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Walter Nebel

Fußball

Wöllstädter Urgestein Walter Nebel: "14 Punkte zum Jahreswechsel sind sehr unbefriedigend"

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Walter Nebel ist ein Urgestein beim SV Nieder-Wöllstadt. Der aktuelle Pressesprecher hat beim SV schon fast alle Positionen bekleidet. Nun spricht er über Entwicklungen und Aussichten in seinem Verein.

Der SV 1923 Nieder-Wöllstadt gehört gewiss zu den Fußballvereinen, welche auf eine lange Tradition zurückblicken können. Nach zehnjähriger Zugehörigkeit in der Gruppenliga Frankfurt West sind die "Roten" seit der Saison 2015/16 wieder in der Kreisoberliga Friedberg beheimatet. Klangvolle Namen wie Uwe Funk, Ali Yüceler, Walter Köbel und Frank Weisenstein sind jedem Kenner der Wetterauer Fußballszene ein Begriff. Genauso wie der aktuelle Trainer Torsten "Törtchen" Zimmermann. All diese Spielertypen, sportlichen Erfolge, Aufstieg wie auch Abstiege hat Walter Nebel erlebt. Bei seinen "Roten" hat er schon fast jede Position begleitet. Als Pressesprecher kümmert er sich im Moment um die Berichterstattung. Im Interview spricht er über Kunstrasen, Unterschiede der Trainerarbeit und die Situation im Nachwuchsbereich.

Walter Nebel, der SV Nieder-Wöllstadt verfügt mittlerweile über einen Kunstrasenplatz. Hat sich dies zum Vorteil erwiesen?

Grundsätzlich ist der Kunstrasen eine feine Sache. Er ist das ganze Jahr bespielbar und wir hatten so in diesem Winter die Möglichkeit, unsere Vorbereitung wie geplant durchführen zu können. Doch wie immer hat die Medaille zwei Seiten.

Was ist den die negative Seite?

Gebaut von einem Investor, hat der Platz nur die Mindestmaße in der Breite mit 56 Metern. Das führt manchmal zu kuriosen Situationen bei Eckbällen. Wie aber manche Vereine denken, ist der Kunstrasen für geplante Neuzugänge kein Wechselgrund. Da müssen wir anders überzeugen.

Stichwort Rückrundenvorbereitung: Wie gut ist die Mannschaft in Schuss?

Mit der Vorbereitung können wir zufrieden sein. Ein geregelter Trainingsbetrieb war möglich, es hat sich keiner unserer Spieler verletzt. Thomas Schubert verstärkt unseren Kader nach seiner USA-Rückkehr. Innerhalb der Mannschaft können wir auf einen starken Zusammenhalt bauen. Und auch die Ergebnisse in der Vorbereitung (Siege gegen Froschhausen (2:0), Burgholzhausen (8:6) und Ortenberg (8:0) steht eine Niederlage gegen Ober-Erlenbach entgegen; d. Red.) lassen auf eine ertragreichere zweite Saisonhälfte hoffen.

Es fällt auf, das die Ergebnisse in der Hinserie meist knappe Resultate, hier aber meist Niederlagen waren.

Ja, es war wirklich so, dass wir gute Spiele gezeigt haben, aber letztlich immer ein Tor mehr kassiert haben als wir schießen konnten.

Woran hat es gelegen?

Wir haben zu Rundenbeginn einem neuen Trainer das Vertrauen geschenkt. Torsten Zimmermann, bis dato Trainer unserer zweiten Mannschaft, leitet nun auch die Geschicke der ersten Mannschaft. Torsten steht für einen Fußball, welcher auf spielerische Lösungen setzt, während sein Vorgänger Torsten Hertz aus einer verstärkten Defensive die Spiele bestritt. Es war auffällig, das wir viele Fehler in der Defensive und im Spielaufbau gemacht haben. Dies müssen wir abstellen. Wie das geht, hat man beim Sieg über Türk Gücü Friedberg II zum Hinrundenende gesehen. Da haben wir defensiv stabil gestanden und schon stand am Ende ein 3:0-Erfolg. Diesen Rückenwind wollen wir nutzen, um in der Rückrunde noch ein paar Plätze gut zu machen.

Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf?

Es kann nicht unser Anspruch sein, auf dem zwölften Tabellenplatz zu stehen. 14 Punkte zum Jahreswechsel sind sehr unbefriedigend. Wir waren letzte Saison 13 Spiele am Stück unbesiegt. Und da wollten wir natürlich wieder anknüpfen. Unsere Zielsetzung war ein Platz unter den ersten fünf Mannschaften. Jetzt gilt es, die Kräfte zu konzentrieren und die Runde auf einem einstelligen Platz zu beenden.

Welche Mannschaften haben Sie bis jetzt am meisten überrascht?

Da ist an Nummer Eins der SV Steinfurth zu nennen. Die Truppe hat bei Ihrem 5:0-Sieg über uns bei mir den besten Eindruck hinterlassen. Und auch die Meisterschaft wird dieses Jahr nach Steinfurth gehen. Ebenfalls positiv ist die Entwicklung in Burg-Gräfenrode unter unserem alten Trainer zu beobachten. Dass die Roggauer sich auf Platz drei in die Winterpause verabschieden, war nicht unbedingt zu erwarten.

Die Kreisoberliga Friedberg tritt diese Saison nur mit 14 Mannschaften an. Wie beurteilen Sie diese Situation?

Das ist schon kritisch zu betrachten. Durch die vielen spielfreien Wochenenden kommen die Mannschaften in keinen vernünftigen Rhythmus. Aber die Situation ist leider nicht zu ändern. Zum einen steigen keine Vereine aus der Gruppenliga Frankfurt ab, die Releganten aus dem Kreis Friedberg schaffen ebenfalls den Aufstieg und dann muss ein Verein seine Mannschaft zurückziehen. Die Situation ist nicht befriedigend, aber für diese Saison halt nicht zu ändern.

Die "Roten" haben zehn Jahre lang überregional in der Gruppenliga Frankfurt West gespielt. Ist diese Spielklasse wieder das Ziel?

In meinen Augen wird erst ab Gruppenliga richtiger Fußball gespielt. Es ist letztlich egal, in welcher Spielklasse man vor etwa 80 Zuschauer spielt. Somit bleibt die Gruppenliga immer eine Liga, über die man in Nieder-Wöllstadt nachdenkt und spricht.

Wie sieht es in Nieder-Wöllstadt mit dem Nachwuchs aus?

Da ist mir nicht bange. Wir sind mit unserer JSG Wöllstadt, seit dieser Saison auch noch mit Kaichen und Ilbenstadt, gut aufgestellt. Es sind alle Jugendmannschaften besetzt und wir können, was in meinen Augen am wichtigsten ist, eine A-Juniorenmannschaft melden. Dies ist das Spielerpotenzial, welches wir benötigen, um weiter sportlich erfolgreich zu arbeiten. Das zeigen auch die jüngsten Erfolge in unserer Jugendarbeit auf Kreisebene. Und der viel wichtigere Indikator hierfür ist, dass es immer wieder Spieler aus der Jugend in den Seniorenbereich schaffen. Alleine vor dieser Runde wieder sieben Mann. ARCHIVFOTO: NICI MERZ

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