Julius Trzeciak - hier noch mit dem roten Gurt - konzentriert sich im Wettkampf-Karate auf die Kata. Er ist mehrfacher Hessenmeister. FOTO: PRIVAT
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Julius Trzeciak - hier noch mit dem roten Gurt - konzentriert sich im Wettkampf-Karate auf die Kata. Er ist mehrfacher Hessenmeister. FOTO: PRIVAT

Mit Rocky auf die Matte

  • Christoph Sommerfeld
    vonChristoph Sommerfeld
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Julius Trzeciak lebt Karate. Der Schwarzgurt-Träger aus Rosbach gehört zum Bundeskader und trainiert am Stützpunkt in Frankfurt. Zu seinen Erfolgen gehört u. a. ein zweiter Platz bei der Team-DM 2020. Karate bedeutet für ihn mehr als Sport.

Wenn Julius Trzeciak über Karate redet, ist er in seinem Element. Für den 18-Jährigen ist die Kampfkunst nicht einfach nur eine Sportart, die er gern ausübt. "So wie ich Karate ausführe, sitze ich auch bei Rewe an der Kasse", erzählt der Rosbacher, der im Rahmen seines Fachabiturs derzeit ein Praktikum bei der Polizei absolviert und sich nebenbei noch etwas verdient. "Karate ist ein Lebensweg, der meinen Charakter formt."

Diese Begeisterung teilt der mehrfache Hessenmeister mit seinem Bruder Maximus und seinem Vater Michael, mit denen er zusammen in Rosbach lebt. Dort begann auch seine Karate-Geschichte. "Das war bei einem Winterspaziergang. Wir kamen an der Kapersburghalle vorbei, sind da reingegangen und haben gesehen, dass dort Karatetraining war. Wir waren total begeistert und wollten unbedingt mitmachen", blickt Julius Trzeciak zurück. Wir - das waren damals zunächst sein Vater und er selbst, Bruder Maximus stieg aber bereits ein halbes Jahr später ein.

Nach etlichen Erfolgen schaffte der talentierte Jugendliche den Sprung in den Hessenkader. Damit öffnete sich die Tür zum Budocenter Karamitsos in Frankfurt. Dort domiziliert nicht nur der hessische Landesstützpunkt, sondern auch der einzige deutsche Bundesstützpunkt. Mit der Nominierung für den Aufbaukader des Deutschen Karate Verbands folgte vor etwa drei Jahren auch der Wechsel vom Rosbacher Verein zum SC Judokan Frankfurt.

In der Mainmetropole profitiert Trzeciak von Kata-Bundestrainer Efthimios Karamitsos. Der Grieche ist Träger des 8. Dan und leitet das Budocenter in der Berger Straße. "Er ist Philosophie in der Bewegung", sagt der Rosbacher über seinen Coach, der seine Schützlinge auch schon mal erdet, wenn sie zu schnell zu viel wollen. "Dann erklärt er dir: ›Wer den Mount Everest besteigen will, fängt nicht von oben an. Du musst dich Stück für Stück vorarbeiten.‹" Auch A-Trainer Patrick Schrod, der wiederum selbst bei Karamitsos trainiert, nimmt den Wetterauer hin und wieder unter seine Fittiche.

Internationale Wettkämpfe

Trzeciak hat vor zwei Jahren die Prüfung zum 1. Dan abgelegt, trägt seither den Schwarzgurt. Sein Interesse an weiteren Gürtelprüfungen ist derzeit aber eher gering. "Ich versuche, mich in meinem Sport weiterzubilden, sowohl technisch als auch geistig", stellt der 18-Jährige klar und lässt einmal mehr durchblicken, dass es ihm auch im jungen Alter vor allem um ein tieferes Karate-Verständnis geht.

Die Erfolge waren quasi die Begleiterscheinung: Und so ist Julius Trzeciak nicht nur mehrfacher Hessenmeister, sondern seit Anfang dieses Jahres auch Deutscher Vize-Meister im Team. 2019 war zuvor geprägt von einigen internationalen Einsätzen. Bei der EM war mit dem Team zwar Schluss in Runde eins, bei der Shotokan-WM in Portugal sollte es aber für den dritten Rang reichen. Die "große WM" mit allen Stilrichtungen ging damals in Chile über die Bühne. Das deutsche Team kam mit Trzeciak auf Platz neun.

Im Wettkampf richtet der Rosbacher den Fokus mittlerweile ausschließlich auf die Kata (Kampfablauffolge). Kumite (Kampfübungen mit Partner bis zum Freikampf) gehört zu seinem umfangreichen Trainingsprogramm. Corona-bedingt stehen derzeit "nur" Online-Einheiten auf der Agenda. Im Normalfall kommt er aber auf fünf Trainingseinheiten pro Woche, in der Wettkampfvorbereitung auf sieben. Passend dazu zitiert Trzeciak einen bekannten japanischen Meister: "Karate ist wie warmes Wasser, das kalt wird, wenn du es nicht ständig wärmst."

Seine Leidenschaft verlangt also auch viele Entbehrungen, doch die nimmt der Rosbacher gern in Kauf. Gerade in der Wettkampfphase ist er sehr diszipliniert und achtet darauf, kein Fast Food zu essen, viel Wasser zu trinken und nach dem Fitnessstudio genug Eiweiß zu sich zu nehmen. Aber der junge Athlet will sich auch nicht als strenger Asket verstanden wissen, der sich so gar nichts gönnt. "Ich mache natürlich auch mal Party, wenn keine Wettkämpfe anstehen."

Und wenn Julius Trzeciak Party macht, dürfte er fetzige Musik bevorzugen - so wie zur Einstimmung auf Meisterschaften. Da greift er ganz klassisch zu "Eye of the Tiger" aus dem Rocky-Soundtrack oder bringt sich mit englischem Rap in Stimmung. "Wenn ich dann die Halle betrete, bin ich heiß. Da will ich nur noch auf die Matte und das abrufen, was ich im Training wochenlang geübt habe.

Dennoch: So gut und ambitioniert man oft auf einen Wettkampf hinarbeitet, manchmal sind andere einfach besser, und die Kampfrichter bewerten deren Leistung höher als die eigene. "Um ehrlich zu sein, hadere ich auch schon mal mit der einen oder anderen Entscheidung eines Kampfrichters", gibt Trzeciak zu. "Aber eigentlich treffen sie sehr oft die richtigen Entscheidungen und machen einen guten Job. Letztlich gewinnt der Beste."

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