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Die "Supporterkeule" in ihrem Element: Rene Marquardt aus Dortelweil (r.) ist bei vielen Triathlon-Veranstaltungen ein gefragter Mann. FOTOS: PV

Triathlon

Rene Marquardt aus Gronau: So wurde aus dem Kettenraucher die Triathlon-Supporterkeule

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Rene Marquardt ist ein Hamburger Original, aber mittlerweile ist er in der Wetterau mindestens genauso heimisch. Der Gronau ist nicht nur Triathlet, sondern auch Stimmungsmacher. Beides kann die "Supporterkeule" ziemlich gut.

Rene Marquardt sagt, dass viele einschneidende Momente in seinem Leben mit dem Zufall zu tun hatten. Dass aus dem großen Mann mit Übergewicht, der rauchenderweise seinen besten Freund beim Marathon in Hamburg als Zuschauer anfeuerte, ein sportlich gebauter Mann wurde, der selbst Ironman-Distanzen bewältigt, aber trotzdem noch andere Athleten auf ihrem Weg ins Ziel bejubelt, ist aber eher seiner unbändigen Spontanität geschuldet. Und einem Ereignis, das viele Menschen dazu bringt, Laster aufzugeben.

"Ich war schon immer sehr extrovertiert", sagt Marquardt. Der Hamburger Dialekt ist nicht zu überhören und auch nicht ansatzweise einem hessischen "Gebabbel" gewichen, obwohl die 46-Jährige "Supporterkeule" seit 2012 in Gronau wohnt. Zum Ausdauersport kam Marquardt aber schon 2004. Mit dem Wissen, in einem halben Jahr Vater zu werden, gewöhnte sich Marquardt das Rauchen ab. Eineinhalb Schachteln waren es pro Tag. "Damals habe ich auch noch 40 Kilo mehr gewogen als heute", erzählt er.

Über seinen besten Freund lässt er sich zum Ausdauersport motivieren. Ein Jahr später, 2005, absolviert er in viereinhalb Stunden seinen ersten Marathon. Drei Jahre später kommen Schwimmen und Radfahren dazu, 2009 bewältigt Marquardt erstmals die volle Ironman-Distanz. "Wenn ich etwas mache, dann zu 100 Prozent", sagt Marquardt, der für das Triathlon-Team Bruchköbel startet.

Rene Marquardt: "Ich labere jeden zu."

Damit meint er aber nicht nur seine sportliche Aktivität. "Ich labere jeden zu", sagt er und lacht. Beim "Quarterman", der jährlichen Veranstaltung von Triathlon Bruchköbel, steht er in der Wechselzone und sorgt für einen reibungslosen Ablauf. "Das war mir aber zu langweilig. Also habe ich mir eine Pylone geschnappt", sagt Marquardt und hält mit seinen Händen einen imaginären Kegel fest, "und angefangen, die Leute anzufeuern", erzählt der gelernte Koch.

Die Vereinskollegen waren begeistert und Marquardt den Job in der Wechselzone los. "Darüber war ich auch nicht böse", sagt er lachend. Das war vor sieben Jahren, und es war der Beginn der "Supporterkeule". Ein Jahr später steht Marquardt nämlich im Zielbereich, war quasi aus dem drögen Wechselbereich ins Epi-Zentrum einer jeden Triathlon-Veranstaltung angekommen. Dort etablierte er auch seinen markigsten Spruch: "Good Job, Baby!" Das ruft er, wenn die Athleten über die Ziellinie laufen. Auch sonst ist er mit vollem Körpereinsatz dabei, er springt, tanzt oder startet die Welle. "Am Anfang habe ich das alles ohne Mikrofon gemacht, danach war ich immer drei Tage heißer", erzählt Marquardt.-

Stimmungsmacher beim Ironman Frankfurt

2017 spült ihn der nächste spontane Zufall auf die größtmögliche Triathlon-Bühne in der Wetterau. "Ein Kumpel, der beim Ironman in Frankfurt mitarbeitet, hat mich gefragt, ob ich nicht Bock hätte, mich in Karben vor 700 Leute zu stellen", erzählt Marquardt. Hatte er - was für eine Frage.

Und so geht es immer weiter. Als er auf Mallorca selbst einen Triathlon absolviert, lernt er einen Organisator der Challenge Roth kennen, eine der größten Triathlon-Langdistanz-Veranstaltungen der Welt. Zack, nächster Auftrag. Die vergangenen beiden Jahre sorgte er dort für Stimmung, zwischendurch steht er beim Frankfurter Ironman in Sachsenhausen am Mainufer - alles unentgeltlich. "Ich hatte einfach Bock drauf. Irgendwann hab ich mir dann aber gedacht: Komm, melde ich halt ein Gewerbe an", erzählt die "Supporterkeule". Der Name war schnell gefunden, "mich nennen alle Keule", gibt Marquardt die logische Erklärung.

In Aktion: Rene Marquardt (r.) gibt auch als Triathlet immer 100 Prozent.

Wenn Marquardt mal nicht andere Athleten anfeuert, startet er selbst für Triathlon Bruchköbel, unter anderem in der hessischen Seniorenliga. Außerdem will er noch einmal unbedingt den Ironman in Hamburg absolvieren. Die Anmeldung schickte er spontan aus dem Thailand-Urlaub übers Handy in die Elbmetropole. Zu Hause am Laptop wäre es auch kein typischer Marquardt gewesen.

Im Herzen ein Hamburger

Die Frohnatur sprudelt fast unaufhörlich aus ihm heraus. Selbst als er erzählt, wie er sich bei einem Unfall - ein Autofahrer hatte ihn auf dem Rad durch einen Kreisverkehr fahrend übersehen - zwei Lendenwirbel brach, muss man unweigerlich lachen.

"Ich bin wie ich bin", sagt Marquardt, und genau deshalb werden die Töne beim C-Lizenz-Fitnesstrainer wenig später ruhiger. Er will unbedingt noch einmal den Ironman in seiner Heimatstadt Hamburg absolvieren. "Da werde ich sentimental. Ich vermisse meine Heimat sehr, Hamburger tragen ihre Stadt im Herzen."

Dass die meisten Veranstaltungen in diesem Jahr der Coronavirus-Krise zum Opfer fallen werden, der Hamburger Ironman im Juni ist da wohl keine Ausnahme, hält Marquardt nicht davon ab, seinen Trainingsplan aufrechtzuerhalten. "Momentan sind es elf Stunden in der Woche, Tendenz steigend. Da die Schwimmhallen zu sind, trainiere ich viel zu Hause mit dem Zugseil", sagt Marquardt. Denn, wenn er etwas macht, dann zu 100 Prozent.

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