SG Rodheim: Mit Verletztenmisere und ohne Druck Zweiter

"Wir hätten um die Meisterschaft mitspielen können, wenn wir nicht diese unglaubliche Verletztenmisere gehabt hätten", fasst Trainer Carsten Schmidt die Volleyball-Saison der SG Rodheim in der Regionalliga Südwest zusammen. Immerhin wurde es Rang zwei, und die Mannschaft ist in die neue Dritte Liga aufgestiegen.

Zwar hatten die Piraten am Ende zehn Punkte Rückstand auf Meister Mainz-Gonsenheim, doch das Potenzial sei definitiv vorhanden gewesen. Schwamm drüber, denn das Minimalziel haben die Rodheimer erreicht: die Qualifikation für die neue Dritte Liga. Dass dies letztlich sehr knapp war, interessierte am letzten Spieltag, nach dem 3:0 gegen Elgershausen, keinen mehr.Denn für die Sportgemeinschaft aus dem Rosbacher Stadtteil war die Saison eine gnadenlose Berg- und Talfahrt. Grandiose Siege wechselten sich mit enttäuschenden Niederlagen ab, sodass die Mannschaft von Trainer Carsten Schmidt bis zum letzten Spieltag um das Saisonziel zittern musste. Druck habe Schmidt keinen verspürt, auch wenn in der kritischen Phase eine Niederlage zu viel womöglich sehr teuer hätte werden können. Denn die sieben Teams zwischen Rang zwei und acht trennten zum Schluss nur sechs Punkte. Mit dem Saisonendspurt von drei Siegen (unter anderem das wichtige 3:2 gegen Waldgirmes) haben sich die Schmidt-Schützlinge letztlich sogar noch die Vizemeisterschaft gesichert, Rang vier war für die sichere Drittliga-Qualifikation nötig.

Die Liste der Verletzungen im SGR-Kader im Verlaufe der Saison war ellenlang und füllte sich schon in der Vorbereitung. "Wir hatten somit nicht die Möglichkeit, komplexe Spielsituationen im Training zu üben. Außerdem konnten wir nicht die Ausfälle von zwei, drei Leistungsträgern kompensieren. Da bringt auch die Floskel nichts, enger zusammenzurücken", erklärt Schmidt. Tim Wacker hatte sich zunächst die Hand gebrochen und später einen Bänderriss erlitten; Marcel Kopperschmidt fiel durch einen Fingerbruch zehn Wochen aus; Timo Streitenberger fehlte verletzungs- und/oder studienbedingt; Sascha Gornik trainierte zwar oft, fehlte aber bei vielen Partien in der Rückrunde aufgrund von beruflichen Verpflichtungen; und zwischenzeitlich war Zuspieler Hannes Gruppe drei Wochen krank. Gerade sein Ausfall schmerzte sehr, denn auf dieser Position haben die Rodheimer keinen adäquaten Ersatz für den früheren Zweitliga-Akteur. So half in der Partie gegen Bretzenheim im Januar Routinier Andreas Zander einmalig aus.

Bestbesetzung habe man nach Angaben von Schmidt demnach nur in vier Partien aufbieten können. "Davon waren drei Spiele gegen die späteren Absteiger, wo es nicht zwingend notwendig gewesen wäre". Gegen Meister Gonsenheim Ende Februar habe nur ein Spieler gefehlt – und schon gewannen die Piraten auswärts souverän mit 3:1 und fügten den Mainzern somit eine von nur zwei Niederlagen zu. "In Bestbesetzung wäre also viel mehr möglich gewesen, viele der sieben Niederlagen hätten wir nicht erlitten", ist sich Schmidt sicher, der nur auf Libero Robert Leuner und Diagonalangreifer Robert Stodtmeister in allen Partien zurückgreifen konnte. "Wir haben es aber dennoch immer wieder geschafft zurückzukommen und in dieser ausgeglichenen Liga noch den zweiten Platz gemacht", lobt der 39-Jährige, der 2009 die Rodheimer zur souveränen Regionalliga-Meisterschaft geführt hatte – aber aufgrund von mangelnder sportlicher Perspektive (Rodheim meldete nicht zur Aufstiegsrelegation) einen Abstecher zum damaligen Ligarivalen nach Bommersheim gemacht hatte.

Grundstein für den zweiten Platz waren neben der starken Siegquote in den fünften Sätzen (fünf von sieben) die individuelle Klasse von Akteuren wie den Ex-Zweitliga-Spielern Hannes Gruppe oder Tim Wacker, der herausragende Teamgeist und die Lockerheit – auch nach drei Niederlagen aus den ersten vier Spielen verspürte Schmidt keinen Druck und arbeitete ruhig weiter.

Eine gute Rolle im Erstmannschaftskader haben auch die beiden Youngster Philippe Linsenbold und Tim Breitenfelder gespielt. "Philippe hat einen überragenden Block. Er hat sehr viel Potenzial und war als 18-Jähriger in dieser Saison schon zu 80 Prozent Stammspieler", lobt Schmidt den vor zwei Jahren aus Butzbach gekommenen Mittelblocker. Und Breitenfelder? "Tim war zu Saisonbeginn erst 17 Jahre alt. Er hat ein Doppelspielrecht für die zweite Mannschaft gehabt und dort viel gespielt. Er braucht noch ein bisschen Zeit", erklärt Schmidt. Man habe aber beide Youngster auch in Drucksituationen ohne Bedenken aufs Spielfeld bringen können.

Für die neue Dritte Liga Süd gibt es auf Rodheimer Seite gute und schlechte Nachrichten. Hannes Gruppe wird den Verein aus privaten Gründen wahrscheinlich verlassen (Schmidt: "Wir suchen daher dringend einen Zuspieler"), ebenso wird Philippe Linsenbold in seinen neuen Studienort ziehen – und dieser kann in ganz Deutschland liegen. Logistisch gesehen können die Rodheimer auf ihre neue Halle am Ortsausgang Richtung Petterweil zurückgreifen, die über einen bundesligatauglichen Boden verfügt. Im administrativen Bereich muss die SGR aufgrund der neuen Bestimmungen aufrüsten. Gebraucht wird für die neue Spielzeit unter anderem ein Hallensprecher, zudem muss ein Liveticker bedient werden. "Was uns sportlich erwartet, ist schwer zu sagen. Die Liga wird ja völlig neu zusammengewürfelt", sagt Schmidt, der mit deutlichen Worten ergänzt: "Unsere Mannschaft wird Drittliga-Format haben". Bleibt zu hoffen, dass er nicht so viele Verletzte zu beklagen hat wie in der gerade abgelaufenen Saison. Michael Wiener

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