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Wann kann wieder abgeschlagen werden? FOTO: VOGLER

Wer rastet, der rostet

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Ganz klar: Mein Mann, der zwei Herzinfarkte und eine Krebserkrankung hinter sich hat, und ich gehören zur Risikogruppe. Wir müssen besonders aufpassen, damit wir nicht das Coronavirus erwischen. Wir halten uns strikt an die Auflagen. Der Einkauf wird nur noch einmal wöchentlich erledigt. Ansonsten verbringen wir unsere Zeit in den eigenen vier Wänden. Ein Spaziergang um den Block ist das Äußerste, das wir derzeit wagen.

Seit vielen Jahren gehört Golfspielen zu unserem Leben. Es ist viel mehr als nur Sport und schon gar nicht elitär, wie einige Unbedarfte immer noch denken. Es schenkt uns ein großes Stück Lebensfreude, ein Gefühl der Freiheit, nach dem man süchtig werden kann.

Ich sage manchmal, dass mein Mann während der Sommermonate auf dem Golfplatz "wohnt". Er nutzt wirklich jede Gelegenheit zu einer Runde. Auch ich spiele oft und gerne Golf. Die komplexen Bewegungen trainieren eine Vielzahl von Muskeln. Auch Kondition und tiefe Atmung werden verbessert. Der Aufenthalt in der Natur, die Konzentration auf das Spiel, Erfolg oder Misserfolg, alles das erdet und macht zugleich den Kopf frei. Man erlebt immer etwas, vom verloren gegangenen Ball bis zum unverhofften Birdie. Und davon kann man lange zehren. Wir sind übrigens bei unserem Sport nicht zimperlich. Nur Schnee oder Bodenfrost können uns von einer Golfrunde abhalten. Denn wer rastet, der rostet. Und gerade im Alter ist es sehr schwer, verloren gegangene Muskeln und Kondition wiederaufzubauen.

Nun ist also Corona. Kein Golf. Kein Schlägerschwingen. Es bleibt nur der sehnsüchtige Blick auf den Golfplatz, der nie schöner und verlockender aussah. Man fühlt sich wie ein achtjähriges Kind, das vor dem geschlossenen Schwimmbad steht.

Golfen ist nicht zwangsweise ein Sport, der vom zwischenmenschlichen Kontakt lebt. Ich war durchaus schon für ein, zwei Stunden mit einem (häufig leicht verbiesterten, da schlechte Tagesform) anderen Spieler auf Runde, ohne dass auch nur ein einziges Wort fiel. Tatsache!

Auch räumliche Distanz ist gegeben. Männer schlagen häufig länger und unpräziser als Frauen. Auch eine Tatsache, fragen Sie mal einen Pro! Während "man" also weit entfernt irgendwo im hohen Gras zwischen Disteln und Ameisenhaufen nach seinem Ball sucht, konzentriert "frau" sich (also: idealerweise) auf dem kurzgemähten Fairway auf den nächsten Schlag.

Aber ich will ganz ehrlich sein, es gibt durchaus Kontakt körperlicher Art zwischen den Golfern. Man begrüßt sich mit Handschlag. Und nach der Runde verabschiedet man sich üblicherweise ebenso händisch. Dieses Problem ist allerdings leicht zu lösen. Ein durchschnittlicher Driver hat eine Schaftlänge von gut einem Meter. Wenn zwei Spieler also statt sich die Hände zu schütteln ihre Driver aneinanderklopfen, ist das viel mehr Abstand als ich bei Rewe in der Gemüseabteilung zu den anderen Einkäufern habe.

Fürs Ende der Runde würde ich ein "Thumbs up" vorschlagen ein symbolisches Hole-in-One. Davon träumt schließlich jeder Golfer - ganz unabhängig von Corona.

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