Martin Peschke hat es aktuell nicht leicht bei den Vorbereitungen auf die Oberliga-Saison seines TV Petterweil.
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Martin Peschke hat es aktuell nicht leicht bei den Vorbereitungen auf die Oberliga-Saison seines TV Petterweil.

Wann geht's los?

TV Petterweil vor dem Oberliga-Start: Eine Planung voller Fragezeichen

  • vonPeter Hett
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Startet die Handballsaison wirklich Mitte September? Wird es erlaubt sein, Zuschauer in die Hallen zu lassen? Und was ist der Plan, falls bei einer Mannschaft doch ein Corona-Fall auftritt? Es sind Fragen über Fragen, die die Handballer aus der Region in diesen Tagen umtreiben - auch Martin Peschke, Trainer vom Oberliga-Aufsteiger TV Petterweil.

Martin Peschke ist in sportlicher Hinsicht so etwas wie die One-Man-Show beim TV Petterweil. Der Trainer hat den Klub aus dem Karbener Stadtteilt zur neuen Saison in die Handball-Oberliga geführt. Und steht als Aufsteiger ohnehin vor großen Herausforderungen - nun kommt auch noch die Corona-Problematik dazu. Ein Gespräch über Zukunftsszenarien, Kaderplanung und das Umfeld bei den Schwarz-Gelben aus dem Süden der Wetterau.

Herr Peschke, die wichtigste Frage vorneweg: Wird aus Ihrer Sicht die Öffnung des Spielbetriebs seit Anfang August in den angedachten Saisonstart im September münden?

Ich sehe den Saisonstart sehr gefährdet. Die zweite Welle wird kommen, alleine schon durch die Urlauber. Und wenn es wieder losgeht: Was passiert, wenn es in irgendeiner Mannschaft einen Corona-Fall gibt? Wir haben in den Oberliga an jedem Wochenende ein Spiel, es gibt keine Pausen mehr, selbst um Weihnachten haben wir nur zwei Wochen. Wenn da mal etwas passiert und betroffene Mannschaften nicht spielen dürfen, wie soll das noch funktionieren? Viele Arbeitgeber werden sagen, es kann nicht sein, dass ein Mitarbeiter in Quarantäne ist, nur weil er Handball gespielt hat.

Am kommenden Samstag will der Arbeitskreis Spieltechnik des Hessischen Handballverbandes über den Termin des Rundenstarts entscheiden - entweder gibt es einen normalen Start zum 12./13. September oder einen später. In einer Umfrage ergab sich jüngst eine leichte Tendenz zum Verschieben in Richtung Oktober, um dann auch vor Zuschauern spielen zu können. Wie sehen Sie das?

Ganz klar: Für die Vereine in den unteren Klassen ist es das A und O, vor Zuschauern zu spielen, weil sie sich durch die Einnahmen finanzieren - durch Eintrittsgelder und durch den Verkauf von Essen und Getränken. Wir in Petterweil haben alleine schon einen Dauerkartenschnitt von über 100. Wenn man jetzt den Einlass begrenzt und sagt "In die Halle dürfen insgesamt nur 120 Leute", wer sagt denn "Der kommt rein, der andere nicht"? In meinen Augen funktioniert das nicht, denn man stößt die Leute vor den Kopf. Als Verein haben wir außerdem nicht die Kapazitäten an Leuten, die Hygienemaßnahmen und andere Vorgaben kontrollieren.

Gerade im vergangenen Aufstiegsjahr haben Sie enorm von Ihrer treuen Fangemeinde profitiert. Machen wir uns nichts vor, zumindest in diesem Jahr werden wir altbekannte Verhältnisse wahrscheinlich nicht erleben. Was bedeutet das für Sie und Ihre Mannschaft?

Wir sind als Aufsteiger sowieso ein Außenseiter und sind alleine schon deshalb auf unsere Zuschauer angewiesen. Wenn man sich die letzte Landesliga-Saison anschaut, hatten wir auswärts oftmals mehr Zuschauer als der Gastgeber. Beispielsweise unsere Trommler, die uns gepusht haben, würden uns in jedem Fall fehlen. Wir brauchen das.

Zurück zum Sportlichen: Wie ist es Ihnen seit dem Lockdown bis heute ergangen?

Wir haben direkt mit dem Tag des Saisonabbruchs aufgehört. Einige Zeit später haben wir als Trainer per Video-Chat wöchentlich Aufgaben gestellt, die jeder für sich zu Hause durchführen konnte. Wir haben drei Gruppen gebildet, die Ergebnisse ausgewertet, sodass sich daraus ein kleiner Wettbewerb entwickelt hat. Ab dem Zeitpunkt des offiziellen Rundenendes hatten die Spieler dann noch einmal richtig Pause. Die Jungs haben diese Zeit genutzt, um für sich selbst zu arbeiten. Das haben sie richtig gut gemacht, denn so einen Fitnesszustand im Team hatte ich zu Beginn der Vorbereitung lange nicht. Wir haben auf den Sportplatz mit diversen Lauftests angefangen, konnten aber durch die Heimarbeit viel früher beginnen, mit dem Ball zu arbeiten.

Sie wären also für einen Saisonstart im September bereit?

Man muss auf diesen Termin hintrainieren. Das Problem aber ist: Man trainiert jetzt nach einem Plan und irgendwann könnte es heißen, die Saison fängt doch später an. Doch was machen wir dann - eine Pause? Ich weiß es nicht.

Wie viele Spieler stehen aktuell im Kader? Gibt es im Notfall Ergänzungsmöglichkeiten aus der zweiten Mannschaft oder der A-Jugend?

Wir haben einen festen Kader von 19 Mann, mehr hat sich nicht ergeben. Wir haben weder in der zweiten Mannschaft noch in der A-Jugend Leute, die das Oberliga-Niveau haben. Das war uns aber von vorneherein klar. Bei der A-Jugend sind alle Spieler erst in ihrem ersten Jahr. Vergangene Saison haben noch einige Spieler mittrainiert, um den Kader aufzufüllen, das ist nun aber nicht mehr notwendig.

Könnte es noch weitere Neuzugänge geben.

Proaktiv werden wir in dieser Hinsicht nichts mehr machen, aber wir schauen, ob sich ansonsten wegen der besonderen Situation noch etwas tut. Ich möchte aber auch niemanden, den ich jetzt habe, vor den Kopf stoßen, vor allem nicht unsere Petterweiler Jungs. Es hatten sich auf diversen Positionen Leute angeboten, bei denen ich mir dann aber gesagt habe, dass wir dort schon mehrere Spieler haben, die alle Petterweiler sind, einer zudem Schiedsrichter, der andere Jugendtrainer. Von diesen Leuten werde ich keinen wegschicken, nur um einen anderen zu holen, der dann vielleicht einen Tick besser ist.

Die Wetterau hat mit Ihnen seit Längerem mal wieder einen Oberligisten, da sollten doch auch heimische Spieler Interesse anmelden, um mit dabei zu sein - oder?

Ich hatte in der Tat Anfragen von Spielern, die die Oberliga gereizt hat, aber es war nicht so, dass Spieler dabei waren, die sich aus oberen Ligen angeboten hätten, sondern es waren vielmehr Spieler aus der Bezirksoberliga oder der Landesliga, die mich gefragt haben, ob der Kader schon voll ist. Ich habe alle kontaktiert und offen und ehrlich kommuniziert, wie es auf der betreffenden Position bestellt ist. Wir bleiben da sicherlich auch in Kontakt, falls sich beim jeweiligen Spieler oder bei uns noch etwas verändern sollte. Wenn es jemand gewesen wäre, von dem ich überzeugt wäre, er würde uns sofort etwas bringen, dann hätte ich natürlich nicht abgelehnt, aber mir ist es eben auch wichtig, keinem unserer eigenen Spieler etwas zu verbauen. Und ich will auch keinen Spieler woanders wegholen, damit er hier nur einen Bankplatz hat. Ich habe eine Mannschaft, die aufgestiegen ist und es sich damit verdient hat, in der Oberliga zu spielen.

Nach welchen Kriterien haben Sie Ihre Neuzugänge überhaupt ausgesucht?

Es war relativ klar für mich, auf welchen Positionen wir uns verstärken müssen, in erster Linie war das der Mittelmann und der Kreisläufer. Durch den Abgang von Roman Hitzel (legt eine Pause ein, Anm. d. Red.) haben wir einen Kreisläufer gebraucht, der auch auf der Mitte decken kann. Das war die Grundvoraussetzung. Mit Mario Fernandes (kommt von Zweitligist TV 05/07 Hüttenberg, Anm. d. Red.) hat sich das super ergeben. Das war die erste Schlüsselposition. Die zweite war der Rückraum Mitte, da Pierre Lange kürzertreten will. Er hat unlängst geheiratet und ist nicht mehr zu 100 Prozent im Trainingsbetrieb dabei. Mit meinen schnellen Spielern auf den Halbpositionen brauche ich einen dritten Mann, der das Spiel ankurbelt und schnell macht, deswegen habe ich nach einem Vorbereiter gesucht. Den haben wir mit Nikola Jankovic gefunden.

Wie sieht die Perspektive für den Unterbau, also die zweite Mannschaft und die Jugend, aus?

Die zweite Mannschaft spielt in der A-Klasse und sollte die Klasse auch halten. Durch unseren großen Kader werden immer mal einige der Erstmannschaftsspieler auch dort spielen. Was die A-Jugend angeht, haben wir eine eigene Mannschaft, die jetzt von unserem Torwart Iteb Bouali trainiert wird, der mittlerweile auch nach Petterweil gezogen ist. Unser Fokus ist aber die C-Jugend, die derzeit die stärkste Altersgruppe ist. Da sind ambitionierte Spieler dabei, die langfristig das Potenzial für die Oberliga hätten und die dort auch spielen wollen.

In sehr vielen Vereinen wird immer wieder über das Umfeld gesprochen. Wie sieht es damit beim TV Petterweil aus?

Diese Menschen gibt es, und diesen Austausch muss ich auch haben. Ich habe drei spezielle Kontakte aus den Vorständen der Abteilung und des Hauptvereins, mit denen ich mich abstimme. Was das Sportliche anbelangt, mache ich im Grunde alles alleine. Ich spreche oft mit Trainern anderer Vereine und versuche mich auf diesem Weg auf dem Laufenden zu halten. In diesem Punkt sehe ich aber auch auf die Dauer ein Problem, wenn mir das Netzwerk ausgehen sollte. Ein Beispiel: Bei der Suche nach einem neuen Kreisläufer wurden mir Namen von Spielern genannt, die ich selbst noch nie habe spielen sehen. Im Bereich des "Scoutings" ist also sicher noch einiges zu tun.

In vielen Bereichen ist der TVP insgesamt ein Amateurklub. Wo kann sich der Verein noch professioneller aufstellen, wo gibt es Verbesserungsbedarf?

Ganz klar in Sachen Bekanntheitsgrad. Ich glaube, dass wir nicht richtig präsent sind - auch im näheren Umfeld hier in Karben. Es gilt auch bei den regionalen Firmen den Fuß besser in die Tür zu bekommen, sodass wir Leute aus diesem Kreis in die Halle locken. Ich denke, wenn diese Leute mal da waren, wird es ihnen gefallen und sie werden wiederkommen. Selbst wenn sie uns im Nachhinein nicht finanziell unterstützen, so sind es vielleicht Zuschauer, die eine Dauerkarte kaufen. Professioneller müssen wir uns auch in der Vorstandsarbeit aufstellen, aber dieses Problem ist bei vielen anderen Vereinen auch existent, da eben alles auf zu wenigen Schultern lastet. Gute Ideen sind an sich vorhanden.

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