Rote Teufel stürmen vor großer Kulisse an die Spitze

EC Bad Nauheim landet beim 4:2 in Frankfurt den sechsten Derby-Sieg und übernimmt die Tabellenführung in der Zwischenrunde der Eishockey-Oberliga.

Dylan Stanley vergewisserte sich erst noch, ob der Puck auch wirklich hinter der Linie war. Dann riss der Stürmer des Eishockey-Oberligisten EC Bad Nauheim die Arme in die Höhe und jubelte über seinen Treffer zum 2:1 in der Eissporthalle gegen die Löwen Frankfurt. Nach dem Abklatschen mit den Teamkameraden fuhr der Kanadier auf die andere Seite und animierte die eigenen Fans, den Geräuschpegel noch etwas zu erhöhen. Die Roten Teufel waren erstmals in dieser Partie in Führung gegangen und ließen sich danach nicht mehr aufhalten. 4:2 (1:1, 2:0, 1:1) gewann die Mannschaft von Fred Carroll nach 60 insgesamt durchschnittlichen Eishockey-Minuten und feierten damit den sechsten Sieg im sechsten Derby der Saison. Während der EC am Wochenende durch die Erfolge gegen Hamm (10:1) und in Frankfurt voll punktete und nun Spitzenreiter ist, gingen die Frankfurter nach dem blamablen 2:3 in Unna am Freitag leer aus und müssen um den Einzug in die Endrunde bangen.

Das erste Drittel war geprägt von vielen Emotionen und Strafzeiten, wobei die Schiedsrichter Lenhart/Seckler keine Linie hatten und auf beiden Seiten fragwürdige Entscheidungen fällten. Bad Nauheim war schon früh nur mit drei Mann auf dem Eis, weil sich Gare und Schwab in Überzahl gleichzeitig Strafen abholten. Als die Löwen wieder komplett waren, dauerte es nur eine knappe halbe Minute – 1:0 durch Ex-Teufel Alexander Althenn, der in zentraler Position nur den Schläger in den Schuss von Fairbarn halten musste.

In der Folge war die Partie zerfahren durch die vielen Strafzeiten – 14 Minuten auf beiden Seiten, davon zehn für Seyller und Cardona nach einer Keilerei. Die Roten Teufel tauchten allerdings erst nach einer Viertelstunde richtig gefährlich vor dem Kasten von Boris Ackers auf, und nur zwei Minuten später nutzte Kevin Lavallee in einer doppelten Überzahl viel Platz am langen Pfosten und staubte zum 1:1 gegen den schon geschlagenen Ackers ab. Im zweiten Drittel übernahmen die bis dato sehr defensiven Bad Nauheimer mehr und mehr die Initiative. Strafzeiten gab es nun seltener, so dass die Roten Teufel im Fünf-gegen-Fünf ihre Stärken ausspielten. Lohn der engagierteren Vorstellung war der Doppelschlag binnen 134 Sekunden, als Dylan Stanley wie erwähnt und Tobias Schwab aus dem Gleichstand eine 3:1-Führung für die Gäste markierten.

Schwab überraschte dabei direkt nach dem Bully Boris Ackers, der kaum eine Reaktion bei dem Schwab-Schuss aus sieben Metern zeigte.

Die Entscheidung fiel 63 Sekunden nach Beginn des Schlussabschnitts, als Michel Maaßen eine tolle Vorlage von Lavallee zum Bad Nauheimer 4:1 nutzte. Lavallee war zuvor eine gefühlte Minute durch die Offensivzone gekurvt, hatte zwischenzeitlich sogar den Puck verloren – hatte aber dann doch die Übersicht für den besser postierten Mann. Bei den Frankfurtern ließen nun die Kräfte nach – kein Wunder, denn Trainer Clayton Beddoes gab fast nur den Topleuten Eiszeit und ließ zwei von sieben Verteidigern (Ansink, Rademacher) komplett auf der Bank schmoren. Die bis auf Wex kompletten Roten Teufel (Striepeke und May schmorten) verwalteten das Ergebnis, wären aber beinahe noch in Bedrängnis gekommen. Robert Mayr verkürzte auf 2:4, 40 Sekunden später hätte ein Penalty noch für Spannung sorgen können. Doch Star-Verteidiger Ryan Fairbarn scheiterte an Keller. "Wir haben clever gespielt und nicht unverdient gewonnen", bilanzierte Fred Carroll, sein Gegenüber Clayton Beddoes meinte: "Im ersten Drittel waren wir gut, dann haben wir nachgelassen."

Löwen Frankfurt: Ackers – Fairbarn, Kunce, Kasten, Sevo, Schenkel, Ansink, Rademacher – Barta, Mayr, Althenn, Seyller, Bauscher, Breiter, Thau, Hensel, Schweiger, Schwarzer.

EC Bad Nauheim: Keller – Pöpel, Franz, Mangold, Baum, Ketter, Kohl – Gare, Stanley, Schwab, Maaßen, Lavallee, Kujala, Baldys, Weibler, Cardona, Striepeke, May.

Tore: 1:0 (4.) Althenn (Fairbarn, Schenkel – 5-3), 1:1 (17.) Lavallee (Stanley, Gare 5-3), 1:2 (32.) Stanley (Lavallee – 5-4), 1:3 (34.) Schwab (Gare, Baum), 1:4 (42.) Maaßen (Lavallee), 2:4 (58.) Mayr (Kasten, Schweiger).

Strafen: Frankfurt 20, Bad Nauheim 20. – Zuschauer : 6393. Michael Wiener

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