Die Zeit von Kapitän Richard Weil in Offenbach ist abgelaufen. FOTO: HARTENFELSER
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Die Zeit von Kapitän Richard Weil in Offenbach ist abgelaufen. FOTO: HARTENFELSER

Planung für Mammut-Saison läuft an

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(jm). Noch bis Freitag werden die Profis des Fußball-Regionalligisten Offenbacher Kickers trainieren, dann ist eine in vielerlei Hinsicht außergewöhnliche Spielzeit endgültig Geschichte. Nach dem Abbruch der Saison aufgrund der Corona-Pandemie herrscht zwar Planungssicherheit. Einfach wird die Konzeption für die neue Spielzeit, die am ersten Septemberwochenende beginnen soll, für alle Beteiligten aber trotzdem nicht.

Zum einen, weil eine Mammut-Saison mit bis zu 23 Teams ansteht. Das wäre dann der Fall, wenn zu den 18 verbliebenen Regionalligisten und den vier Aufsteigern neben Großaspach auch Kaiserslautern aus der 3. Liga absteigen würde. Von September bis Mai stünden dann womöglich 44 Punktspiele an. "Wow, so viele Englische Wochen - ich bin gespannt, wie das funktioniert", blickt OFC-Coach Angelo Barletta voraus. Thomas Sobotzik gefällt diese Ligengröße gar nicht. "Ich kann mir schwerlich vorstellen, wie Vereine mit semiprofessionellen Strukturen jeden Mittwoch zu Spielen nach Ulm oder Balingen fahren wollen", sagt der Kickers-Geschäftsführer.

Ähnlich kritisch äußert sich sein Kollege vom FSV Frankfurt, Patrick Spengler: "Die Aufstockung der Liga auf vielleicht bis zu 23 Mannschaften stellt uns mit Blick auf die Mehrkosten vor eine zusätzliche Herausforderung."

Angelo Barletta hakte Platz acht in der Liga nüchtern ab. "Die tabellarische Situation ist natürlich unbefriedigend, ich hätte aber gerne gesehen, wie sich meine Mannschaft weiterentwickelt hätte." Bis zur coronabedingten Zwangspause Mittte März hatte der OFC sich immerhin auf Rang acht vorgearbeitet. "Es wurde dann abgebrochen, als wir langsam dahin kamen, wo wir hin wollten", sagte Sobotzik.

Sportlich unbefriedigend - und finanziell noch nicht abschließend einschätzbar, so bilanzierte der OFC-Geschäftsführer die Situation. Er wolle weitere Gespräche mit Partnern und Sponsoren abwarten, um die Bestandsaufnahme abzuschließen. "Wir hoffen auf Entgegenkommen in einer Situation, für die wir nichts konnten." Das Signal der Fans war eindeutig. "Sie baten uns sogar darum, einen weiteren Anlass für ein Geisterspiel anzugeben, weswegen wir in Absprache mit Bayer Leverkusen weiter Geistertickets anbieten", lobt Sobotzik die Spendenbereitschaft der Anhänger. Ähnlich positiv soll die Reaktion der Dauerkarteninhaber sein.

Der Geschäftsführer wird nun mit Trainer Barletta weiter an der Kaderzusammenstellung für die neue Spielzeit basteln. Das Profil der Zugänge ist klar. "Wir suchen hungrige Spieler, die mit oder über uns nach oben kommen wollen", erklärt Sobotzik: "Das Ziel muss es sein, dass wir eine Mannschaft haben, die im Rennen um Platz eins konkurrenzfähig ist. Das waren wir in der vergangenen Saison nicht."

Als gesichert gilt, dass Außenverteidiger Marco Fritscher (Schweinfurt 05) zum OFC kommen wird. Ein Kandidat für die Außenbahn könnte Francesco Calabrese (23) sein, der seinen Abschied von Bayern Alzenau angekündigt hat.

Angelo Barletta wird in Sachen Kadergröße umplanen müssen. "Ich wollte eigentlich bei der bisherigen Ligengröße mit 20 Feldspielern und drei Torhütern in die Saison gehen, jetzt werden wir mehr Spieler benötigen." Um die Belastungen zu steuern, könnten es 24 Feldspieler werden, dazu drei bis vier Torhüter. Eine Zukunft beim OFC dürften Innenverteidiger Lucas Albrecht und Angreifer Moritz Reinhard haben. Gestern Abend gab der Verein die Vertragsauflösung mit Richard Weil bekannt. Außenverteidiger Marco Schikora erhält wohl kein neues Angebot.

Sobotzik erwartet Transfermarathon

Das Transfergeschehen wird in diesem Jahr zum Marathon. Sobotzik rechnet nach dem Ende der 3. Liga am 5. Juli mit vielen neuen Optionen. "Wir wollen natürlich einen Großteil des Kaders zum Auftakt der Vorbereitung zusammenhaben, aber wir lassen uns auch nicht hetzen", betont er.

Die Corona-Pandemie sorgt auch dafür, dass die Vorbereitung für den Trainer zu einem Planspiel ohne Blaupause wird. Barletta schickt die Spieler, die auch künftig für den OFC auflaufen sollen, drei Wochen in Urlaub. Am 22. Juni bittet er zum ersten von drei Vorbereitungsblöcken. Nach jeweils einer Woche Training folgen je neun bis zehn Tage Pause. "Ich bin kein Freund davon, die Spieler acht Wochen wegzuschicken", sagt Barletta. Die Gefahr sei, dass der enge Draht, auf den der OFC-Trainer so schwört, verloren geht. Und "verlieren" wollen Barletta und Sobotzik gerne aus dem Wortschatz streichen.

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