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Rassistische Beleidigungen heizen Gewalt an

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(mn) Ein Faustschlag oder doch eher eine Ohrfeige? Ein Messer, oder war’s nur ein Schlüsselbund? Und wer war der Mann mit dem Schirm? Hat er gezielt auf Spieler der Gäste-Mannschaft eingeschlagen? Diese Kernfragen haben am Mittwochabend das Sportgericht des Fußballkreises Friedberg beschäftigt.

Elf Zeugen hatten Karl-Ernst Kunkel (Melbach) als Vorsitzender sowie Nils Egger (Rodheim) und Claus-Dieter Lang (Dorheim) geladen, um Hinter- und Beweggründe der Ausschreitungen nach dem Spiel der Kreisliga A zwischen dem TSV Ostheim und der KSG 1920 Groß-Karben am 3. November aufzuklären. Dreieinhalb Stunden dauerte die Anhörung in der Gaststätte »Usatal-Klause« in Ober-Mörlen. Ein Urteil soll den Beteiligten Anfang der kommenden Woche zugestellt werden.

Beschuldigte waren ein Spieler der KSG 1920 Groß-Karben, der mit einem Schlag ins Gesicht eines Gegenspielers die Eskalation unmittelbar nach Schluss ausgelöst haben soll, sowie ein Mitglied des SV Hoch-Weisel, dem vorgeworfen wurde, als Zuschauer während der Rangeleien ein Messer gezückt zu haben. Henning Noll, der als Libero des TSV Ostheim von dem Schlag seines Gegenspielers getroffen worden war, hatte eine Gehirnerschütterung davon getragen, befindet sich in kieferorthopädischer Behandlung und hat Anzeige gegen den Spieler der Gäste-Mannschaft erstattet. KSG-Akteur Ercan Güler wiederum war an den anschließenden Auseinandersetzungen von einem Schirm eines Zuschauers im Gesicht getroffen worden und eine Woche arbeitsunfähig.

Die Emotionen auf dem kleinen Ausweichplatz im Butzbacher Vorort waren in der zweiten Spielhälfte nach dem Feldverweis gegen Mehmet Ceylan (Ostheim/nach Tätlichkeit per Einzelrichterurteil bereits für sechs Spiele gesperrt) mehr und mehr hochgekocht, zumal der Rot-Sünder kaum zu beruhigen und vom Platz zu bewegen war.

Rassistische Beleidungungen durch Zuschauer der Gastgeber hätten die Stimmung von außen angeheizt, war am Mittwoch seitens der KSG zu vernehmen. »Man muss mich wirklich überzeugen können, dass ich da noch einmal eine Mannschaft auf dem kleinen Platz auflaufen lasse«, sagte Michael Clarius, der die äußeren Verhältnisse (keine Barriere, Zuschauer direkt an der Linie) sowie den Zustand des eigentlichen Spielfeldes (seifig, unbespielbar) krisitierte.

Sechs Videosequenzen hatte Trainer der KSG 1920 dem Gericht zur Aufklärung zur Verfügung gestellt, monierte zudem die Untätigkeit des Unparteiischen, der sich aus allem rausgehalten und nicht über den TSV-Kapitän auf Verantwortliche und Zuschauer habe einwirken lassen, als immer wieder Personen auf den Platz gelaufen seien.

Von einer »heimtückischen Tätlichkeit nach dem Schlusspfiff, die auch kein anderer Heimverein hätte verhindern können«, sprach derweil TSV-Vorstandsmitglied Eckhard Haub, der angab, die Zahl der Platzordner in der Schlussphase erhöht zu haben, sich vom Gericht aber den Hinweis anhören musste, Zuschauer, die unmittelbar an und auf (!) der Torlinie in Höhe des Strafraums stehen, künftig verweisen zu lassen. Dieser Umstand sei, laut den drei Richtern, in bewegten Bildern zu erkennen, wenngleich dies von Schiedsrichter Ralf Schuchardt (Hamadmar) nicht moniert worden war.

Der beschuldigte KSG-Spieler räumte seinen Schlag gegen TSV-Libero Henning Noll ein, erklärte diesen Aussetzer mit den permanenten ausländerfeindlichen Beleidigungen von außen, nutzte die Begegnung vor dem Sportgericht zugleich zu einer Entschuldigung, beharrte aber auf seiner Darstellung, mit der flachen Hand zugeschlagen zu haben. Ungeklärt blieb am Abend die Frage, welcher Zuschauer mit einem Schirm auf den Gäste-Spieler Güler eingeschlagen hatte. Unterschiedliche Darstellungen gab’s zur Fragestellung, ob im Getümmel ein Messer aus dem Ärmel gezogen und ebenso schnell wieder verschwunden sei. Als Beschuldigter identifiziert worden war ein Mitglied des Nachbarklubs SV Hoch-Weisel, das als Zuschauer vor Ort war. Er sprach von einem Schlüssel, den er auf seinem Heimweg bereits in der Hand gehalten habe, als er »als Sportkamerad den Streit schlichten« wollte, die KSG-Spieler blieben bei ihrer Darstellung vom »Messer.«

»Eine beschämende Situation. Ohne die Tätlichkeit wäre diese Sache allerdings nicht eskaliert«, führte TSV-Vorstandsmitglied Haub, der als Justiziar auch die Interessen seines Spielers Noll vertritt, aus. Michael Clarius, der KSG-Coach, wiederum hatte seitens des gastgebenden Klubs mehr Selbstkritik erwartet. »Wenn solche Dinge passiert sind, muss man sich das auch eingestehen – so wie wir es auch gemacht haben.«

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