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Der polyvalente Spielertyp

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(mo). Maik Vetter hat sich dieser Tage wieder mal an ein neues Trainergesicht gewöhnen müssen. Sreto Ristic hatte sich als Nachfolger von Angelo Barletta vorgestellt. Ein neues Gesicht, ein neuer Typ. Zum sechsten Mal, seit Vetter (Bild) im August 2014 zum OFC kam, erlebt er das spezielle Gefühl eines Trainerwechsels. Unter Ristic will der Mittelfeldspieler aus Rosbach, der lange verletzt ausgefallen war, wieder den Stellenwert im Team erlangen, den er bis Frühjahr 2020 hatte.

Der dienstälteste Spieler des Fußball-Regionalligisten nimmt die Veränderungen professionell hin. "Das gehört zu unserem Job dazu, dass Trainer und Spieler kommen und gehen", sagt Vetter. Auf Vergleiche der Arbeitsweisen verzichtet er ebenso wie auf Typencharakterisierungen. Dabei könnte Vetter einiges erzählen, schließlich hat er als einziger Offenbacher Kicker alle Trainer seit dem Drittliga-Abstieg 2013 erlebt. Sein erstes Jahr 2014, unter Rico Schmitt, war gleich das erfolgreichste: Die Kickers wurden trotz laufendem Insolvenzverfahren Meister, scheiterten aber in der Relegation an Magdeburg. Vetter absolvierte unter dem eigenwilligen wie erfolgreichen Sachsen 20 Einsätze, aber nur drei über die komplette Spielzeit. In der nächsten Saison 2015/16 änderte sich das. Unter Schmitt und ab Februar 2016 unter dessen Nachfolger Oliver Reck war der Wetterauer in zehn seiner 23 Einsätze über die komplette Spielzeit am Ball.

Bei allen Trainern gleich beliebt war Vetters Vielseitigkeit. Der gelernte Mittelfeldspieler kam auf fast allen Positionen außer Torwart zum Einsatz, oft auf der rechten Außenbahn, zuweilen im zentralen Mittelfeld, mal links hinten, selten Innenverteidiger, unter Oliver Reck phasenweise mit großem Erfolg sogar als zweite Spitze. 2017/18 war das, der OFC beendete die Saison auf Rang vier, nachdem er lange auf Kurs Aufstiegsrelegation war. Vetter steuerte zehn Treffer in 31 Regionalligapartien bei - sein Karrierebestwert.

Unter Daniel Steuernagel rutschte Vetter wieder eine Position nach hinten - und war wieder als polyvalenter Typ gefragt: Mal links im Mittelfeld, mal rechts, mal zentral, mal defensiv. Erst bei Angelo Barletta, Nachfolger von Steuernagel und Interimscoach Steven Kessler, sollte Vetter eine feste Position erhalten. "Ich sehe ihn als zentralen Mittelfeldspieler", hatte Barletta stets betont.

Vetters Pech, dass die Saison 2019/20 nach drei Einsätzen unter Barletta vorzeitig endete, dann verletzte er sich schwer. Eine Sehnenverletzung im Oberschenkel zwang ihn zu einer monatelangen Pause. Erst nach der pandemiebedingten Zwangspause im November kehrte Vetter ins Team zurück. In Walldorf (0:0), gegen Aalen (0:2) und in Balingen (0:1) kam er jeweils von der Bank zu mehr oder weniger kurzen Einsätzen.

"Es gibt unterschiedliche Verletzungen, solche, bei denen du einfach zurückkommst und nichts mehr merkst, aber eben auch die anderen", räumt Vetter ein. Der 29-Jährige hatte eine solche hinter sich. Die Sehnenverletzung im Oberschenkel machte ihm lange zu schaffen.

In der Zentrale die besten Chancen

"Das war unangenehm und langwierig, aber nun bin ich seit einiger Zeit schmerzfrei, fühle mich gut, bin körperlich auf Topniveau", erklärt er. Und so formuliert er sein ehrgeiziges Ziel für das neue Jahr: "Ich möchte wieder eine tragende Rolle spielen." Eine, die ihn in den vergangenen drei Spielzeiten so unverzichtbar gemacht hatte. Mit seiner Dynamik, seinem unbändigen Einsatz war er unter Reck, Steuernagel, Kessler und Barletta immer gesetzt gewesen.

Sreto Ristic, unter dem die Mannschaft "mit viel Feuer" (Vetter) trainiert habe, ließ sich in Sachen Personal nicht in die Karten schauen. Plant er mit Vetter, dürfte er vor allem neben Winter-Neuzugang Charles Elie Laprevotte im zentralen Mittelfeld auflaufen. Am vergangenen Wochenende beim 4:1-Erfolg in Stadtallendorf war das noch nicht der Fall. Da kam der Rosbacher nur zu einem Kurzeinsatz.

Dennoch: Den Rucksack der zwei Niederlagen im alten Jahr habe seine Mannschaft abgelegt. "Das ist Vergangenheit." Vetter hat in seinen fast sieben Spielzeiten beim OFC gelernt, mit Rückschlägen umzugehen - und will das nun auch unter dem sechsten Trainer zeigen.

Perfekter Einstand

Indes wollte Laprevotte das Lächeln in Stadtallendorf gar nicht mehr aus dem Gesicht weichen. "Erstes Spiel, erster Sieg, erstes Tor - das ist ein perfekter Einstand, da kann man nicht meckern", sagte der 28-Jährige am Samstag. Der Franzose hatte mit einer aufmerksamen Vorstellung im Mittelfeld die in ihn gesetzten Erwartungen sofort erfüllt - und seinen neuen Klub auch noch per Traumtor nach vorne gebracht. Es war sein dritter gefährlicher Schuss binnen weniger Minuten - und der technisch anspruchsvollste. FOTO: IMAGO

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