Die Saison 2019/20 im Hessischen Fußball-Verband wird abgebrochen und endet zum 30. Juni 2020. Diese Entscheidung wurde beim virtuellen Verbandstag am Samstag getroffen. FOTO: IMAGO
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Die Saison 2019/20 im Hessischen Fußball-Verband wird abgebrochen und endet zum 30. Juni 2020. Diese Entscheidung wurde beim virtuellen Verbandstag am Samstag getroffen. FOTO: IMAGO

Fußball

Saisonende in Hessen beschlossen

  • Michael Nickolaus
    vonMichael Nickolaus
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Die Saison 2019/20 im hessischen Amateurfußball ist beendet. Die Wertung erfolgt anhand der Quotientenregel. Beim Verbandstag am Samstag wurden Fakten geschaffen.

Das Votum war eindeutig. In allen Fragen. Um 10.48 Uhr am Samstag hatten die Delegierten den Abbruch der Meisterschaftsrunde 2019/20 im Amateurbereich des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) beschlossen. Nur zwölf Minuten später war auch die zuletzt - gerade in der Region Frankfurt - diskutierte Frage bezüglich der Relegations- und Aufstiegsspiele beantwortet. Auch hier findet die Quotientenregel Anwendung. So mancher Tabellen-Zweite steigt - entgegen des ursprünglichen Modells - nun mit dem Quotienten-Meister auf. Ein sportlicher Abstieg war ohnehin nicht vorgesehen. Die Entscheidungen betreffen Herren-, Frauen- und Ü-Bereich.

"Dieser Verbandstag wird in die Geschichte eingehen. Es wurden historische Beschlüsse gefasst. Einen Saisonabbruch mit Wertung hat es noch nie gegeben", resümierte Stefan Reuß, der HFV-Präsident, nach der exakt zweistündigen digitalen Zusammenkunft. 287 (von 345) Delegierte waren der Sitzung, die aus Grünberg moderiert worden ist, zugeschaltet. Zeitweise hatten mehr als 800 User die Übertragung im Livestream verfolgt.

Ja, man wolle wieder auf den Platz und den Ball wieder rollen sehen, sagte Reuß in seiner Begrüßung und skizzierte den in vielen Bereichen auch von Juristen und Gutachtern begleiteten Weg, der zur Vorbereitung der Anträge geführt hatte. Im Dreiklang von Transparenz, sportlicher Fairness und Rechtssicherheit habe man sich in den vergangenen Wochen bewegt, "um mit bestem Wissen und Gewissen alle Vereine abzuholen". Reuß appellierte an "Solidarität und Gemeinsinn statt Egoismus". Offenbar hatte der Verband in der Vorbereitung die richtigen Worte und Pfade gefunden. Eine (erneute) Diskussion über Für und Wider der einzelnen Entscheidungen blieb aus.

Mit 279 Ja-Stimmen wurde der Abbruch der Saison beschlossen, nachdem im ersten Schritt Satzungsänderungen beschlossen und haftungsbeschränkende Entscheidungen verabschiedet worden waren. 175 Stimmen erhielt nur Minuten später die sogenannte Beschlussvorlage C. Diese sieht die tabellarische Wertung der Saison mit Hilfe der Quotienten-Regelung vor. Es gibt Aufsteiger gemäß des Spielgeschehens der Saison 2019/2020, aber keine Absteiger. Zudem erfolgt der Aufstieg der Teilnehmer von Relegations- und Aufstiegsspielen; und dies ebenfalls nach der Quotientenregel. Dabei wird nicht zwischen Aufstiegsspielen und Relegationsspielen unterschieden. In beiden Bereichen werden entsprechend des Spielgeschehens die jeweiligen Aufsteiger ebenfalls unter Anwendung der Quotientenregel ermittelt, so dass eine Gleichbehandlung auf Kreis- und Verbandsebene gegeben ist.

Für Gesprächsbedarf im Anschluss hatte ein Änderungsantrag für den Bereich Nachwuchsfußball gesorgt. Hier hatten sich vier Kreisfußballwarte gegen eine ligenübergreifende Gegenüberstellung nach Quotientenregelung ausgesprochen und den Aufstieg aller Meister gefordert; auch auf die Gefahr einer teilnehmerstarken Gruppenliga hin. "Der Quervergleich ist aufgrund von unterschiedlichen Strukturen und Systemen in den Kreisen keine objektive und verhältnismäßige, sondern allenfalls sehr theoretische Wertungsmethode", warb Jörg Wagner, der Kreisfußballwart Offenbach, um Zustimmung. Und er bekam sie anschließend auch.

Eine Sonderrolle nehmen die Pokal-Wettbewerbe ein. Die ausstehenden Spiele auf Kreis- und Hessen-Ebene sollen - noch möglichst vor dem Start der Punktspielrunde 20/21 - ausgespielt werden. Ob dieser im September - so wird bislang gemutmaßt - sein wird, ist allerdings noch offen. Da ist der HFV von Entscheidung der Bundes- und Landesregierung abhängig. "Wir haben verschiedene Ideen in der Schublade", sagte HFV-Medienchef Matthias Gast im Anschluss. Zuvor hatte Präsident Reuß mit Blick auf Szenarien für die Saison 20/21 bereits "Mut und Kreativität" gefordert und auch selbstkritisch den Verband mit einem "schweren Tanker" verglichen. "Der HFV muss, um seine Ziele zu erreichen, vielleicht auch ein bisschen beweglicher werden." Insbesondere die überdimensional großen Ligen, die in einem womöglich kürzeren Zeitfenster zu managen sind, werfen die Fragen nach Zweiteilung oder Einfachrunde auf. Am Montagabend wird sich der Verbandsspielausschuss (auch) mit diesem Thema auseinandersetzen.

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