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Provokationen vor dem Derby

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(mn) Frankfurt, Frank Gentges, Derby: Frank Carnevale, Coach des Eishockey-Oberligisten EC Bad Nauheim, kommt bei diesen Stichworten gleich auf den Punkt, in seiner unverwechselbar direkten Art.

»Ich habe das Benehmen von Frank Gentges beim ersten Spiel ganz sicher nicht vergessen. Sein despektierliches Verhalten mir gegenüber in der ersten Pause ebenso wenig wie sein Auftreten nach dem Spiel. Und solange er sich nicht öffentlich bei unseren Fans dafür entschuldigt, wie er ihnen mit Gesten nach der Partie gegenübergetreten ist, dass er behauptet hat, er sei von einer Flasche am Kopf getroffen worden, kann ich Frank Gentges keinen Respekt entgegenbringen.« Deutliche Worte, dem Händedruck der beiden erfolgsbesessenen Trainer nach dem zweiten Spiel zum Trotz, Sätze der Abneigung, sogenannter Trash-Talk vorm dritten Saison-Vergleich, dem Zwischenrunden-Derby, das am Donnerstag (19.30 Uhr) schon Playoff-Charakter in beiden Fanlagern vermittelt.

Bereits am Sonntag, nach dem Sieg in Duisburg, hatte Carnevale den ersten Giftpfeil in die Mainmetrople geschossen. Die Löwen hätten eine große Klappe, tragen ihre Nasen hoch. Man wolle sie ärgern und ihnen in den Hintern treten, hatte der Italo-Kanadier seine Erwartungen an die heutige Partie formuliert. Aussagen, die bei den Löwen prompt angekommen und offenbar sauer aufgestoßen sind.

»Die sollen sich jetzt bloß nicht aufführen wie kleine Kinder, die gleich anfangen zu weinen. Ich kannte niemanden, als ich im Sommer nach Bad Nauheim gekommen bin. Auch nicht Frank Gentges. Er kam in der Pause auf mich zu, hat provoziert. Er hat angefangen; nicht ich«, sagt Carnevale, dessen Aussagen just im Vorfeld des Derbys gesteuert wirken, provozieren und die Konzentration der Löwen auf das Wesentliche stören sollen.

Am Thema Lanny Gare kommt Carnevale im Vorschau-Gespräch ebenfalls nicht vorbei. Der 34-Jährige hatte trotz intensiver Bemühungen der Roten Teufel eine Rückkehr abgelehnt und ausgerechnet in Frankfurt unterschrieben. »Ich hätte mir aus meiner Erfahrung heraus gewünscht, dass er einen anderen Blickwinkel wählt. In Bad Nauheim wird man von den Fans geliebt oder gehasst. Ich selbst weiß da sicher am besten, wovon ich spreche. Lanny Gare hätte hier für immer eine Legende sein können. Jetzt aber wird keiner mehr von ihm als Top-Scorer sprechen. In zehn Jahren ist er in den Köpfen der Zuschauer nur noch der Verräter, der nach Frankfurt gewechselt ist. Er hat den Fans, die ihn verehrt haben, quasi ins Gesicht gespuckt. Dieses positive Gefühl, das er hier in Bad Nauheim hätte haben können, wird er in Frankfurt niemals erreichen können. Und das lässt sich mit Geld, das er in Frankfurt vielleicht noch ausgehandelt hat, nicht aufwiegen«, sagt der Coach, der immer wieder mit dem Spieler selbst gesprochen und diesen über die Entwicklung in Bad Nauheim auf dem Laufenden gehalten habe. Fünf Tage vor Weihnachten - und damit gut vier Wochen nach dem Rücktritt von Ex-Geschäftsführer Andreas Ortwein – hatte Spielerberater Lars Wünsche die finanziellen Bedingungen Gares samt der Forderung nach einem Zweieinhalbjahresvertrag übermittelt (Carnevale hat der WZ-Redaktion Einblicke in jene E-Mail gewährt). Man habe mündlich in allen Punkten zugestimmt, sagt Carnevale, ehe zwei Tage später dennoch die Absage erfolgte. »Und wenn die Personalie Andreas Ortwein tatsächlich eine entscheidende Rolle gespielt habe, dann trägt unser Ex-Geschäftsführer eine Mitschuld an dieser Entwicklung, weil er mit seinem Rücktritt die Unruhen im Umfeld ausgelöst und damit potenzielle Neuzugänge verunsichert hat. Wäre Ortwein, der immer betont, das Beste zu wollen, nicht gegangen, wären Gare oder vielleicht ein anderer längst hier«, folgert der Coach, nachdem der Neu-Löwe in der WZ die Gründe für seinen Wechsel nach Frankfurt erläutert hatte.

Die Favoritenrolle will der Italo-Kanadier den Löwen Frankfurt überlassen. »Sie haben einen neuen Spieler in ihren Reihen, sie haben Heimrecht und hatten beim letzten Spiel noch den Schiedsrichter auf ihrer Seite.

« Nach Penaltyschießen hatten die Roten Teufel vor knapp vier Wochen am Ratsweg gewonnen und sich für die Niederlage nach Verlängerung auf eigenem Eis revanchiert. Jeweils drei Zähler haben beide Mannschaften im direkten Vergleich miteinander gewonnen, das Torverhältnis ist mit 8:8 Treffern ausgeglichen. »Gentges hat im Sommer ein Allstar-Team zusammengestellt. Wenn er nicht ganz vorne stehen muss, wer sonst? Er hat fast doppelt so viel Geld ausgegeben wie wir und hätte jeden meiner Spieler vor mir ansprechen können, weil er viel früher mit seinen Planungen begonnen hat. Aber er wollte keinen meiner Jungs. Und dennoch: In der Tabelle sind wir punktgleich. Dafür wird er jetzt mit einer Vertragsverlängerung belohnt – trotz Rang zwei hinter Kassel«, setzt Carnevale den nächsten Hieb und sieht seine eigene Vertragsverlängerung unter anderen Rahmenbedingungen. »Das war der Unruhe im Umfeld geschuldet. Der Rücktritt von Ortwein hat mich in die Position gebracht, Ruhe reinbringen zu müssen.«

Eine Woche vor dem Derby hatten die Roten Teufel Topform gezeigt. Dem 10:0 gegen Dortmund war ein beeindruckender 6:1-Sieg in Duisburg gefolgt, insbesondere das Duo Chris Stanley und Eddy Rinke hatte den gegnerischen Verteidigern den Kopf verdreht. Die Löwen Frankfurt wiederum hatten zum Zweitrunden-Start gegen Essen (12:5) zum ersten Mal überhaupt in dieser Saison fünf Gegentore binnen 60 Minuten kassiert und sind am Sonntag in Hamm (8:1) deutlich konzentrierter aufgetreten. »Ich bleibe dabei: Bad Nauheim war und ist für mich derzeit das beste Team. Wir waren in den bisherigen beiden Partien zwar spielerisch leicht im Vorteil. Aber wir müssen auch den richtigen Spirit, die richtige gesunde Härte mit ins Spiel bringen, ohne natürlich unnötige Strafzeiten zu verursachen. Genau das haben sie uns voraus. Die Kleinigkeiten werden auch dieses Derby wieder entscheiden«, spricht Gentges von einem Duell auf Augenhöhe. Im Vorjahr sei im Spiel der Badestädter zu viel von Lanny Gare und Kevin Lavallee abhängig gewesen, nun seien die Roten Teufel breiter aufgestellt, hätten in Thomas Ower einen der besten Keeper der Liga.

Steven Bär wird ins Löwen-Aufgebot zurückkehren. Der Verteidiger hatte in der Vorwoche mit der Nationalmannschaft den Klassenerhalt bei der U20-WM in Ufa (Russland) feiern können. Das Tor der Löwen wird Danijel Kovacic hüten. Gleich drei Spieler muss Gentges auf die Tribüne setzen. Auf den Kontingentpositionen hat Lance Monych gegenüber Branislav Pohanka und Jakub Rumpel derzeit schlechte Karten, im Bereich der überzähligen Ü21-Spieler (zwei Spieler müssen auf die Tribüne) hat Manuel Neumann, der nach einem Wirbelbruch um sein Comeback kämpft, einen Tribünenplatz sicher. Zuletzt saß dort auch Sven Breiter, den Rückenprobleme plagen. In dieser Trainingswoche stand der Ex-Teufel aber wieder auf dem Eis und stellt Gentges vor die Qual der Wahl. Bei den Roten Teufeln fehlt neben Pierre Wex weiterhin Konstantin Firsanov (krank), der zuletzt von Michel Maaßen im zweiten Block vertreten worden war. »Für uns ist das ein Test für die entscheidende Phase. Dieses Spiel wird uns zeigen, wo wir noch Bedarf haben«, sagt der RT-Trainer.

Donnerstag: Frankfurt - Bad Nauheim (19.30 Uhr).

Freitag: Krefeld - Kassel (19.30 Uhr), Dortmund - Essen, Hamm - Duisburg (beide 20 Uhr).

Sonntag: Bad Nauheim - Krefeld, Kassel - Dortmund, Essen - Hamm, Duisburg - Frankfurt (alle 18.30 Uhr).

Lanny Gare: »Ortweins Rücktritt hat eine Rolle gespielt«

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