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Rote Teufel im Ausnahmezustand

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(mn) Ausnahmezustand bei den Roten Teufeln: Der Einzug in das Finale der Eishockey-Oberliga lässt Bad Nauheim Kopf stehen.

Am Montagnachmittag, zum Beginn des Vorverkaufs für das Heimspiel gegen die Kassel Huskies am Sonntag (18.30 Uhr), hatten sich lange Warteschlangen vor der Geschäftsstelle im Colonel-Knight-Stadion bis in den Kurpark gezogen, nachdem am Vorabend in Selb der größte Erfolg seit dem Zweitliga-Rückzug 2004 perfekt gemacht worden war. Vier Jahre nach der Endspiel-Teilnahme in der Nord-Gruppe der dritten Liga hat Frank Carnevale den EC Bad Nauheim nun in ein gesamtdeutsches Finale geführt.

»Diese Mannschaft kann Geschichte schreiben«, sagt der Trainer und erinnert an das legendäre Team 1998/99 (Final-Niederlage gegen Essen). »Namen wie Dino Felicetti und Marc West sind auch nach so vielen Jahren hier in Bad Nauheim noch immer populär. Die Mannschaft weiß, welche Chance sich hier bietet. Wer auf die Kader von Frankfurt und Kassel geschaut hatte, hat uns diesen Erfolg nicht zugetraut.« Die Serie mit den Nordhessen - die Wetterauer haben alle vier direkten Duelle verloren (zweimal nach Verlängerung) - beginnt am Freitag (19.30 Uhr) in der Eissporthalle am Auestadion.

Auf dem »harten Weg«

Den »harten Weg« habe man in der Vorschlussrunde gehen müssen, aber das lasse das Team auch näher zusammenrücken, sagt der italo-kanadische Übungsleiter, nachdem die Roten Teufel am Freitag den ersten Matchball überheblich abgeschenkt hatten (3:5) und zum dritten Mal binnen elf Tagen ins Oberfränkische fahren und in einem Hexenkessel bestehen mussten. »Wir müssen nur ein einziges Drittel gewinnen; so, wie wir schon so viele Drittel in dieser Saison gewonnen haben«, hatte Carnevale in der zweiten Pause - Bad Nauheim lag mit 1:2 zurück - den Spielern zu vermitteln versucht, als das Saison-Aus unmittelbar drohte. Mit einem Kraftakt konnten die Hessen die Niederlage abwenden. »Die Serie war härter als gedacht. Wir hatten mit dem Rücken zur Wand gestanden.« Von großer Bedeutung sei das Vertrauen und der Rückhalt von Alleingesellschafter Wolfgang Kurz gewesen, wollte Carnevale in seiner Analyse hervorgehoben wissen. »Ich freue mich für ihn. Er hat es uns im Januar, in einer schweren Zeit, ermöglicht, den Kader zu erweitern.

Das war in dieser Halbfinal-Serie ein entscheidender Faktor. Zudem konnten wir zweimal am Vortag anreisen und hatten auch im Schlussabschnitt noch lockere Beine«, sagt Carnevale. Mit Tim May (verletzt), Patrick Strauch (gesperrt) und später auch Michel Maaßen (Spieldauer-Disziplinarstrafe) hatten die Roten Teufel den Ausfall von gleich drei Stürmern kompensieren müssen und dennoch die nötigen Reserven, um das letzte Drittel im letzten Spiel der Serie zu gewinnen. »Wir wussten, dass wir das Ding noch drehen können. Die Kräfteverhältnisse hatten sich schon im zweiten Drittel abgezeichnet. Wir mussten eben nur mal eine Chance nutzen«, sagt Sven Schlicht, der den Führungstreffer für die Roten Teufel erzielen konnte - in seiner für ihn typischen Art und Weise, dank seiner Präsenz vor dem Tor.

In einer Spielertraube um Thomas Ower hatten sich schließlich am Sonntagabend die Emotionen gelöst. Von rund 200 RT-Fans ließ sich die Mannschaft feiern, ehe auch die Anhänger des VER Selb gemeinsam mit den Zuschauern aus Bad Nauheim friedlich zusammen kamen und gemeinsam eine gelungene Saison zelebrieren wollten. Der Mannschaftsbus steuerte auf der Rückreise den erstbesten Schnellimbiss an, ausgelassen war die Atmosphäre während der Rückreise. »Dieses Spiel hat kein Thomas Ower und kein Chris Stanley gewonnen. Die Mannschaft hat als Einheit funktioniert«, sagt der Trainer.

Sportlich für 2. Liga qualifiziert

Mit der Final-Teilnahme haben sich die Roten Teufel sportlich für die 2. Bundesliga qualifiziert - das sagt zumindest Alexander Jäger, der Geschäftsführer der ESBG, im Gespräch mit der WZ-Redaktion. Eine Kaution in Höhe von 50 000 Euro ist für eine Teilnahme am Spielbetrieb zu hinterlegen, sowie im Falle einer negativen wirtschaftlichen Bilanz die Hälfte des Verlusts. Dem entgegen stehen nach wie vor die Aussagen des Deutschen Eishockey-Bundes und des Landesverbands Nordrhein-Westfalen, die maximal einen Aufsteiger zulassen wollen.

Bedingung: Ein Kooperationsvertrag zwischen ESBG und DEB/LEV müsse existieren.

»Zunächst müssen wir die verschiedenen Verträge zwischen ESBG, DEL und LEV sichten und von unseren Anwälten juristisch beurteilen lassen, ehe wir hierzu eine Aussage treffen können«, äußerte sich Uwe Gericke, der Vorsitzende des Nachwuchsvereins, am Wochenende zu jener außersportlichen Thematik. Formlose Bewerbungen hat der Nachwuchsverein, der als Lizenznehmer für die Weichenstellung zur Saison 2013/14 verantwortlich ist, für die Oberliga wie auch für die 2. Bundesliga abgeben.

»Ich weiß noch nicht, wie«

In Kassel wurde auch das dritte Halbfinal-Heimspiel der Nordhessen in der Verlängerung entschieden - und zum dritten Mal gewannen die Huskies das Duell mit den Löwen Frankfurt. Ex-Teufel Boris Ackers im Tor der Mainstädter war die tragische Figur. Dem besten Spieler des Abends war in der vierten Minute der Verlängerung ein Schuss von Alexander Engel durchgerutscht. »Ich erwarte nun eine ebenso enge und umkämpfte Serie wie gegen Frankfurt.

Ein 8:1 wie in der Zwischenrunde wird es nicht mehr geben«, sagt der Matchwinner der Huskies, in deren Reihen Tobias Schwab nun gegen seinen Ex-Klub einen erneuten Anlauf in Richtung Titel nehmen wird. »Die Serie gegen Bad Nauheim wird über Kampf und Leidenschaft entschieden werden. Wir sind gut drauf«, sagt der Husky mit der Rückennummer 27. Mehr als 13 000 Eishockey-Fans hatten per Livestream die bewegten Bilder des fünften Spiels im Internet verfolgt. Sitzplatzkarten für den Finalauftakt gegen Bad Nauheim waren gestern schon nach wenigen Stunden ausverkauft.

Enttäuschung und große Ungewissheit prägen die Atmosphäre bei den Löwen Frankfurt. Zwei Neuzugänge hätten bereits ihre Unterschrift unter Verträge für die Saison 2013/14 gesetzt, berichtete Geschäftsführer Stefan Krämer, freilich ohne Namen zu nennen. Martin Jiranek, der Trainer, ausgeliehen vom EHC 80 Nürnberg, wird bei den Nürnberg Ice Tigers in der Deutschen Eishockey-Liga als Manager gehandelt. Allen voran beschäftigt am Ratsweg aber die künftige Ligenzugehörigkeit.

»Ich glaube schon, dass wir nächste Saison in der zweiten Liga spielen«, wird der Geschäftsführer in der Frankfurter Rundschau zitiert. »Ich weiß nur noch nicht, wie.«

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