+
Wie ein erheblicher Teil aus der Kreisoberliga-Mannschaft wird auch Henning Noll den TSV Ostheim zur neuen Saison verlassen. Der Verein hat nun die Reißleine gezogen und will künftig in der Kreisliga B Friedberg, Gruppe 1, spielen.

Kreisoberliga Friedberg

Rückzug mit Ansage: Darum geht der TSV Ostheim zukünftig in der Kreisliga B Friedberg an den Start

  • schließen

Der TSV Ostheim zieht seine erste Mannschaft aus der Fußball-Kreisoberliga zurück. Innerhalb von zwei Jahren hat sich damit der dritte Verein aus dem Oberhaus des Friedberger Fußballs abgemeldet. Dass in Ostheim künftig B-Liga-Fußball gespielt wird, hatte sich schon über einen längeren Zeitraum angebahnt.

In den vergangenen drei Jahren ist der TSV Ostheim ein treues Mitglied der Fußball-Kreisoberliga Friedberg gewesen. Daran hätte sich ziemlich sicher auch in der kommenden Saison nichts geändert, wann und wie auch immer diese startet. Doch es kommt anders: Beim TSV haben sie sich entschieden, das Team aus dem Friedberger Oberhaus zurückzuziehen und einen Neustart in der B-Liga zu wagen. Die zweite Mannschaft (Kreisliga C Friedberg, Gruppe 1) wird ganz vom Spielbetrieb abgemeldet.

Kleiner Kader wird TSV Ostheim zum Verhängnis

"Mir persönlich tut es sehr weh", sagt Michel Belke, seit rund 25 Jahren Spielausschussvorsitzender beim TSV und mehr als nur die gute Seele des Vereins. Bereits vor der nun vor dem Abbruch stehenden Saison hatte sich die SG Rodheim aus der Kreisoberliga zurückgezogen, in der Spielzeit zuvor, im April 2018, hatte sich der VfB Petterweil auf eigenen Wunsch aus der höchsten Liga im Fußballkreis Friedberg verabschiedet, nachdem es hohe Niederlagen am laufenden Band gegeben hatte. Beiden letztgenannten Fällen gemein ist: Plötzliche und zahlreiche Abgänge von Spielern hatten eine Kettenreaktion ausgelöst. Beim TSV Ostheim ist es ähnlich, aber eigentlich auch ganz anders.

Überraschend kommt diese Nachricht nämlich nicht, wie das Ostheimer Innenleben zeigt. "Wir haben insgesamt einen sehr kleinen Kader. Wenn aus beiden Mannschaften zwölf Mann zum Training erschienen sind, war das schon viel", sagt Belke über die Trainingsbeteiligung in den zurückliegenden Wochen und Monaten vor der Coronavirus-Pandemie. Dass Spielertrainer Christopher Wanzke in der Winterpause den Entschluss fasste, den TSV im Sommer zu verlassen, passt ebenfalls ins Bild. "Irgendwann macht es keinen Spaß mehr, ständig Spielern hinterherzulaufen und sie zu motivieren, am Sonntag zu spielen", sagt Belke.

Keine Jugend bedeutet keine Spieler für die Zukunft

Ähnlich ging es Fabian Brücher. Der 30-Jährige ist in den vergangenen drei Spielzeiten Coach der "Zweiten" gewesen und stand Spieltag für Spieltag vor der Aufgabe, irgendwie elf Spieler zum Sportplatz zu bewegen. Schon in der Saison 2019/20, als die TSV-"Zweite" in der Kreisliga B Friedberg, Gruppe 1, als Aufsteiger durchgehend am Tabellenende stand, musste am vorletzten Spieltag zum dritten Mal ein Spiel abgesagt werden, nachdem zuvor bereits Dutzende Alt-Herren-Spieler ausgeholfen hatten - es bedeutete das vorzeitige Saisonende. "Wir haben dann lange überlegt, ob wir wieder zwei Teams melden. Jetzt retten uns die Spieler aus der zweiten Mannschaft, die sonst wahrscheinlich kein Fußball mehr bei uns gespielt hätten", sagt Brücher. Eine Jugendmannschaft, aus der perspektivisch Spieler für den Seniorenbereich generiert werden könnten, gibt es in Ostheim nicht.

Der Umbruch habe sich angebahnt, sagt Brücher. Über die Hälfte der ersten Mannschaft hat mittlerweile ihren Abschied aus Ostheim angekündigt. Allein zum Nachbarn SV Nieder-Weisel wechseln neben Spielertrainer Christopher Wanzke auch Dominik Ruppel, Lukas Wanzke und Can Zarifoglu. "Und so hat ein Rädchen ins andere gegriffen", sagt Belke.

Keinen anderen Verein für eine Spielgemeinschaft gefunden

Der letzte Rettungsanker wäre eine Spielgemeinschaft mit einer anderen Butzbacher Mannschaft gewesen, doch die Anfrage der Ostheimer wurde überall abgelehnt. "Für uns hat sich dann die Frage gestellt: Halten wir die Abteilung am Leben oder geben wir ihr keine Chance mehr", sagt Brücher. Nach einigen Gesprächen blieb die positivere Variante übrig - wenn auch zwei Klassen tiefer.

Gemeinsam mit Dennis Müller, dem Torwart der Kreisoberliga-Mannschaft, wird Brücher sich nun um die B-Liga-Mannschaft kümmern, die aus dem Stamm der Reserve und den verbliebenen Kreisoberliga-Spielern gebildet werden soll. "Wir wollen den Spaß am Fußball in den Vordergrund stellen und unser Image, das in der Vergangenheit etwas gelitten hat, wieder aufpolieren", sagt Brücher.

Und ganz unabhängig von der derzeitigen Coronavirus-Pandemie haben sie sich beim TSV Ostheim ein Ziel ganz oben auf die Fahne geschrieben, sagt Brücher: "Wir hoffen, dass wir bis zum Sommer nächsten Jahres durchhalten. Dann sehen wir weiter."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare