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Rote Teufel verpflichten Joel Johansson

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Der Schwede Joel Johansson hat einen Vertrag beim EC Bad Nauheim unterschrieben. (Foto: photo-andersen.dk)
Der Schwede Joel Johansson hat einen Vertrag beim EC Bad Nauheim unterschrieben. (Foto: photo-andersen.dk) © Red

(mn) Joel Johansson. 24 Jahre alt. 1,87 Meter groß. 91 Kilogramm schwer. Der junge Schwede ist der neue Kopf der Abwehr beim EC Bad Nauheim. Am Sonntag wurde der Linksschütze vom Eishockey-Zweitligisten als dritter Kontingentspieler vorgestellt.

»Die Vorfreude ist riesengroß. Ich hoffe für Fans und Verantwortlichen, dass wir eine gute Saison spielen und die Playoffs erreichen«, sagt der Blondschopf, den die WZ-Sportredaktion zum Mittsommerfest in seinem Haus in der südschwedischen Kleinstadt Båstad (rund 5000 Einwohner) erreichte. Johansson, in Ljungby geboren, spielte im Vorjahr für Rungsted Ishockey in der Superisligaen, der höchsten Spielklasse Dänemarks.

»Er ist läuferisch stark, sehr gut im Powerplay, bringt den Schuss aufs Tor und will sich für höhere Aufgaben emfehlen«, sagt RT-Trainer Petri Kujala, während Geschäftsführer Andreas Ortwein die skandinavische Schule anspricht. »Joel wurde in Schweden kompakt ausgebildet, ist technisch hochbegabt und wurde uns von denjenigen, die mit ihm zusammengearbeitet haben, als charakterlich einwandfrei beschrieben.«

Von einem klassischen Offensiv-Verteidiger sprechen die beiden RT-Funktionäre. Neun Treffer erzielte er in den 39 Spielen der vergangenen Saison, konnte 31 weitere Tore vorbereiten, bei nur 20 Strafminuten. In der regulären Saison war Johansson viertbester Scorer seiner Mannschaft, in den Playoffs, in denen allerdings nach sechs Erstrunden-Spielen Schluss war, zweitbester Punktesammler. Die Plus-Minus-Statistik weist einen Wert von plus 18 aus.

»Mein Ziel ist die DEL. Und ich denke, die DEL2 ist eine gute Option, mich zu empfehlen«, sagt Johansson im WZ-Gespräch. Mit Ex-Teufel Marcus Götz (künftig Landshut) hatte er über die Offerte und einen Wechsel nach Deutschland gesprochen, ebenso mit Justin Kelly, einem ehemaligem Teamkollegen, den unter anderem auch Petri Kujala coachte (in Ravensburg). Bei Troja-Lungby, dem Heimatklub von Johansson, gilt Kelly nach nur einem Winter noch immer als »The King«. »Er ist ein toller Typ und hat mich in meiner Entscheidung bestärkt.«

Mit Ausnahme der letzten Saison in Rungstedt sowie einem Zwölf-Partien-Gastspiel für Örebro und Kumla in der zweiten und dritten Liga lief Johansson ausschließlich für seinen Heimatverein in der zweiten schwedischen Liga auf. Stattliche 28 Punkte sammelte er in seiner ersten vollen Profi-Saison (2010/11), sieben, zehn und sechs Zähler in den Folgejahren, ehe der Weg über die Landesgrenze nach Dänemark führte, als in Schweden die Kontingentspielerzahl nicht mehr reglementiert wurde. »In Schweden wird taktisch disziplinierter gespielt, die Fehlerquote gering gehalten. In Dänemark ähnelt das eher Wildwest-Hockey«, zieht er einen Vergleich. Vor Johansson hatte mit Corey Quirk ein anderer Cracks aus der dänischen Liga in der DEL2 unterschrieben. Und Quirk, ein Ex-Rosenheimer, der bei Meister Sonderjysk spielte, gilt in Landshut als großer Hoffnungsträger.

Johansson, dessen Lebensgefährtin in Schweden studiert, wird alleine nach Bad Nauheim kommen. Einen Golfplatz habe er per Internet unmittelbar am Stadion entdeckt, erzählt der Hobby-Golfer, der im Sommer seine Freizeit zu schätzen weiß. »Freunde und Familie« beschreibt er seine Sommer-Aktivitäten - »und Training, denn ich will topvorbereitet nach Bad Nauheim kommen.«

Man wolle auf der Ausländerposition auch mal einem jungen Spieler die Chance geben, sagt Geschäftsführer Ortwein, der vom Interesse eines norwegischen Klubs aus der Champions Hockey League an dem Schweden berichtet. »Er ist ein klassischer Offensiv-Verteidiger. Und dafür haben wir ihn auch geholt.«

Petri Kujala, der gerade vom Urlaub von Sankt Peter Ording zurückgekehrt ist, zeigt sich mit seiner Abwehr »zufrieden«. Argumente angesichts des jungen Durchschnittsalters lässt der RT-Coach nicht gelten. »Im letzten Jahr war die Verteidigung älter. War sie dadurch besser? Die Spieler müssen sich jetzt natürlich auch zusammenreißen und Leistung bringen. Wir haben keinen dabei, den wir einfach mal aufs Eis stellen können und sagen: Der macht das jetzt schon«.

Auch Bedenken, die Verantwortung, als einziger Kontingentspieler die Defensive zu führen, einem jungen Spieler aus der dänischen Liga anzuvertrauen, wischt er vom Tisch. »Warum«, fragt er, »wird einem Spieler, der drittklassig in Nordamerika spielt, grundsätzlich Vertrauen entgegen gebracht, während Skandinavier oft mit Skepsis begrüßt werden?« Als Finne hatte Kujala diese Erfahrung während seiner aktiven Zeit oft selbst machen müssen.

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