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RT-Stürmer Matthias Baldys: »Sind schlauer geworden«

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Er war dabei, als im Sommer 2007 mit der Rückkehr in die Eishockey-Oberliga eine neue Zeitrechnung in Bad Nauheim eingeläutet worden ist; als im ersten Jahr der Abstieg verhindert werden konnte, die Roten Teufel am Oster-Wochenende 2009 mit einer Finalserie gegen Hannover Schlagzeilen schrieben.

Er war dabei, als 2010 und 2011 die Playoff-Serien gegen Rosenheim und Riessersee in der Wetterau für Enttäuschungen gesorgt hatten. Matthias Baldys ist mit Alexander Baum, mit dem er gemeinsam als Regionalliga-Meister aus Herne zu den Roten Teufeln gewechselt war, der dienstälteste Spieler im Kader von Trainer Fred Carroll.

In Polen geboren und im Nachwuchs der Kölner Haie ausgebildet, schnupperte der 28-jährige Mittelstürmer nach drei Regionalliga-Jahren in Grefrath in der Spielzeit 2004/2005 erstmals Oberliga-Luft - in Leipzig, beim ersten Endrunden-Gegner des EC Bad Nauheim. Frank Gentges (heute Dortmund) war seinerzeit Coach der Eislöwen, wie sich die Sachsen damals nannten. Mit Baldys spielte sein heutiger Team- und Reihenpartner Dennis Cardona für Leipzig. Auch finden sich Namen wie Benjamin Finkenrath, Stephan Kreuzmann (beide Dortmund), Daniel Sevo (Frankfurt), Alexander Engel (Kassel) oder auch Andre Grein (Essen), denen Baldys in dieser Saison gegenüberstand und teilweise noch immer steht, im damaligen Leipziger Kader. Kontakte in die Sachsen-Metropole, also zum Klub, habe er heute nicht mehr, sagt Matthias Baldys beim Besuch in der WZ-Sportredaktion. Zum Endrunden-Start am Freitag hat Redakteur Michael Nickolaus mit dem Center über Derby-Siege, Lernprozesse und Erfolgsdruck gesprochen.

Acht Siege in acht Derbys und Platz eins der Zwischenrunde: Hat die Mannschaft denn auf der Rückfahrt von Kassel auf diesen Erfolg, auf das Erreichen des Etappenziels, angestoßen?

Matthias Baldys: Nein. Der eine oder andere hat sicher ein Bierchen getrunken, aber groß gefeiert wurde nicht. Dazu gibt’s auch noch keinen Grund. Wir haben lediglich ein Zwischenziel erreicht.

Ist denn das Siegen vielleicht schon zur Normalität geworden?

Baldys: Derby-Siege sind natürlich immer etwas Besonderes. Erfolge in anderen Spielen muss man aber auch immer relativieren. Wir haben oft gewonnen, haben aber unsere eigene Leistung kritisch gesehen und Verbesserungsbedarf erkannt. Das können wir schon richtig einordnen.

Dennoch hat die Mannschaft auch immer die erforderlichen »Pflichtsiege« eingefahren.

Baldys: Ja, mit Ausnahme des Heimspiels gegen Hamm im Oktober. Aber natürlich: Auch die vermeintlich leichten Spiele muss man erstmal in dieser Anzahl gewinnen. Das spricht sicher für uns.

Wo ordnen Sie die Endrunden-Gegner Rostock und Leipzig ein?

Baldys: Leipzig und Rostock sind sportlich sicher etwas schwächer als die West-Vereine einzuschätzen. Beide werden einen Top-Block haben, aber sind in der Tiefe wohl nicht so stark besetzt. Über eine Saison hinweg würden wir sicherlich vor den beiden Klubs stehen, aber in einer einzelnen Partie kann es - wie auch in einem Pokalspiel - immer mal zur einer Überraschung kommen. Diese Spiele sind deshalb auch keine Selbstläufer. Wir haben nur sechs Partien; und da bleibt nicht viel Zeit, einen solchen Ausrutscher wiedergutzumachen. Deshalb müssen wir konzentriert in die Spiele gehen. Leipzig beispielsweise hat doch nichts zu verlieren. Die haben mit Platz zwei mehr erreicht, als ihnen zugetraut wurde. Die jüngste Siegesserie hat dem Team sicherlich noch Selbstvertrauen und Auftrieb gegeben. Wir müssen von Anfang an hellwach sein.

Dreimal in Folge ist Bad Nauheim am späteten Aufsteiger gescheitert. Gerade die Serien gegen Rosenheim und Riessersee haben zuletzt bittere Erfahrungen gebracht. Viele Spieler stehen noch immer im Kader der Roten Teufel. Was kann man aus der Vergangenheit lernen?

Baldys: Wir sind auf jeden Fall schlauer geworden, dürfen nie mit dem Erreichten zufrieden sein. Gegen Rosenheim hatten wir das erste Spiel deutlich gewonnen, gegen Riessersee im letzten Drittel eine klare Führung verspielt. Abgerechnet wird erst am Ende. Wir müssen nicht irgendein Spiel gewinnen. Wir müssen das letzte Saisonspiel gewinnen, wenn wir unser Ziel erreichen wollen. Die letzten drei Jahre waren die beste Vorbereitung, die beste Lehrzeit, die wir für diese Saison haben konnten. Wir sind im Grunde genommen auf alles vorbereitet, wissen, worauf es auch in Spielen gegen die Bayern, wenn’s härter und körperbetoner wird, ankommt.

Sie starten in der Endrunde bei »Null« - zum dritten Mal schon in dieser Saison.

Baldys: Die neue Runde bringt auch neue Motivation. In den letzten zwei, drei Wochen, als die Qualifikation feststand, hat man das schon irgendwie gespürt. Das ist jetzt anders. Das kann man den Jungs in ihren Gesichtern ablesen. Da ist die Vorbereitung intensiver.

Und der Druck wächst.

Baldys: Das ist doch inzwischen ein vertrautes Gefühl. Druck hat man immer, wenn man hohe Ziele hat. Den hatten wir auch in der Zwischenrunde. Je größer der Erfolg, desto höher auch die Erwartungen.

Spüren Sie auch Ängste, erneut zu scheitern?

Baldys: Nein. Bei uns hat eigentlich niemand negative Gedanken.

Die Kaderzusammenstellung ließ im Sommer vermuten, die Roten Teufel wollen einen letzten Anlauf in Richtung Aufstieg unternehmen. Die Schlüsselspieler waren fast ausnahmslos gehalten worden, hinzu kamen Top-Spieler anderer Klubs. Glauben Sie, die Mannschaft könne im Falle des erneuten Scheiterns auseinanderfallen; gerade angsichts der zahlungskräftigeren hessischen Konkurrenz?

Baldys: Der Klub und das Umfeld sind gefestigt. Hier wird auch - wenn es mit dem Aufstieg nicht klappt - im nächsten Jahr erfolgreich gespielt werden. Bad Nauheim ist eine gute Adresse und für jeden Spieler eine gute Option. Wenn einer geht, wird er durch einen anderen guten Spieler ersetzt werden.

In Frankfurt ist ein völliger Kader-Umbau zu erwarten. Von außen betrachtet: Was ist da in diesem Jahr schief gelaufen?

Baldys: Vielleicht ist man etwas blauäugig in die Saison gegangen. Ich habe immer mal gehört, dass die Mannschaft sehr lange sehr wenig Druck bekommen habe. Die Löwen haben ordentliche Jungs im Kader, die Eishockey spielen können. Was aber fehlte, waren Spieler, die den Unterschied ausmachen. Dazu kamen Verletzungen, und letztlich haben auch die Resultate nie wirklich Ruhe reingebracht.

Bad Nauheim hat gleich alle acht hessischen Derbys gewonnen. Zufall oder verdientermaßen?

Baldys: Sicher war’s in dem einen oder anderen Spiel auch mal eng. Ich denke, das war zum einen aber der verdiente Lohn und zum anderen auch ein bisschen Glück, das wir uns erarbeitet haben. Die Siege kamen ja nicht aus dem Nichts.

Wer ist denn nun die Nummer eins der Oberliga?

Baldys: Ich denke, die vier West-Klubs werden sich in der Endrunde durchsetzen. Und dann wird man sehen. Peiting wird ähnlich stark sein wie im Vorjahr. Stabil, defensiv kompakt, diszipliniert. Selb kennen wir aus dem Pokal. Die sind offensivstark mit Spielern wie Piwowarczyk, Hördler oder Mudryk, dafür in der Tiefe wohl nicht so gut besetzt. Bad Tölz ist sehr stark einzuschätzen. Da ist alles möglich.

Wie sehen Sie im Aufstiegsfall Ihre eigene Zukunft?

Baldys: Erstmal müssen wir aufsteigen, dann wird man weitersehen. Die 2. Bundesliga wäre noch mal eine ganz neue Herausforderung. In den Pokalspielen haben wir ja einige Eindrücke gewinnen können, was uns im nächsten Jahr erwarten könnte. Mit einer intensiven Vorbereitung würde ich mir zutrauen, eine gewisse Rolle im Team zu übernehmen.

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