Rote Teufel siegen nach Drei-Tore-Rückstand

(mn/sth) Die Roten Teufel kämpften mit dem Vorrunden-Meister der West-Gruppe, mit dem EHC Dortmund, dem bislang stärksten Gast im Colonel-Knight-Stadion. Sie haderten zudem mit den Entscheidungen von Referee Sascha Westrich und 40 Minuten lang mit ihrer eigenen Leistung.

Sie lagen vor 1823 Zuschauern (im Grunde chancen- und aussichtslos) mit 1:4 im Rückstand; mit einem furiosen Schlussdrittel aber verwandelte der EC Bad Nauheim das Stadion in ein Tollhaus, führt nach einem nicht mehr für möglich gehaltenen 6:4 (1:2, 0:1, 5:1)-Erfolg nun die Zwischenrunde der Eishockey-Oberliga mit drei Zählern Vorsprung an und liegt auf Endrunden-Kurs.

"Das Spiel hinterlässt Spuren. Wir haben 40 Minuten lang tolles Hockey gespielt und hätten mit 7:1 oder 8:1 führen können. Im letzten Drittel haben wir Fehler gemacht, die man sich gegen Bad Nauheim nun mal nicht erlauben darf", war EHC-Trainer Frank Gentges verärgert angesichts des verschenkten Sieges. Markus Keller - wieder einmal der Torwart der Roten Teufel - hatte sein Team, das überhaupt keinen Zugriff auf die Partie gefunden hatte, im Spiel gehalten. Gewohnt lauffreudig übten die Westfalen - ohne Frank Petrozza, dafür mit Verteidiger Manuel Neumann als neuntem Stürmer - Druck auf die RT-Defensive auf, die ungewohnt selten einen Aufbaupass in der erhofften Art und Weise an den Mann brachte.

Nach vorne lief bei den Roten Teufeln, die erneut auf Kevin Lavallee (Unwohlsein) und Pierre Wex (Meniskus-OP) verzichten mussten, zwei Drittel lang im Grunde genommen gar nichts, defensiv verhinderte Keller ein durchaus mögliches Debakel. Ins Bild passte da der Treffer zum 1:2-Rückstand durch Stephan Kreuzmann. Während einer ohnehin umstrittenen RT-Hinausstellung traf der EHC-Kapitän eine Sekunde (!) vor der ersten Pause. Zuvor hatte Nils Liesegang vorgelegt (13.), Michel Maaßen war der Ausgleich gelungen (15.).

Bad Nauheim fand aber auch während der zweiten 20 Minuten nicht in den Rhythmus. Fred Carroll versuchte, durch personelle Rochaden die Blockade zu lösen, um auch die zweitbeste Defensive der Liga knacken zu können. Dortmund wirkte zu diesem Zeitpunkt aber spritziger, schien Passwege zu erahnen und kam durch Christian Kretschmann zum 1:3 (23.). Glück für Bad Nauheim: Thomas Richter vergab einen Penalty (28.).

Als Manuel Neumann zu Beginn des Schlussabschnitts zum 1:4 traf, schienen die Punkte verteilt. Dortmund war auch ohne die vieldiskutierte Hilfestellung des Unparteiischen klar besser. In der 43. Minute löste Tobias Schwab dann den Knoten und eröffnete eine Schlussviertelstunde, von der noch lange gesprochen werden wird. Wie aus dem Nichts legte Dylan Stanley nach (45.). Dortmund nahm eine Auszeit, doch Janne Kujala traf mit dem folgenden Angriff zum Ausgleich (46.). Die Hausherren hatten Oberwasser - stehende Ovationen begleiteten nun die Gastgeber in ihrem Spielrausch. Lanny Gare staubte zur erstmaligen Führung ab (56.), und schließlich sorgte der Kapitän auch mit einem Schuss ins leere Tor für die Erlösung. Unmittelbar zuvor hatte Keller noch spektakulär den möglichen Ausgleich (gegen Branislav Pohanka) verhindern können. "Fünf Tore schießt man im Schlussdrittel nicht alle Tage. Schon gar nicht gegen eine Mannschaft wie Dortmund", freute sich Fred Carroll, wusste aber auch: "Die ersten 40 Minuten waren sehr lehrreich".

EC Bad Nauheim: Keller - Mangold, Baum, Ketter, Kohl, Pöpel, Franz - Schwab, Gare, Weibler, Maaßen, Stanley, Kujala, Striepeke, Baldys, Cardona.

EHC Dortmund: Finkenrath - Clusen, Eickmann, Kirschbauer, Kreuzmann, Orendorz, Kastner, Ortwein - Richter, Neumann, Schlicht, Michl, Pohanka, Schmerda, Liesegang, Martens, Kretschmann.

Tore: 0:1 (13.) Liesegang (Orendorz, Martens - 5-3), 1:1 (15.) Maaßen (Stanley), 1:2 (20.) Kreuzmann (4-3), 1:3 (23.) Kretschmann (Liesegang, Richter), 1:4 (41.) Neumann (Martens), 2:4 (43.) Schwab (Gare, Stanley), 3:4 (45.) Stanley (Cardona, Gare), 4:4 (46.) Kujala (Baldys, Kohl), 5:4 (56.) Gare (Stanley, Schwab), 6:4 (60.) Gare (Stanley - 5-6). - Strafminuten: Bad Nauheim 12, Dortmund 8. - Zuschauer : 1823.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare