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Rote Teufel feiern einen 15-Sekunden-Sieg

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Bad Nauheim feiert – Kassel steht unter Schock. Die Roten Teufel gewannen zum Abschluss der Zwischenrunde der Eishockey-Oberliga West bei den Huskies mit 3:2 (1:1, 2:1, 0:0) und konnten damit auch das achte und vorerst letzte Hessen-Derby der Saison siegreich gestalten.

Vor 5637 Zuschauern in der Eissporthalle am Auepark drehten die Wetterauer per Doppelschlag binnen 15 Sekunden einen 1:2-Rückstand zum Endstand (29./30.). Die Huskies beklagen hingegen die Verletzungen von Sven Valenti (Verdacht auf Kreuzbandriss) und Marek Vorel (Verdacht auf Schultereckgelenksprengung).

Mit diesem Sieg hat Bad Nauheim die Zwischenrunde als Spitzenreiter beendet und trifft ab Freitag in der Endrunde auf Dortmund (West), Rostock (Nord) und Leipzig (Ost).

Dylan Stanley, der am Freitag während des ersten Abschnitts mit Knöchelproblemen in die Kabine marschiert war, fehlte am Sonntag ebenso wie Marius Pöpel, Pierre Wex und Tim May. Bei Stanley handele es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme, wie RT-Geschäftsführer Andreas Ortwein beteuerte. Eine Röntgenaufnahme habe am Samstag den Verdacht, zwei Schrauben am operierten Knochen des Kanadiers könnten sich gelöst haben, nicht bestätigt. Von Druck- und Wundschmerz war stattdessen gestern die Rede. Zum Endrunden-Auftakt könne Stanley womöglich wieder auflaufen.

RT-Trainer Fred Carroll agierte also mit fünf Verteidigern und neun Stürmern – und die Gäste mussten aufgrund von zwei frühzeitigen Hinausstellungen (13 Sekunden sogar in doppelter Unterzahl) von Beginn an hellwach sein. Pech für die Roten Teufel: Torwart Markus Keller konnte einen Schlagschuss von Manuel Klinge nur ins eigene Tor ablenken (6.). Die Antwort folgte allerdings prompt: Einem Schlenzer von Christian Franz konnte Jannik Striepeke die entscheidende Richtungsänderung geben – nur zwei Minuten später hatte Bad Nauheim ausgeglichen (8.). Die rund 300 mitgereisten RT-Fans konnten mit der Leistung ihrer Mannschaft durchaus zufrieden sein. Kassel konnte als Heimteam zwar die erwarteten leichten optischen Vorteile für sich beanspruchen, die beste Möglichkeiten vor der ersten Pause vergab allerdings Manuel Weibler, der alleine vor Huskies-Keeer Martin Fous aufgetaucht war, aber an dessen Schonern scheiterte (20.).

Im zweiten Abschnitt gaben zunächst die Gastgeber klar den Ton an. Insbesondere nach dem Führungstreffer, den Manuel Klinge mit einem verdeckten Schuss erzielt hatte (24.), spielte sich das Geschehen mehr und mehr im Spieldrittel der Gäste ab. Erst ein wuchtiger Check von RT-Verteidiger Daniel Ketter gegen Marek Vorel in Höhe der Mittellinie (29.) wirkte schließlich als Weckruf und brachte Emotionen in eine Partie, die für die kommenden Wochen ohne sportliche Bedeutung sein sollte. Vorel, der Tscheche im Huskies-Trikot, wurde benommen vom Eis geführt. Der Beginn einer tragischen Viertelstunde für die Hausherren. Zunächst traf Michel Maaßen – wie in bislang jedem Spiel gegen die Nordhessen – mit dem ersten echten RT-Torschuss in diesem Abschnitt, und nur 15 Sekunden später hatte Bad Nauheim nach einem Drei-gegen-eins-Konter und kaltschnäuzigem Abschluss durch Kevin Lavallee das Spiel gedreht (30.). Für Kassel sollte es aber noch schlimmer kommen. Sven Valenti, der Nummer-eins-Verteidiger der Gastgeber, verletzte sich in einem Allerwelts-Zweikampf mit Lavallee am Knie und musste mit der Trage vom Eis gebracht werden. Die Halle tobte, die Huskies standen merklich unter Schock – und die Roten Teufel behielten ihrerseits einen kühlen Kopf.

Der zu erwartende Sturmlauf der psychisch merklich angeknockten Huskies blieb im letzten Abschnitt aus. Bad Nauheim verteidigte effektiv das eigene Drittel und ließ nur wenige klare Torchancen der Gastgeber zu. Die beste Möglichkeit vergab Petr Sikora. Der Huskies-Stürmer war in Unterzahl von Schwab auf Kosten eines Penaltys gestoppt worden. Hier traf Sikora nur die Latte. In der Schlussminute nahm Kassel Torwart Fous vom Eis, der Tabellenführer aus der Wetterau brachte den Sieg aber über die Zeit.

Nach dem Spiel fühlten sich die Huskies-Fans von der Ehrenrunde der Roten Teufel provoziert. Im Kabinengang kam es zu Tumulten. Die Polizei musste den Ordnungsdienst unterstützen.

Kassel Huskies: Fous – Valenti, Grund, Reiß, Robitaille, Engel, Glusanok – Sikora, Manuel Klinge, Christ, Böhm, Alexander Heinrich, Vorel, Koziol, Kostryrev, Roedger, Berendt.

EC Bad Nauheim: Keller – Mangold, Baum, Ketter, Kohl, Franz – Weibler, Gare, Schwab, Maaßen, Lavallee, Kujala, Cardona, Baldys, Striepeke.

Tore: 1:0 (6.) Manuel Klinge (Christ, Sikora - 5-4), 1:1 (8.) Striepeke (Franz), 2:1 (24.) Manuel Klinge (Sikora), 2:2 (29.) Maaßen (Lavallee), 2:3 (30.) Lavallee (Maaßen).

Strafminuten: Kassel 4 plus zehn Minuten (Böhm), Bad Nauheim 10.

Zuschauer: 5637.

Michael Nickolaus

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