Viggo Kristjansson. FOTO: VOGLER
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Viggo Kristjansson. FOTO: VOGLER

Quartett verlässt HSG Wetzlar

  • Daniela Pieth
    vonDaniela Pieth
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(pie). Es ist nach dieser Saison gar nicht so einfach, Spieler zu verabschieden, die das Bundesliga-Team der HSG Wetzlar verlassen. Der Handball ruht seit Mitte März und die Aktiven haben die Zeit genutzt, um zu ihren Familien zu fahren und die Umzüge früher als sonst üblich zu absolvieren. Mit Stefan Kneer, Emil Frend Öfors, Nils Torbrügge und Viggó Kristjánsson verlassen vier Spieler den Verein.

Erst im November 2019 war Kristjánsson als Ersatz für Joao Ferraz an die L ahn gewechselt. 16 Spiele hat der Linkshänder für die HSG absolviert. Ab 1. Juli steht der isländische Nationalspieler beim TVB Stuttgart unter Vertrag. In Mittelhessen hatte sich der 26-Jährige samt Frau und Sohn schnell eingelebt. Auch sportlich lief es für Kristjánsson gut, der als zweiter Linkshänder im Rückraum Stefan Cavor entlasten sollte. "Wir haben uns gut ergänzt und ich bin froh, dass ich in machen Partien viele Spielanteile haben konnte." Vor allem der Auswärtssieg beim THW Kiel bleibt ihm als sportliches Highlight in Erinnerung, aber auch das Spiel beim SC DHfK Leipzig war etwas Besonderes. "Das war nur wenige Wochen nach meinem Wechsel - und dann haben wir dort auch noch gewonnen. Ich habe sechs Tore geworfen und mein wahrscheinlich bestes Spiel für die HSG gemacht." Der Isländer hätte sich gerne gebührend von den Fans verabschieden wollen: "Das ist natürlich schade, weil es einfach geil ist, in der Rittal-Arena zu spielen."

Vor zwei Jahren kam Nils Torbrügge nach Wetzlar und trat auf der Kreisläuferposition die Nachfolge von Jannik Kohlbacher an. Der 27-Jährige entwickelte sich zu einem Leader, umso bitterer auch für ihn der Abschied, ohne noch einmal vor den Fans spielen zu dürfen. "Über die Halle muss man nichts sagen. Da hat Wetzlar tatsächlich ein Premiumprodukt für einen Verein aus dem Mittelfeld der Handball-Bundesliga."

Zu Torbrügges Highlights gehört ebenfalls der Sieg in Kiel. "Es waren aber definitiv auch die sportlichen Bilanzen und die Philosophie von Trainer Kai Wandschneider mitzubekommen." Beim Wilhelmshavener HV geht es nun in der 2. Liga um den Klassenerhalt, doch für Torbrügge zählt, dass der Sport und die Vereine die Krise überstehen. "Damit es überhaupt die Handball-Bundesliga weiter gibt." Dem Raum Mittelhessen wird er verbunden bleiben, da seine Freundin ihren Job bei der Firma Leica behalten wird.

Frend Öfors hat neben der sportlichen Expertise auch ein persönliches Highlight aus Mittelhessen mitgenommen - die Geburt seines Sohnes. 2018 war der Schwede aus Kiel an die Lahn gewechselt, nun zieht es ihn und seine Familie zurück in die Heimat. Der schwedische Erstligist IFK Kristianstad ist gut fünf Stunden von seiner Heimatstadt Stockholm entfernt, einer der Hauptgründe, warum er wieder nach Hause wollte. Sein ziel für die kommende Saison: schwedischer Meister mit Kristianstad werden und "hoffentlich mal Champions League spielen, das wäre sehr geil".

Beim Blick zurück auf die Zeit an der Lahn steht bei dem 26-Jährigen ein Spiel im Fokus. "Das absolute Highlight war der Sieg in Kiel", so Öfors. "Das war geil und ein überragendes Spiel von uns. Von Torwart, über Abwehr und Angriff - alles war top. Das war so schön."

Der letzte Akteur in der Runde derer, die die HSG verlassen, ist Stefan Kneer. Vier Jahre und 104 Spiele stand der 34-Jährige für Wetzlar auf der Platte und wechselt nun zum benachbarten Zweitligisten TV 05/07 Hüttenberg. Dort will er nicht nur selbst spielen, sondern seine Erfahrungen auch als Trainer der B-Jugend weitergeben.

Bis dahin bleibt dem Ex-Nationalspieler noch etwas Zeit, seine Rückenverletzung auszukurieren, die ihn in den letzten Monaten vom Handball abgehalten hat. Die abgelaufene Saison sieht der Routinier durchaus positiv. Das erste Saisonspiel samt Niederlage gegen Lemgo war ernüchternd, aber "danach haben wir uns von Spiel zu Spiel gesteigert. Wir haben am Ende sehr nahe am Optimum gespielt und uns den neunten Tabellenplatz auch verdient", sagt Kneer.

Einer der schönsten Momente auf dem Spielfeld war der Einzug ins Final4. "Das Viertelfinale zu Hause gegen Stuttgart war großartig und die Feier nach dem Sieg sehr ordentlich", so der Rückraumlinke. Aber auch die bittersten Momente hatten mit dem Pokalturnier in Hamburg zu tun. "Es dorthin geschafft zu haben, war super, aber die erste Halbzeit im Halbfinale gegen Hannover war extrem bitter. Dieses Spiel zu vergessen, ist nicht so einfach."

Großen Anteil am Erfolg der letzten Jahre sieht Kneer im Führungsstil von Trainer Kai Wandschneider. "Bis ich nach Wetzlar kam, habe ich in meiner Karriere noch nie eine solche Eigenverantwortung in einer Mannschaft erlebt, wie hier. Kai merkt genau, ob das Team damit umgehen kann, ob es funktioniert oder nicht. Wir haben als Spieler viele Freiheiten und auch viel dafür getan, dass das so bleibt. Diese Art der Führung hat auf jeden Fall Erfolg gebracht." FOTO: OV

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