Der DEB um Franz Reindl will sich für eine WM bewerben. DPA
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Der DEB um Franz Reindl will sich für eine WM bewerben. DPA

Puckjäger hoffen auf Staatshilfe

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(sid). Der Eishockey-Boom hält auch zwei Jahre nach Olympia-Silber an, herausragende Talente wie Jungstar Tim Stützle drängen in die NHL, der Verband bewirbt sich um die nächste Heim-WM - doch die Corona-Krise bereitet den Puckjägern existenzielle Sorgen. "Wir wissen nicht, wohin die Reise geht", sagte Präsident Franz Reindl nach der virtuellen Mitgliederversammlung des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) am Samstag, "das Problem sind die Zuschauer." Der vorzeitige Saisonabbruch wegen der Pandemie im März hat allein die Deutsche Eishockey Liga (DEL) knapp 20 Millionen Euro gekostet. Ungleich größer könnte der Schaden werden, wenn im Herbst in leeren oder nur spärlich gefüllten Hallen gespielt werden müsste. Verband und Liga setzen deshalb auf Staatshilfe, doch die Fragezeichen sind groß.

Reindl sprach von "derzeit nicht erreichbaren Hürden" und stellte im Konjunktur- paket der Bundesregierung "Nachbesserungsbedarf" für die Profiligen jenseits des Fußballs fest. Die Politik sei "aufgeschlossen, wir fühlen uns gehört und anerkannt", sagte der DEB-Präsident, doch mit welchen Hilfen die Klubs konkret rechnen könnten, sei noch unklar.

"Wir sind am Zug und müssen nachweisen, wie hoch tatsächlich der Schaden ist", betonte Reindl. Dabei geht es nicht nur darum, "Überbrückungshilfen" für die aktuell spielfreie Zeit und die Einnahmeausfälle durch die Playoff-Absage zu beantragen, sondern vor allem um die neue Saison. DEB-Generalsekretär Stefan Schaidnagel erarbeitet in der Task Force Eishockey zusammen mit der DEL und der DEL2 ein Konzept für den Wiederbeginn, das er spätestens Mitte Juli vorstellen will.

Es geht um Hygienebestimmungen, verbesserte Ausrüstung wie ein Vollvisier zum Infektionsschutz, Tests, Abstandsregeln - vor allem aber um die Anzahl der Zuschauer. "Wir müssen den Prozentsatz ermitteln, der im Stadion sein darf", erläuterte Reindl. Dabei müssten die Klubs "mehrere Szenarien" durchspielen, weil die "Tendenz zu mehr Öffnung geht", so der DEB-Chef. Die Hoffnung der Eishockey-Macher: Die Einnahmen, die im Vergleich zum Zuschauerschnitt der Vorsaison fehlen, ersetzt der Staat.

Den Verband selbst hat die Corona-Krise finanziell noch nicht getroffen. Weil Kosten für diverse WM-Turniere und Vorbereitungsspiele wegfielen, ist der DEB laut Reindl "aus dem ersten Halbjahr wirklich gut rausgekommen". Für die zweite Jahreshälfte 2020 und das kommende Jahr wird mit einem Minus geplant, "aber wir haben das Geld, weil wir Rücklagen gebildet haben". So ist der Gewinn aus der Heim-WM 2017 in Höhe von zwei Millionen Euro noch unangetastet. Um auch in Zukunft diese wirtschaftliche Sicherheit zu haben, will sich der DEB für die Ausrichtung der WM 2027 oder 2028 bewerben.

Positiv ist vor allem die Nachwuchsentwicklung. Nicht zuletzt wegen der Olympia-Sensation 2018 stieg die Zahl der Eishockey spielenden Kinder in den vergangenen drei Jahren um 20 Prozent. Das vor fünf Jahren beschlossene Konzept "Powerplay 2026" hat auch in der Spitze zu Erfolgen geführt: Mit Stützle, John-Jason Peterka und Lukas Reichel könnten erstmals drei deutsche Talente in der ersten Runde des NHL-Drafts ausgewählt werden. "Wir werden das beste Ergebnis aller Zeiten für das deutsche Eishockey haben", prophezeit Reindl.

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