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Rote Teufel mit Heimrecht im Viertelfinale

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(mn) Frank Carnevale blickte nach der Schlusssirene aus der Kabinentür. »Sieh Dir das an! Das sagt mehr als 1000 Worte«, meinte der Trainer des Eishockey-Oberligisten EC Bad Nauheim und zeigte in Richtung Eisfläche, wo seine Mannschaft im proppenvollen Colonel-Knight-Stadion lautstark gefeiert wurde (»Wir sind stolz auf unser Team«).

Vor 4126 Zuschauern hatten die Roten Teufel gegen die Löwen Frankfurt im Endspiel um Rang eins in der Endrunden-Gruppe B mit Playoff-Intensität Vorfreude auf die anstehende Viertelfinale-Serie geweckt und obendrein mit einem von der ersten Minute an begeisternden Auftritt das Heimrecht für Spiel eins am kommenden Freitag erkämpft (Gegner ist Klostersee oder Freiburg). Daniel Oppolzer (14.) und Patrick Strauch (33.) trafen bei einem Gegentor durch Patrick Schmid (33.) zum 2:1 (1:0, 1:1, 0:0)-Erfolg gegen den Deutschen Meister von 2004, der sich im 42. Meisterschaftsspiel der Oberliga-Saison 2012/13 zum ersten Mal überhaupt nach regulärer Spielzeit geschlagen geben musste.

»Defensiv war das heute überragend. Die Jungs haben kompakt gestanden und Frankfurt damit das Tempo aus dem Spiel genommen«, nannte Thomas Ower das Erfolgsrezept und hatte mit einer bärenstarken Leistung zwischen den Pfosten einen großen Anteil am Drei-Punkte-Derby-Erfolg; dem ersten im zehnten Hessen-Derby der Saison. »Wir wollten Rang eins, und deshalb wollten wir uns diese Chance nicht nehmen lassen«, ergänzte Oppolzer. Geschäftsführer Wolfgang Kurz wollte in dieser Partie gar Richtungsweisendes erkennen. »Es tut gut zu wissen, solch große Spiele gewinnen zu können.«

Die Wetterauer waren gegenüber dem ersten Duell am Freitag (0:4 in Frankfurt) nicht wiederzuerkennen und konnten den Löwen diesmal wie erhofft ihr körperbetontes Spiel aufzwingen. Bereits in den ersten zehn Minuten entfachten die Roten Teufel auf diese Weise mehr Druck als in den ersten beiden Dritteln der Partie 48 Stunden zuvor. Eine doppelte Überzahl spielte den Gastgebern anschließend in die Karten, wobei Carnevale früh seine Auszeit nahm, um der Powerplay-Formation eine Verschnaufmöglichkeit zu geben. Den Abpraller nach einem Brad-Miller-Schuss legte Patrick Strauch quer zu Daniel Oppolzer, und der RT-Stürmer schob zur Führung ein. Unmittelbar im Anschluss stand Bad Nauheim wieder mit zwei Spielern mehr auf dem Eis - diesmal ohne Torerfolg. Tom Fiedler bot sich die beste Löwen-Chance der ersten 20 Minuten, doch er scheiterte ebenso wie Branislav Pohanka, der - wie am Freitag - unmittelbar nach dem ersten Seitenwechsel frei vor Ower aufgetaucht war. Verbissen wurde jeder Zentimeter Eis beackert, und erst als die Gäste mit zwei Mann mehr auf dem Eis gestanden haben, konnte Schmid die Scheibe im RT-Gehäuse unterbringen.

Die Antwort der Gastgeber folgte nur elf Sekunden später. Harry Lange luchste in Unterzahl seinem Gegenspieler die Scheibe ab, Patrick Strauch hielt drauf, und der Puck zappelte in den Maschen - 2:1.

Fortan begann der Kampf gegen die Uhr. Gleich drei Hinausstellungen der Kategorie »überflüssig« handelten sich die Badestädter ein und mussten immer wieder an ihre Grenzen gehen. Würden die Kräfte - und die Konzentration - bis zur Schlusssirene halten? Bad Nauheim verteidigte mit großem Herz, mit enormer Leidenschaft, mit dem eigenen Anhang als sechstem Mann (»Ein Leben lang - rot und weiß ein Leben lang«) und brachte die Führung über die Zeit.

»Fantastisch«, schwärmte Carnevale während der anschließenden Pressekonferenz gleichermaßen von der Partie wie von der Unterstützung der Fans (»Bad Nauheim ist eben eine ganz besondere Eishockey-Stadt«), während sein Trainer-Kollege Martin Jiranek mit dem individuellen Fehler vor dem zweiten Gegentor haderte. »Im ersten Abschnitt waren wir überhaupt nicht im Spiel. Im zweiten Drittel ist’s deutlich besser geworden, und letztlich hatten wir unsere Chance auf den Ausgleich - diese aber nicht genutzt.«

EC Bad Nauheim : Ower - Pöpel, Pietsch, Miller, Ketter, Schreiber, Baum - Anderson, May, Schlicht, Maaßen, Lange, Strauch, Huhn, Stanley, Oppolzer, Striepeke, Baldys, Wex.

Löwen Frankfurt : Kovacic - Neumann, Kreuzmann, Schoof, Schenkel, Baumgartner, Bär - Rumpel, Pohanka, Schmid, Martens, Mayr, Schmerda, Breiter, Gare, Fiedler, Domogalla, Ziolkowski, Koziol.

Tore : 1:0 (14.) Oppolzer (Strauch, Miller - 5-3), 1:1 (33.) Baumgartner (Schmid, Pohanka - 5-3), 2:1 (33.) Strauch (Lange (4-5). - Strafminuten : Bad Nauheim 14, Frankfurt 8. - Zuschauer : 4126.

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