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Positive Zwischenbilanz nach Neuaufbau mit Risiken

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»Packen wir in der Hessenliga in dieser Runde den Klassenerhalt, käme das einer Meisterschaft gleich.« Peter Rübenach hatte diesen Satz Mitte Juli als Ziel-Vorstellung des ranghöchsten »Friedberger« Fußball-Klubs KSV Klein-Karben für die Saison 2008/2009 formuliert. Er, der Kenner der Szene, rechte Hand von KSV-Trainer Amir Mustafic und somit enorm wichtiger Mann im Klein-Karbener Betreuerstab, wusste seinerzeit ganz genau, dass der umfangreiche Neuaufbau in Sachen Hessenliga-Personalausstattung erhebliche Risiken mit ungewissem Ausgang beinhalten würde.

Die Zwischenbilanz des KSV Klein-Karben

Rang 9: 30 Punkte (8 Siege, 6 Remis, 8 Niederlagen) aus 22 Spielen, 40:38 Tore.

Siege: Wörsdorf (2:0/Auswärts), Lohfelden (5:0/Heim), Hünfeld (4:3/A), Hessen Kassel II (3:0/A), Fulda (2:1/H), Ober-Roden (3:2/A), Wörsdorf (3:0/H), Lohfelden (2:0/A). - Unentschieden: Stadtallendorf (2:2/A), Flieden (1:1/A), Würges (1:1/H), Kickers Offenbach II (2:2/H), Ober-Roden (2:2/H), Fernwald (0:0/A). - Niederlagen: Vellmar (1:4/H), Eschborn (0:2/H), Waldgirmes (2:3/H), Urberach (1:3/A), Baunatal (0:3/H), Rot-Weiß Frankfurt (0:2/A), Alzenau (1:3/H), Vellmar (3:4/A).

Interne Torjägerliste: Salvatore Bari (18), Selim Aljusevic (7), Jens Paetzold (3), Florian Decise (3), Salih Yasaroglu (3), Ufuk Cicek (2), Kerem Kaya, Uli Strenkert, Kevin Simmons, Miroslav Badrov (alle 1).

Trainingsauftakt: 19. Januar.

Testspiele: TGM/SV Jügesheim (24. Januar/14 Uhr/Heim), SG Anspach (31. Januar/14 Uhr/Heim), FV Bad Vilbel (3. Februar/19.30 Uhr/Heim), Ober-Schmitten/Eichelsdorf (7. Februar/14.30 Uhr/Auswärts), TSG Wörsdorf (10. Februar/19.30 Uhr/Heim), Spvgg. 02 Griesheim (15. Februar/14.30 Uhr/Auswärts), Germania Ober-Roden (17. Februar/19.30 Uhr/Heim).

Mittlerweile, fünf Monate und 22 Hessenliga-Partien später, ist man rund ums Günter-Reutzel-Sportfeld ein wenig schlauer. Und zwar mit durch und durch positivem Befund, denn die Fußballer aus dem Wetterauer Süden haben sich nach acht Siegen, sechs Remis und acht Niederlagen, die in der seit Ende Juli/Anfang August nur noch fünften Liga Position neun mit runden 30 Punkten einbrachten, weit besser aus der Affäre gezogen, als es von etlichen der so genannten Experten erwartet worden war.

Mehr noch: »Nimmt man’s ganz genau, dann hätten wir zum Jahresabschluss noch ein ganzes Stück besser dastehen können. Unnötig verschenkte Zähler - beispielsweise in Stadtallendorf und Flieden, bei Rot-Weiß Frankfurt, in Fernwald und in Vellmar - gab es ausreichend«, meint Amir Mustafic. Man sieht: Der 34-jährige Coach, der in der vergangenen Runde im Meisterschafts-Endspurt quasi als die letzte aller möglichen Trainer-Optionen das Klein-Karbener Fußball-Schiff wieder auf Kurs brachte, ist Perfektionist, strebt stets - was sein gutes Recht ist - nach dem optimal Machbaren.

Eine ehrenwerte Einstellung, die nichts daran ändert, dass er mit dem bislang Erreichten ebenfalls sehr zufrieden ist: »Wir rangieren im einstelligen Tabellenbereich, und das haben wir uns redlich verdient.« Eigentlich komme die Winterpause ziemlich ungelegen: »Die Mannschaft war nämlich zuletzt spielerisch gut drauf und konditionell topfit.« Eine Sicht der Dinge, die sich durch Resultate belegen lässt, zumal nach den Hessenliga-Duellen Nummer 18 bis 22 mit nur einer Niederlage (3:4 in Vellmar), aber vier Siegen (Fulda, Ober-Roden, Wörsdorf, Lohfelden) und einem Unentschieden (torloses Remis in Fernwald) der Sprung aus dem Tabellenkeller in die einstellige Dimension vollzogen werden durfte.

Mustafics Ziel für die Rest-Saison? »Individuelle Verbesserungen sind immer drin«, sagt der seit geraumer Zeit auch wieder selbst spielende Übungsleiter, »und ganz generell ist es unsere Absicht, das Kurzpass-Spiel haben, noch ein wenig effektiver zu zelebrieren.«

Und noch etwas wird er seinen Leuten in allen noch anstehenden Trainings- und Pflichtspieleinheiten mit auf den Weg geben: »In der Konzentration nachlassen oder die restlichen Spiele zu locker nehmen, kann unangenehme Folgen haben.« Eine Mahnung, die berechtigt ist, wie ein Blick aufs Gesamtklassement zeigt: Lediglich sechs Zähler Vorsprung auf einen Abstiegsplatz (FSV Fernwald/24) sind jedenfalls nicht die Welt und können schnell dahin schmelzen, wie der Schnee in der Sonne. Und weil dies so sei, genieße, so Amir Mustafic, vereinsintern der Klassenerhalt den nach wie vor höchsten Stellenwert.

Harald Wilke, beim KSV der Fußball-Abteilungsleiter und dadurch einer der ebenfalls viel beschäftigten »Macher« im Hintergrund, sieht’s genauso: »Weil die Regionalliga für unseren Verein auch in Zukunft aus finanziellen Gründen nicht machbar ist, bleibt die Hessenliga nicht nur das optimale Umfeld, sondern auch die obere Grenze.« Im Übrigen könne man den KSV als eine Art »Ausbildungsverein für junge, talentierte Spieler« bezeichnen, wobei Mustafic und Rübenach die dafür exakt richtigen Leute seien: »Ich hätte nichts dagegen, wenn Amir Mustafic seinen Job als KSV-Trainer schon jetzt um ein Jahr verlängern würde.« Auf die aktuelle Tabellensituation bezogen, rechnet Wilke durchaus noch mit Fortschritten: »Trotz aller Vorsicht wegen der geringen Punkteabstände nach unten: Bis hinauf zu Platz vier ist für uns alles möglich - auch ohne personelle Ergänzungen im Offensiv-Bereich.«

Dass beim KSV ganz speziell im Angriff, wo sich der zusammen mit Patrice Domta Noumsi und Michael Da Costa Pires vom Verbandsligisten Viktoria Griesheim gekommene Salvatore Bari (18 Tore) als echter Volltreffer erwies, Nachholbedarf bestand, war allen Protagonisten nach der miesen Saisonphase zwischen dem siebten und 17. Spieltag (nur einem Erfolg standen fünf Remis und fünf Niederlagen gegenüber) eigentlich klar. Doch es kam anders: Amir Mustafic entschloss sich erstens, auch auf der aktiven Bühne, nämlich zusammen mit dem im bisherigen Saisonverlauf durchgehend bärenstarken Kerem Kaya im defensiven Mittelfeld, ordnende Funktionen zu übernehmen, und zweitens, eine System-Korrektur (4-2-3-1 anstatt 4-4-2) zu erproben. Maßnahmen, die sich umgehend auszahlten und die Verpflichtung weiterer Stürmer auch unter der Berücksichtigung, dass man mit Gruppenliga-Goalgetter Salih Yasaroglu einen aufstrebenden Angreifer in der Hinterhand hat, überflüssig machte.

Als Fazit bleibt festzuhalten: Der KSV Klein-Karben kann den Dingen, die demnächst kommen, mit viel Zuversicht entgegenblicken, denn der Klub hat die Abgänge von neun Stammspielern (Keeper Robert Cue, Kapitän Uli Strenkert, Marc Klopp, Sven Kunisch sowie Mustafic und Kaya waren übriggeblieben) durch mehr Verantwortung für Cracks, die in der Saison 2007/2008 eher den Status des Ergänzungsspielers trugen (Emre Yasaroglu, Selim Aljusevic, Florian Decise), durch die Integration neuer Spieler (Torwart Turgay Dikmen, Kevin Simmons, Christian Männel, Jens Paetzold, Salvatore Bari - mit Abstrichen Ufuk Cicek, Domta Noumsi und Da Costa Pires) oder auch durch die punktuelle Einbindung von Leuten des eigenen Nachwuchsbereiches (Manuel May, Patrick Kraus, Christian Füssel) praktisch ohne substantiellen Verlust weggesteckt.

Eine Leistung, die höchsten Respekt verdient und sich - weil wirklich guter Amateur-Fußball auch hierzulande rar geworden ist - eigentlich in langsam wieder steigende Zuschauerzahlen niederschlagen müsste. Doch dies wird, so ist zu befürchten, auch auf dem Günter-Reutzel-Sportfeld ein frommer Wunsch bleiben.

Denn schwäche gefüllte Ränge auf Amateur-Sportplätzen sind keine spezifisch Klein-Karbener, sondern klubübergreifende Begleiterscheinungen in ganz Hessen, deren Ursachen nicht nur nach Ansicht von KSV-Fußball-Chef Harald Wilke in einer teilweise verfehlten Verbands-Politik zu suchen sind. Uwe Born

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