Ein achtminütiges Video soll auf das Crowdfunding-Projekt einstimmen. Am Mittwoch wurde der Beitrag erstmals ausgewählten Gästen vorgestellt.
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Ein achtminütiges Video soll auf das Crowdfunding-Projekt einstimmen. Am Mittwoch wurde der Beitrag erstmals ausgewählten Gästen vorgestellt.

Richly: "Die Stadt fühlt sich für vieles nicht zuständig"

(mn) Der Weg hinauf vom Haupteingang zu Block C war in rotes Licht getaucht. Anfeuerungsrufe aus dem Stadioninneren – digitalisiert aus den Boxen – weckten bereits am Kassenhäuschen die Neugier von rund 80 Werbepartnern, Fanclub-Funktionären und Ehrenamtlichen.

Mit einem rund achtminütigen Videoclip, ebenso professionell wie mit hohem Aufwand gedreht, hat Eishockey-Zweitligist EC Bad Nauheim am Mittwochabend die geladenen Gäste auf sein neues Projekt eingestimmt und emotional berührt. Crowdfunding ist das Stichwort – die Summe von 77 777 Euro das ehrgeizige Ziel.

Immer wieder wurde die Spielbetriebs GmbH nach dem Aufstieg 2013 mit baulichen und infrastrukturell zwingend notwendigen Anforderungen konfrontiert, teils überrascht. "Und die Stadt Bad Nauheim fühlt sich für vieles nicht zuständig", sagt Michael Richly, der als Beiratsmitglied der Spielbetriebs GmbH dieses Projekt angestoßen hatte. Es gehe um die Region, "um den Erhalt einer einmaligen Sache, für die es sich zu kämpfen lohnt", sagt er während der Präsentation im VIP-Raum.

Umbauten und Investitionen, teils lizenzrechtliche Grundlage des Zweitliga-Spielbetriebs, hatten GmbH und deren Werbepartner zuletzt aus eigenen Mitteln, aus dem laufenden Etat stemmen müssen, in den vergangenen drei Jahren im mittlerweile sechsstelligen Bereich; zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit. Vor zwei Jahren beispielsweise die Umbauten im Bereich der Gästestehplätze und der Kabinen, in diesem Sommer waren im Zuge des Videobeweises überhaupt erstmal technische Grundlagen zu schaffen. "In 70 Jahren hat der Eissport in Bad Nauheim viele Höhen und Tiefen erlebt. Gemeinsam mit Sponsoren und Fans möchten wir den Standort weiter verbessern", sagt Richly. "Von der Stadt hören wir immer wieder: Wenn ihr DEL2 spielen wollt, dann müsst ihr euch auch um die Voraussetzungen kümmern", berichtet Richly von den Gesprächen mit den politischen Gremien. "Am Kader, dem einzigen Posten, der überhaupt noch Einsparpotenzial bietet, wollen wir nicht weiter sparen." Die Mannschaft sei schließlich das höchste Gut. Und ohnehin bewege man sich im Bereich der Personalkosten im unteren Mittelfeld, wie anhand einer DEL2-Grafik unterstrichen wurde.

Einen Tag lang hatte Werbepartner Mediashots aus Gießen im Colonel-Knight-Stadion am Imageclip gedreht. Entstanden ist ein Film, der den Fans Gänsehaut beschert. Ralph Pöpel, Manfred Müller, Thomas Barczikowski, Rolf Knihs oder auch Bill Lochead, prägende Persönlichkeiten des VfL und des EC, wurden für das Crowdfunding-Video ins rechte Licht gerückt, erzählen Anekdoten, erinnern sich. Tief im Archiv wurde gekramt. Bilder vom Bau und der Überdachung werden gezeigt, ebenso Sequenzen wie aus den Finalspielen gegen Essen (1999) oder Kassel (2013), die unvergessen bleiben, mit denen Menschen animiert werden sollen, in das Crowdfunding-Projekt des EC Bad Nauheim zu investieren und "auch ein Zeichen an die Politik zu senden, um die Bedeutung der Roten Teufel zu unterstreichen", wie Richly sagt.

Was ist Crowdfunding? Crowdfunding ist eine Form der Finanzierung durch eine große Gruppe an Menschen, die – über das Internet – zusammengebracht wird, um in ein Vorhaben zu investieren und Organisationen und Vereine in einem vorab klar definierten Projekt einmalig zu unterstützen.

Hat es bereits ähnliche Projekte gegeben? Ja, auch im Eishockey! Beispiele in Hamburg und Leipzig haben gezeigt, dass diese Form der Kapitalbeschaffung eine gute Alternative zu den üblichen Finanzierungsformen darstellt. In Hamburg war das Ziel, Geld zu sammeln, um einen Rückzug der Hamburg Freezers zu verhindern. Nationalspieler Christoph Schubert hatte das Projekt angeschoben. Mehr als 500 000 Euro waren allein im Internet binnen weniger Tage gesammelt worden. Die Anschütz-Gruppe als Eigentümer der Freezers hat sich jedoch nicht umstimmen lassen. Der Eishockey-Standort Leipzig wiederum konnte durch ein solches Projekt gerettet werden. Für die Rate der Zeltüberdachung wurden die nötigen 150 000 Euro gesammelt.

Wann geht’s los? Am 9. Oktober – und zwar für 14 Tage. Vor dem Heimspiel gegen Rosenheim präsentieren die Roten Teufel ihren Acht-Minuten-Film der Öffenlichkeit, wollen durch diese Zeitreise durch 70 Jahre Eishockey in Bad Nauheim Emotionen wecken und animieren, in das Projekt zu investieren. Mit diesem Video wird zudem in den sozialen Medien geworben.

Was ist das Ziel? 77 777 Euro! Mit diesem Geld sollen aktuelle und künftige lizenzrelevante Projekte finanziert werden. Ein Beispiel: die Einführung des Videobeweises in der DEL2, die in Bad Nauheim Kosten in Höhe von rund 25 000 Euro verursacht hat. Eine ähnliche Summe wurde zeitgleich in einen stadionnahen Fitnessraum investiert, um den "Sterne"-Kriterien des Deutschen Eishockey-Bundes im Nachwuchsbereich gerecht zu werden.

Wer wird angesprochen? Jeder kann mitmachen. Fans, Sympathisanten aus der Region, aber auch darüber hinaus. Zudem sollen Sportvereine, auch benachbarte Profiklubs der Region angesprochen werden; natürlich auch Unternehmen.

Was muss ich tun? Das Crowdfunding läuft über die Homepage www.fairplaid.com. Das Projekt wird am 9. Oktober dafür freigeschaltet. Eine Möglichkeit, beispielsweise über die Geschäftsstelle das Vorhaben unterstützen zu können, soll geschaffen werden.

Bekomme ich eine Gegenleistung? Mindestspende ist ein Betrag von zehn Euro. Dafür gibt’s eine Urkunde. Zudem wollen die Roten Teufel mit außergewöhnlichen Prämien um Unterstützung werben. Für 100 Euro beispielsweise wird der eigene Name auf einer Treppenstufe in der Fankurve verewigt, für 750 Euro kann man sich mit einem Spieler im Kalender ablichten lassen. Auch besteht die Möglichkeit, Teil des Teamfotos zu werden. Für 1500 Euro darf man die Mannschaft im Bus zum Auswärtsspiel nach Ravensburg begleiten.

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