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Rückendeckung für Kujala

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Vor seiner bislang kniffligsten Aufgabe: Petri Kujala will den EC Bad Nauheim zurück in die Erfolgsspur führen.		(Foto: Chuc)
Vor seiner bislang kniffligsten Aufgabe: Petri Kujala will den EC Bad Nauheim zurück in die Erfolgsspur führen. (Foto: Chuc) © Andreas Chuc

(mn) Platz elf! Zum ersten Mal seit September 2015; seit dem vierten Spieltag der Vorsaison. Es brodelt. Die Stimmung droht zu kippen. Schuldige werden gesucht.

Der Ruf nach Konsequenzen, nach einem Zeichen - ganz gleich in welcher Form – wird im Umfeld der Roten Teufel nach der Niederlage am Mittwoch bei Schlusslicht Heilbronn immer lauter. Nur einen »Dreier« (insgesamt zehn Punkte) holte der EC Bad Nauheim aus den letzten 13 Spielen (quasi aus einem Viertel der Saison) der Deutschen Eishockey-Liga 2. Vor dem heutigen Heimspiel (19.30 Uhr) gegen den ESV Kaufbeuren, dem sich am Montag (20 Uhr) die Partie bei Aufsteiger Bayreuth anschließt, sagt Andreas Ortwein, der Geschäftsführer, klar und deutlich: »Wir sind uns der Situation bewusst, aber wir werden uns jetzt sicher nicht von Emotionen leiten lassen, sondern diese Herausforderung als Team gemeinsam angehen. Dass in Bad Nauheim die Volksseele schnell kocht, ist ja nichts Neues. Aber tabellarisch befinden wir uns in exakt jenen Regionen wie in zwei unserer drei DEL2-Spielzeiten.«

Der Blackout in Heilbronn: 50:14 Minuten, 51:37 Minuten, 52:58 Minuten – drei Strafzeiten binnen 164 Sekunden nutzte Heilbronn im letzten Drittel zu drei Toren. Dass die Falken die zweitbeste Powerplay-Effizienz der Liga haben, ist kein Geheimnis. »Die einfachen, teilweise saublöden Strafen in der entscheidenden Phase haben uns die Punkte gekostet. Über unser Verhalten in Unterzahl müssen wir reden«, zeigte sich Trainer Petri Kujala angesichts von vier Gegentreffern bei numerischer Unterlegenheit verärgert. »In kämpferischer Hinsicht« wolle er seiner Mannschaft keinen Vorwurf machen, »den Einsatz habe ich bei den Jungs nicht vermisst, alle waren mit Herz dabei«.

Die Kontingentspieler-Rotation: Mal traf es Joel Johansson, dann Mikko Rämö und nun Juuso Rajala. Für manche überraschend. Eine auf den ersten Blick mutige, aber durchaus auch nachvollziehbare Entscheidung. Der Finne ist zweifellos einer der Stürmer, die Spielsituationen kreieren und ihre Nebenleute einsetzen können, hat zuletzt aber auch nicht mehr den Unterschied ausmachen können. Nur einen (Powerplay)-Treffer erzielte Rajala in den letzten acht Spielen, blieb zudem im Penaltyschießen ohne Fortune.

Dazu kommt eine für einen Topscorer überraschend negative Plus/Minus-Statistik (-6), ein Wert, der schnell übersehen wird, solange die Mannschaft Erfolg hat. »Wir wollten defensiver spielen. Das war der einzige Grund«, erklärt Kujala seine Entscheidung. »Natürlich ist Juuso ein wichtiger Spieler im Powerplay, aber wir haben in Heilbronn alle drei Tore in Überzahl geschossen.« Das heißt allerdings auch: Im Spiel Fünf-gegen-Fünf haben die Roten Teufel in den letzten beiden Spielen nicht einen einzigen Treffer erzielt.

Die Stimmung: Man spricht, analysiert, hinterfragt – und macht erstmal so weiter; in allen Bereichen. »Natürlich setzen wir uns intensiv mit der Situation auseinander. Mit dem Trainer, mit der Mannschaft. Aber wir bleiben unserem Stil treu, nicht öffentlich zu poltern«, sagt Ortwein. Die Mannschaft habe im Vorjahr über ihre taktische und individuelle Disziplin die Spiele gewonnen. Und da müsse man wieder hinkommen, sagt der Kopf der GmbH. Dass Berater speziell ihr Trainer-Klientel bereits positionieren und ein Auge auf Bad Nauheim geworfen haben, räumt er ein, allerdings: »Über eine Alternative denke ich nicht nach. Wir arbeiten uns gemeinsam dort raus.«

Gute Laune in Kaufbeuren: Tabellenplatz acht, die Vertragsverlängerung mit dem langjährigen DEL-Spieler Sebastian Osterloh als Geschenk unterm Weihnachtsbaum, Torwart Stefan Vajs in Topform (fünfmal ohne Gegentor) und eine Mannschaft, die mitreißt. Sieben der letzten zehn Spiele hat das Team um den Ex-Nauheimer Daniel Oppolzer (bislang ein Tor, fünf Assists) gewonnen. 2600 Zuschauer haben am Mittwoch für ein ausverkauftes Stadion am Berliner Platz gesorgt. Das passiert im Allgäu nicht oft. Mit Sami Blomquist hat man beim ESV – den ersten Eindrücken zufolge – ein gutes Händchen gehabt, als es in der Vorweihnachtszeit darum ging, den überraschenden Abgang von Simon Olsson zu kompensieren. Der Schweden, zweitbester Vorbereiter, verließ Kaufbeuren Hals über Kopf, um in seiner Heimat nun als Spielerberater tätig zu sein. Den Goldhelm trägt der Finne Jere Laaksonen. Der Mittelstürmer glänzt als Ideengeber, aber auch durch seine Defensivarbeit dank einer enormen Laufleistung. Fehlen wird heute Matthias Bergmann (wird aufgrund einer Fußverletzung in der Hauptrunde wohl nicht mehr zur Verfügung stehen).

Wille und Begeisterung in Bayreuth: Der Aufsteiger galt als Abstiegskandidat Nummer eins. Abgeschlagen wurden die Wagnerstädter am Tabellenende gesehen. Nach etwas mehr als der Hälfte der Vorrunde belegt die Mannschaft von Trainer Sergej Wassmüller aber Rang zehn, träumt von den Pre-Playoffs. Der Abgang des jungen Russen Fyodor Kolupaylo, der in Moskau sein Glück zu finden glaubt, hat in der Vorwoche eine Lücke im dünnen Kader gerissen. Eine Kontingentspieler-Alternative wurde noch nicht gefunden. Die Mannschaft lebt angesichts der spielerisch limitierten Möglichkeiten von ihrem Kampf, ihrer Euphorie, der derzeitigen Kaltschnäuzigkeit, dem Zusammenhalt und hat just am Mittwoch erst Nehmer-Qualitäten gezeigt. In Rosenheim kassierte der Aufsteiger in Unterzahl das 1:3, steckte aber nicht auf, gewann mit 5:3 und zog in der Tabelle am EC Bad Nauheim vorbei. (mn/hs)

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