Neuer Trainer

SG Rodheim als Aufsteiger nach gutem Saisonstart mit dem Rücken zur Wand

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Eine junge Mannschaft, der Kreisoberligaaufstieg und ein guter Saisonstart. Bei der SG Rodheim schien alles nach einer Erfolgsgeschichte auszusehen. Doch nun ist alles anders. Ein Interview.

Es war wohl die größte Überraschung in der Winterpause: Virginio Bazzoli wechselt vom Kreisoberliga-Aufsteiger SG Rodheim zum abstiegsbedrohten Gruppenligisten FC Olympia Fauerbach. Die Rodheimer, die nach dem Aufstieg und einem guten Saisonstart zunehmend Schwierigkeiten haben, sich in der Liga zu halten, müssen reagieren: Noch Ende Januar wird Holger Hess als Coach bis zum Saisonende vorgestellt. Der 53-jährige Bad Nauheimer soll mit dem jungen Team den Klassenerhalt schaffen, immerhin stammen einige Spieler aus der A-Jugend, die er vor zwei Jahren gemeinsam mit Peter Otto noch gecoacht hatte. Wir haben den B-Lizenz-Inhaber nach dem enttäuschenden 0:4 gegen den SC Dortelweil II zum Re-Start für ein Interview getroffen.

Herr Hess, bei der SG Rodheim lief es zu Anfang der Saison recht ordentlich, dann kam der Abwärtstrend und der überraschende Trainerwechsel. Wie wollen Sie den Klassenerhalt sichern?

Holger Hess: Vermutlich hat zu Saisonbeginn die Aufstiegseuphorie noch gewirkt. Mit Steffen Münk, der vor der Runde wieder zu seinem Heimatverein TSG Ober-Wöllstadt gewechselt ist, fehlt zudem ein Torjäger. Außerdem sind inzwischen einige Jungs aus Studien- oder Ausbildungsgründen weggezogen, unter anderem mein Sohn Tim. Deshalb sind auch nur noch einige A-Jugendspieler da, mit denen ich vor zwei Jahren gearbeitet habe und die eigentlich das Grundgerüst für den Aufstieg in der vergangenen Saison waren. Vielleicht hing es zuletzt auch damit zusammen, dass die Mannschaft es nicht gewohnt war, häufig zu verlieren und dann in eine Abwärtsspirale hineingeraten ist. Wir müssen daher jetzt als Team kompakt, geschlossen und effektiv agieren.

Wie schätzen Sie die Chancen auf den Klassenerhalt ein?

Hess: Die Mannschaft ist relativ jung, Dennis Bucher mit 28 Jahren der Älteste. Da fehlt manchmal natürlich auch eine Portion Cleverness. Wir werden uns auf unser Spiel konzentrieren und müssen einfach aktiv sein. Das muss nicht permanentes Forechecking bedeuten, aber Einstellung, Zweikampfstärke und Laufbereitschaft sind Grundvoraussetzungen, um die Klasse zu halten. Allerdings haben wir das Problem, dass die Fluktuation im Training recht hoch ist. Das führt natürlich dazu, dass man sehr schlecht bestimmte Dinge einstudieren kann. Mit den Leuten, die da waren, haben wir dennoch eine vernünftige Wintervorbereitung absolviert. Nun werden wir sehen, wie die Mannschaft vom Kopf her den Abstiegskampf annimmt.

Ob ich bleiben, hängt für mich auch von der Mannschaft selbst ab

Holger Hess

Wo sehen Sie die Baustellen im Team?

Hess: Wir müssen sicher noch an der körperlichen Fitness arbeiten, gerade weil im Training viel Fluktuation herrscht. Da müssen wir vor allem deshalb daran feilen, damit alle im Defensivverhalten mitarbeiten (können). Da bin ich selbst gespannt, wie das Team das im weiteren Verlauf annehmen wird.

Wie sieht die mittelfristige Planung in Rodheim aus?

Hess: Wir haben vereinbart, dass ich erst einmal für vier Monate die Trainerfunktion übernehme, also bis zum Saisonende, allerdings verbunden mit dem Wunsch der Verantwortlichen, auf dieser Position Kontinuität zu haben. Damit ist jetzt genügend Zeit, zuerst die Gespräche mit den Spielern zu führen, ob sie über die Saison hinaus bleiben wollen. Parallel stimmen Uwe Wies als Abteilungsleiter, Mirko Likar vom Spielausschuss und ich uns rechtzeitig ab, ob es in dieser Konstellation für beide Seiten passt und dann über den Juni hinaus weitergeht, oder ob es eine andere Lösung geben wird. Das hängt für mich auch von der Mannschaft selbst ab.

Wie sind Sie damals als A-Jugend-Trainer überhaupt zur SG Rodheim gekommen?

Hess: Auch das war zunächst nur eine Notlösung, denn Peter Otto und mir ging es letztlich darum, das Team zusammenzuhalten, das bis zur B-Jugend fast durchgängig immer auf Gruppenliga-Niveau gespielt hatte, dann in der A-Jugend aber zurück auf Kreisebene musste, weil der vorherige Jahrgang nicht so stark war. Der Kontakt kam damals zustande, weil mein Sohn Tim selbst in Rodheim in der Jugend gespielt hatte.

Worin unterscheidet Sie Ihre Herangehensweise, wenn sie eine Jugend- oder Seniorenmannschaft trainieren?

Hess: Ich habe mit Ausnahme der JSG Rosbach/Rodheim immer Seniorenmannschaften trainiert. Letztlich kommt es für mich darauf an, dass man die zur Verfügung stehenden Spieler und ihre Möglichkeiten kennen lernt und darauf eingeht, um das bestmögliche herauszuholen. Wichtig ist mir immer, eine gewisse Disziplin im Team und eine Regelmäßigkeit im Training zu haben.

Wir müssen unsere Herangehensweise an der einen oder anderen Stelle anpassen

Holger Hess

Wie sieht Ihre Spielphilosophie aus?

Hess: Ich bin keiner, der nur defensiv spielen will, aber ich lege Wert darauf, dass wir kompakt stehen. Da müssen alle mitmachen, denn die Defensive ist immer die Basis – auch für den Klassenerhalt. Die Jugendteams und auch die Seniorenmannschaften in Rodheim sind in den vergangenen Jahren den Gegner immer sehr hoch angelaufen, haben früh attackiert. Dazu ist aber eine gute Fitness erforderlich. Da es derzeit aber daran etwas mangelt, müssen wir die Herangehensweise an der einen oder anderen Stelle entsprechend anpassen.

Welches Potenzial sehen Sie in der Jugendarbeit des Vereins?

Hess: Auch das wird immer schwieriger, weil alleine die Zahl an Spielern insbesondere in den älteren Jahrgängen mehr und mehr schrumpft. Aktuell gibt es bei der SG Rodheim keine A-Jugend, auch nicht in einer Spielgemeinschaft. In den nachfolgenden Jahrgängen wird innerhalb der JSG Rodheim/Petterweil sehr viel gemacht, unter anderem in Kooperationen mit Kickers Offenbach und der FC-St.-Pauli-Rabauken-Fußballschule. Am Übergang zum Seniorenbereich gibt es aber eine Lücke. Dann besteht natürlich immer die Gefahr, dass talentierte Spieler den Verein schon vor dem Ende der Jugendzeit wieder verlassen – gerade, wenn sie für sich keine Perspektive in der ersten Mannschaft erkennen.

Info

Holger Hess im Portrait

Der gebürtige Bad Nauheimer Holger Hess spielte die längste Zeit als Fußballer beim SV Steinfurth, schaffte es als A-Jugendlicher sogar bis in die Hessenauswahl, mit der er am DFB-Länderturnier in der Sportschule Duisburg-Wedau teilnahm und sogar ein "Länderspiel" gegen die luxemburgische Auswahl absolvierte – damals u. a. mit Bruno Labbadia als Mitspieler. Als Trainer war der heutige B-Lizenzinhaber zunächst Spielertrainer bei seinem Stammverein SG Ostend Bad Nauheim, einem der Vorgängervereine der heutigen Spvgg. 08 Bad Nauheim, später dann Trainer in Ober-Mörlen, erneut in Bad Nauheim, zweimal in Butzbach, in Wisselsheim, Schwalheim, Friedberg und schließlich zuletzt in Rodheim, wo er aufgrund der Zugehörigkeit seines Sohnes zur Jugendmannschaft vor zwei Jahren die A-Junioren gemeinsam mit Peter Otto als Interimscoach übernahm. Der 53-jährige Diplom-Verwaltungswirt ist bei der Deutschen Post beschäftigt und wohnt in Bad Nauheim.

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