Rätsel über Hilfen

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(sid). Die Bundesregierung hat mit ihrem milliardenschweren Konjunkturpaket viel Lob eingeheimst, doch der deutsche Sport kann sich noch nicht so recht freuen. Vor allem die Not leidenden Teamsportarten außerhalb des Fußballs wissen weiterhin nicht, wie die Hilfe aus Berlin konkret aussieht.

"Ich bin aus diesem Papier, was den Sport betrifft, nicht so richtig schlau geworden", sagt Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga. Seiner Liga steht nach dem Saisonabbruch wegen Corona das Wasser bis zum Hals, die Vereine sind dringend auf Unterstützung angewiesen, "sonst wird es den Handball in der Form, wie wir ihn bisher kennen, nicht mehr geben", mahnt Bohmann.

Wohlklingend hatte die Bundesregierung eine Überbrückungshilfe in Höhe von 25 Milliarden Euro für kleinere und mittelständische Betriebe angekündigt. Dazu zählten auch "Profivereine aus den unteren Ligen", hieß es zunächst, ehe die unglückliche Formulierung entfernt und stattdessen vom (semi-)professionellen Sport außerhalb des Fußballs gesprochen wurde. Doch ungeachtet des Missgeschicks mit der Formulierung blieb völlig unklar, wie viel Geld es denn geben werde. Allein für die Teamsportarten außerhalb des Fußballs wie Handball, Eishockey, Volleyball, deren Klubs mittlerweile nicht selten mit der Insolvenz zu kämpfen haben, hatte deren Sprecher Andreas Michelmann im Bundestag einen Bedarf von 200 Millionen Euro angemeldet.

Hinter den Kulissen wird nun zwischen Politik und Sport um eine präzisere Formulierung und um mehr Klarheit gerungen. Offiziell wurde bislang lediglich erklärt, dass zusätzlich 150 Millionen Euro für Sportstätten zur Verfügung gestellt werden.

Trotz der Unklarheit scheint für die Sportpolitiker in Berlin dennoch ein wichtiger Schritt getan. "Es ist richtig und wichtig, dass der Sport in dem Programm für Überbrückungshilfen explizit genannt ist", sagt SPD-Politikerin Dagmar Freitag.

Man rede im Bereich des Profisports schließlich auch über Unternehmen, die ganz erhebliche Einnahme- und Umsatzverluste zu verzeichnen hätten.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann dürfte der Beschluss der Regierungskoalition nur bedingt gefallen haben, schließlich kämpft der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes nicht nur um Teamsportarten, sondern auch um viele Leistungssportler außerhalb der professionellen Ligen wie Ringer oder Turner. Und auch die brauchen derzeit Unterstützung. Insgesamt beziffert Hörmann die Ausfälle des deutschen Sports auf rund eine Milliarde Euro.

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