Wriedt und Koch, der auch das Amt des Geschäftsführers innehat. Über die Verpflichtung von Aufbauspieler Jonathan Stark freuten sich die Verantwortlichen ganz besonders. Ausgerechnet der Hoffnungsträger Nummer eins verletzte sich dann aber in der Vorbereitung (Muskelbündelriss im Oberschenkel), sodass mit Andrew Rowsey kurzfristig Ersatz geholt wurde. Ebenfalls für den Backcourt kam Liam O’Reilly (zuletzt auf Zypern bei Apollon Limassol). Ferdinand Zylka (vorher Mitteldeutscher BC) komplettiert die Kreativabteilung. Er ist mit einer Doppellizenz für das Nachwuchs-Team "Rackelos" ausgestattet. Zudem schloss sich Isaac Hamilton den Mittelhessen an, der neben Thomas die Funktion als Allrounder einnimmt. Die neue Brettspielergarde, der 36-jährige Weltenbummler Brandon Bowman, Johannes Richter (zuvor Würzburg) sowie der frisch vom College gekommene Scottie James JR, deuteten im BBL-Pokal bereits ihr Potenzial an.

Schlüsselspieler: Jonathan Stark soll bei den Gießen 46ers auf der Spielmacherposition den Taktstock schwingen. Mit der Rückkehr des US-Amerikaners wird in Kürze gerechnet. Der 25-Jährige, der im vergangenen Jahr wegen eines Kreuzbandrisses pausieren musste, ist ein athletischer und schneller Pointguard. Er ist dominant, kann gut verteidigen, selbst vielseitig scoren und hat ein Auge für das Spiel und den Teamkollegen. "Ich freue mich, dass wir einen Spieler seiner Qualität gewinnen konnten", sagte Freyer.

Der Trainer und sein Stil: Ingo Freyer ist kein Defense-Verfechter. Er liebt den Run-and-Gun-Basketball, hohes Tempo, Athletik, die schnellen Abschlüsse. Freyers Wunsch ist, dass sein Team den Gegner in jeder Sekunde im Angriff und in der Abwehr unter Druck setzt. Im Set-Play setzt der 49-Jährige verstärkt auf eine Pick-and-Roll-Offense. Der Trainer kündigte an, dass die Fans einen neuen 46ers-Spielstil zu sehen bekommen werden.

Problemzonen: Bei den Gießen 46ers ist das Reboundverhalten verbesserungswürdig. Defensiv muss jeder Spieler beim Ausboxen verstärkt seinen Gegenspieler im Blick haben. Oft fehlt die Orientierung im Raum. Und in der Offensive muss konsequenter zum Rebound gegangen werden. Insgesamt muss in der Abwehr- arbeit individuell wie auf Mannschaftsebene aggressiver agiert werden.

Umfeld: Die Solidarität auf wirtschaftlicher Ebene sei in der schwierigen Zeit groß gewesen, ließ Geschäftsführer Koch verlauten. "Den Antrag für den vom Staat eingerichteten Hilfsfonds haben wir gestellt. Bescheid haben wir noch nicht", so Koch (siehe auch Extra-Kasten). Jede Unterstützung sei enorm wichtig. Klar sei aber auch, dass eine solche Überbrückung die fehlenden Einnahmen nicht ausgleichen könne.

Prognose: Die Gießener Fans sind in der vergangenen Saison nicht gerade mit Siegen überschüttet worden. Sechs waren es insgesamt bei 20 Partien - fünf davon in zwölf Heimspielen. Trainer Freyer wird bei einigen Anhängern kritisch beäugt, für sie wird zu wenig Augenmerk auf die Defense gelegt, ihnen fehlt ein strukturiertes Teamspiel, und sie bemängeln den übertriebenen Run-and-Gun-Stil. Der wird sich sicherlich nicht ändern. Diesmal hat Coach Freyer aber viele Akteure dabei, die von ihrer Art her seine Philosophie umsetzen können. Dennoch geht es für die 46ers nur um den Klassenerhalt.

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