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Rote Teufel starten in Leipzig

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(mn) Provokationen, Emotionen, Schuldzuweisungen: Der Zwischenrunden-Abschluss des EC Bad Nauheim in Kassel - sportlich als Derby brisant, rein tabellarisch aber belanglos - vermittelte am Sonntagabend Playoff-Atmosphäre; weniger auf als vielmehr außerhalb der Eisfläche.

Die Spieler der Roten Teufel - einige hatten nach dem achten Sieg im achten Hessen-Derby demonstrativ das »Die Nummer eins im Land sind wir«-Shirt übergestreift - wurden auf dem Weg zur Ehrenrunde von Huskies-Anhängern beworfen, verbal und teils gar körperlich attackiert, Wolfgang Kurz, der Alleingesellschafter wurde bespuckt. Ein Handgemenge, Kurz selbst hatte den »Spucker« aus der Menge ziehen wollen, folgte. Polizeikräfte mussten den Sicherheitsdienst unterstützen und später auch Gäste-Fans zum Bus begleiten. Strafanzeige wolle Kurz erstatten. Zeitgleich wurde ein elfjähriger Junge zu einem Krankenwagen getragen. Im Tumult hatte sich das Kind verletzt, zum Trost gab’s von RT-Stürmer Manuel Weibler einen alten Schläger. In der anschließenden Pressekonferenz musste Trainer Fred Carroll seine Ausführung schon nach wenigen Sätzen beenden. Fans im VIP-Raum warfen dem Gäste-Team vor, gezielt zwei Leistungsträger vor dem Endrunden-Auftakt »kaputt gefahren« zu haben.

»Nein«, sagte Fred Carroll am Montagmorgen, das habe er in seiner nun rund zehnjährigen Trainer-Karriere so noch nicht erlebt. Doch kaum hatte Pressesprecher Alexander Wessels Respekt von den VIP-Karteninhabern gegenüber dem Gäste-Coach eingefordert und von Huskies-Trainer Jamie Bartman Zustimmung erhalten, da trat Stefan Traut, der Geschäftsführer der Gastgeber, ans Mikrofon. Die Niederlage müsse man anerkennen, und die Ausfälle zwei Leistungsträger seien schmerzlich, sagte er. Aber noch immer - eine halbe Stunde nach Spielende - sei die Polizei »gut beschäftigt«, liege ein Kind im Krankenwagen (das Kind war gegen eine Wand gedrückt worden und ist inzwischen wieder wohlauf; Anm. der Red.). »Das Anheizen der Atmosphäre durch den Gegner ist unprofessionell«, verurteilte Traut die jubelnden Gesten der RT-Spieler in Richtung Huskies-Fanblock. »Nauheim, seid Ihr denn irre?«, titelte der »Extra-Tip«, eine nordhessische Tageszeitung wenig später in ihrer Online-Ausgabe. Von Randalen und »einem aus der Eishalle geschmissenem Teufel-Gesellschafter« war zu lesen.

Auslöser der Aggressionen war ein Check, den Carroll - von Bartman unwidersprochen - als »hart, aber fair«, bezeichnete. Huskies-Stürmer Marek Vorel war beim ungeahndeten Zusammenprall mit Daniel Ketter, einem klassischen »open-ice-check« das Schultereckgelenk gesprengt worden. »Daniel hat seinen Check gefahren. Der Stürmer hatte aber seinen Kopf unten«, sagt Carroll, und auch der Sportliche Leiter der Huskies, Daniel Lammel, sprach am Montag - frei von Emotionen - von »einem einwandfreien Check«. Die folgende Konfusion nutzte Bad Nauheim zu zwei Treffern binnen 15 Sekunden, bevor ein unglücklicher Sturz von Sven Valenti die Saison für den Nummer-eins-Verteidiger der Nordhessen wohl beendet hat (Verdacht auf Kreuzbandriss). »Er hatte seinen eigenen Schläger zwischen den Beinen. Wir haben uns gedreht, dabei ist er hängengeblieben«, sagt RT-Stürmer Kevin Lavallee, der mit Valenti in den Zweikampf an der Bande gegangen war. »Man hat die Depression in den Gesichtern unserer Spieler gesehen. Aber da müssen wir jetzt durch«, sagte Jamie Bartman, dessen Mannschaft im 17.

Heimspiel der Saison erstmals überhaupt ohne einen Punktgewinn geblieben war. »Bad Nauheim hat ein Top-Team und steht nicht umsonst ganz vorne«, lobte der Kanadier, einst selbst als eisenharter Verteidiger bekannt. Carroll war unterdessen »sehr zufrieden« mit dem Spiel seiner Mannschaft. »Wir wollten das Tempo rausnehmen. Das ist ganz gut gelungen. Zudem haben wir die Chancen eiskalt genutzt«, zog der RT-Coach ein knappes Resümee.

Am Freitag (20 Uhr) beginnt die Endrunde - für die Roten Teufel mit einem Auswärtsspiel in Leipzig, zwei Tage später kommt Vorrunden-Meister Dortmund nach Bad Nauheim (Sonntag, 19 Uhr). »Der Mannschaft muss der Playoff-Charakter dieser Runde bewusst sein. Da müssen wir unsere Favoritenstellung auch ausspielen«, sagt RT-Geschäftsführer Andreas Ortwein. Die Ice Fighters Leipzig hatten nur eines ihrer letzten acht Spiele verloren und die Black Dragons Erfurt auf der Zielgeraden der Oberligist Ost noch von Rang zwei verdrängt. »Mannix« Wolf hatte Anfang Januar Sven Gösch als Coach abgelöst und mit dem Team um den 43-jährigen Jedrzej Kasperczyk zum Höhenflug angesetzt.

Bei den Roten Teufeln wird mit der Rückkehr von Top-Scorer Dylan Stanley gerechnet, der in Kassel von der Mannschaftsbank aus das Spiel verfolgte. Zudem wird der EC Bad Nauheim - quasi für den Fall der personellen Notfälle - Marcel Santi, Tobias Etzel und Hendrik Horak aus dem Junioren-Team auf die Kaderliste für die Endrunde setzen.

Der Spielplan der Gruppe A

Freitag, 24. Februar: Leipzig - Bad Nauheim, Dortmund - Rostock (beide 20 Uhr).

Sonntag, 26. Februar: Rostock - Leipzig, Bad Nauheim - Dortmund (beide 19 Uhr).

Freitag, 2. März : Bad Nauheim - Rostock (19.30 Uhr), Leipzig - Dortmund (20 Uhr).

Sonntag, 4. März: Dortmund - Leipzig, Rostock - Bad Nauheim (beide 19 Uhr).

Freitag, 9. März: Bad Nauheim - Leipzig (19.30 Uhr), Rostock - Dortmund (20 Uhr).

Sonntag, 11. März: Leipzig - Rostock (18 Uhr), Dortmund - Bad Nauheim (19 Uhr).

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