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Reindl-Modell reformbedürftig

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(mn) 26 443,36 Euro. Diese Summe erhalten die Roten Teufel aus dem Reindl-Pool des Deutschen Eishockey-Bundes. Im Ranking der Zweit- und Drittligisten liegen die Wetterauer damit an sechster Position in Sachen Nachwuchsförderung. Ganz vorne in den Bewertungskriterien Qualität und Quantität: Landshut und Bad Tölz.

Einbezahlt hat der EC Bad Nauheim allerdings mehr als in der Ausschüttung gutgeschrieben wird. 2500 Euro pro Neuzugang (insgesamt neun) und pro Förderlizenzspieler mit mehr als vier Einsätzen (vier Cracks) müssen die Profi-Klubs in den Topf zahlen. Insgesamt 669 500 Euro konnten an die 34 Klubs ausbezahlt werden. Das geht aus einem internen Schreiben hervor, das unserer Redaktion vorliegt.

Die Berechnung erfolgt nach einem komplexen Schlüssel. Die Anzahl der Jugendspieler, die Ligenzugehörigkeit der Nachwuchsmannschaften, die Länderspieleinsätze, die Zahl der hauptamtlichen Trainer sowie Transfers von Nachwuchsspieler dienen - unterschiedlich gewichtet - als Grundlage zur Auswertung. »Im deutschen Sport gibt es nur wenige funktionierende Ausgleichsmodelle. Allerdings ist der Ansatz, der einst gefunden wurde, der aktuellen Situation nicht mehr angepasst. Die Gewichtung ist nicht sinnhaft«, sagt Andreas Ortwein. Der Geschäftsführer der EC Bad Nauheim Spielbetriebs GmbH ist Mitglied der Sportkommission, die das Ausbildungsentschädigungsmodell weiterentwickelt.

Neben Ex-Nationalspieler Günter Oswald, der heute als Spielerberater tätig ist und auch einige Akteure in Bad Nauheim betreut, gehörten einst Uwe Harnos als damaliger DEB-Präsident und Andreas Settele als Vorstandsmitglied des ESV Kaufbeuren dem Gremium an, das zeitnah personell neu belebt werden muss, um per Satzungsänderung eine gewünsche Modifizierung zur Saison 2016/17 auf den Weg zu bringen. »Kleine Vereine wie Miesbach fallen momentan durchs Raster«, zeigt Ortwein eine Schwäche auf. Talentierte Spieler zieht’s von dort zu benachbarten Klubs wie Rosenheim oder Bad Tölz, die solche Akteure an den Seniorenbereich heranführen und somit profitieren. In Bad Nauheim dienen Namen wie Marc El-Sayed (heute beim DEL-Klub Nürnberg) oder Julian Napravnik (DNL-Meister mit Mannheim) als Beispiele. Beide haben als Rote Teufel das Eishockeyspielen erlernt, haben die Wetterau aber als Teenager verlassen. Der Nachwuchsverein geht in beiden Fällen leer aus, die Einsätze in der Nationalmannschaft werden Bad Nauheim nicht angerechnet.

Mit der bislang fehlenden Gewichtung der Ausbildung im Bereich der Acht- bis 14-Jährigen nennt Ortwein seinen elementaren Ansatzpunkt in diesen Überlegungen. »Da wird der Grundstein gelegt. Das muss stärker gewichtet, beziehungsweise überhaupt berücksichtigt werden«, meint der GmbH-Chef. Zudem leiste die DEL derzeit Pauschalzahlungen und ist nicht unmittelbar am Reindl-Pool beteiligt. Ein transparentes System über alle Ligen hinweg sei für die Zukunft deshalb gerechter und wünschenswert. Denkbar scheinen Ausgleichszahlungen in Höhe von 5000 Euro ab dem 100. DEL-Einsatz eines U23-Spielers. Für beispielsweise zwölf vorherige Ausblidungsjahre im Nachwuchs könnte eine Saison mit jeweils 400 Euro angerechnet werden. »Die Vereine könnten somit von jedem einzelnen Jahr profitieren«, sagt Ortwein.

Mit Garret Pruden, der in der Vorsaison im Alter von 15 Jahren und 319 Tagen in der DEL 2 debütierte, haben die Roten Teufel auch aktuell einen umworbenen Nachwuchsspieler in ihren Reihen.

Gegenüber der Vorsaison, dem ersten Zweitliga-Jahr, habe sich die Differenz zwischen den Einzahlungen der GmbH in den Reindl-Pool und den Auszahlungen an den Nachwuchsverein verringert. Während der Oberliga-Jahre musste Bad Nauheim für Zugänge außerhalb der nordrhein-westfälischen Landesgrenzen in den Pool einzahlen, profitierte allerdings nicht von den Ausschüttungen, da der Landesverband Nordrhein-Westfalen ein 100-prozentiges Mitwirken in Sachen Reindl-Pool verweigerte.

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Quantität (Anzahl der Spieler)

1. EC Bad Tölz 234

2. Löwen Frankfurt 221

3. ESC Dresden 188

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Rote Teufel Bad Nauheim 172

Qualität / Ligenzugehörigkeit (Pkt.)

1. EC Bad Tölz 14

2. EV Füssen 13

3. SC Bietigheim/Bissingen 12

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Rote Teufel Bad Nauheim 10

Wechsel / In welche Liga (Pkt.)

1. EV Landshut 18

2. EC Bad Tölz 9

3. ESV Kaufbeuren 9

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Rote Teufel Bad Nauheim 6

Länderspiel-Einsätze

1. EV Landshut 250

2. EC Bad Tölz 215

3. ESV Kaufbeuren 88

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Rote Teufel Bad Nauheim 0

Auszahlung (in Euro gerundet)

1. Landshut 67 734

2. Bad Tölz 54 085

3. Kaufbeuren 38 290

4. Regensburg 32 224

5. Frankfurt 31 242

6. Bad Nauheim 26 443

7. Füssen 26 226

8. Dresden 23 366

9. Klostersee 20 509

10. Ravensburg 19 733

11. Rosenheim 19 485

12. Hamburger SV 19 434

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