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Die Fans des TV Petterweil machen jedes Heimspiel zu einem Handballfest und haben großen Anteil an der Meistersaison der Landesliga-Truppe. FOTOS: NICI MERZ (3)/PM

Handball

TV Petterweil: Wie der Aufstieg gefeiert wird

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Der TV Petterweil hat die Handball-Landesliga nach Belieben dominiert. Der Aufstieg in die Oberliga ist die logische Folge. Die Coronavirus-Krise lässt zwar noch einige Fragezeichen stehen, am Stolz auf das Geleistete ändert das aber nichts.

Lässt man die Umstände für einen Augenblick beiseite, ist es schon eine skurrile Situation, in der die Landesliga-Handballer des TV Petterweil stecken. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis sie als Meister der Mitte-Staffel und Oberliga-Aufsteiger feststehen würden. Neun Punkte Vorsprung hatte der TVP bei noch sieben ausstehenden Spielen auf den Rangzweiten TV Idstein. Dann kam die Coronavirus-Krise und der Saisonabbruch. Der Hessische Handball-Verband (HHV) gab vor: Die aktuelle Tabelle entscheidet über Auf- und Absteiger.

"Es fühlt sich unwirklich an, dass wir jetzt den Aufstieg geschafft haben sollen. Über die Umstände sind wir natürlich keinesfalls glücklich, da wir den Aufstieg gerne sportlich gemeistert hätten, jedoch können wir auch auf das Geleistete stolz sein", sagt TVP-Trainer Martin Peschke. Zwar hätte man gerne eine Aufstiegsparty samt Traktorfahrt durch den Ort gefeiert, aber das stehe angesichts der Pandemie derzeit hinten an, sagt Peschke.

So ganz trocken sind die Aufstiegs-Tücher aus TVP-Sicht noch nicht. Peschke geht davon aus, dass der ein oder andere negativ betroffene Verein gegen die zugegebenermaßen unpopuläre Entscheidung des HHV vorgehen wird. Schließlich sind die Tabellen verzerrt und nicht alle Spielklassen haben ihre Saison endgültig abgebrochen. Nicht unwichtig, wenn es um die Ermittlung von Auf- und Absteigern geht. Stand jetzt hat der TV Petterweil nach über einem Jahrzehnt wieder den Sprung in die höchste hessische Spielklasse geschafft.

Jonas Koffler ist Torschützenkönig

Desweiteren darf sich TVP-Goalgetter Jonas Koffler die Torschützenkrone der Landesliga Mitte aufsetzen, worüber sich seine Mannschaftskameraden ebenfalls freuen. "Er hat sich diesen Titel wahrlich verdient, da er trotz seiner vielen Tore immer mannschaftsdienlich gespielt hat und menschlich nie den Hallenboden verlassen hat", sagt TVP-Routinier Pierre Lange.

Doch nicht nur Koffler war ein Garant für den Aufstieg des Turnvereins. "Mit Iteb Bouali hatten wir die tunesische Mauer bei uns im Tor. Er hat uns mit seiner Erfahrung immer den Rücken gestärkt hat und wurde recht häufig von den Gegnern abgeworfen", lobt TVP-Rückraumakteur Thorsten "Totti" Koch mit einem Schmunzeln seinen Schlussmann.

Die Peschke-Sieben war über den kompletten Saisonverlauf das Nonplusultra der Landesliga. "Wir hatten über die komplette Runde einen sehr starken Zusammenhalt, der uns auch durch knifflige Spiele getragen hat. Siege wurden für uns niemals zur Selbstverständlichkeit, da wir als Team einen hohen Aufwand betrieben haben und auch die Siege ordentlich zu feiern wussten", sagte TVP-Feierbiest Christoph Schneiker. In dieselbe Kerbe schlägt sein Mannschaftskamerad Marcus Neuhalfen: "Wir wurden leider nicht vom Verletzungspech verschont. Mit fünf Langzeitverletzten waren diese Ergebnisse keinesfalls zu erwarten. Das Team hat aber demonstriert, dass es aus ›Karbener Holz‹ geschnitzt ist."

Diese Qualität stellten die Gelb-Schwarzen schon ab dem ersten Saisonspiel unter Beweis. Spätestens nach dem 34:31-Auswärtserfolg beim hochgehandelten TSV Langgöns am vierten Spieltag hatte jeder in der Landesliga den TV Petterweil auf dem Zettel. Dass aber acht weitere Siege folgten und somit erst im letzten Hinrundenspiel beim Bundesliga-Unterbau aus Hüttenberg die erste Saisonniederlage verbucht wurde, konnte selbst der größte Optimist nicht einplanen.

Mit "Sieben-Meilen-Stiefeln" enteilte der Turnverein seiner Konkurrenz, und die Aufstiegsplanungen wurden immer konkreter. Auch die Pleite beim TV Hüttenberg konnte die gute Laune auf der Weihnachtsfeier im direkten Anschluss nicht vermiesen, weil man in Petterweil die Feste feiert, wie sie fallen. Und das hieß in diesem Fall "Herbstmeisterschaft" - auf griechische Art und Weise.

TV-Teams des HR doppelt zu Besuch

Ein weiteres Highlight genossen die Mannen um Kapitän Jonas Koffler sogar zwei Mal in der verkürzten Spielzeit. Bei beiden Spitzenspielen gegen den TV Idstein war das Fernsehen mit dem Hessischen Rundfunk vor Ort und gab den Petterweilern somit die größtmögliche Bühne im Amateurbereich. Diese beiden Partien wusste der designierte Meister zu nutzen, präsentierte sich von seiner Schokoladenseite und schlug den Verfolger gleich zwei Mal.

Besonders in den Heimspielen stellten Wassberg, Kusan, Ahlborn und Co. ihre handballerischen Künste unter Beweis, was besonders einem Faktor geschuldet war: "Unser fantastisches Publikum hat jedes Heimspiel zu einem wahren Handballfest gemacht. Die Unterstützung über die komplette Saison war überwältigend und mit Hilfe dieser haben die Jungs die richtige Welle erwischen können. Ein großer Dank gilt den zahlreichen, ehrenamtlichen Helfern, unseren Sponsoren, dem unermüdlichen Einsatz unseres Maskottchens "Haniball" und unseren Trommlern, die den Erfolgstakt vorgegeben haben. Ich bin auf die Mannschaft unfassbar stolz, und sie hat sich den Aufstieg redlich verdient", sagt ein überglücklicher Martin Peschke.

Die TVP-Aufstiegsmannschaft:Markus Ahlborn, Iteb Bouali, Björn Ehmer, Roman Hitzel, Niklas Kehrein, Thorsten Koch, Felix Koffler, Jonas Koffler, Lennart Kusan, Pierre Lange, Marvin Morres, Marcus Neuhalfen, Benedikt Pfeiffer, Johannes Pfeiffer, Felix Schneider, Christoph Schneiker, Lennart Trouvain, Niklas Wagner, Florian Wassberg, Cedrik Witzel; Marcel Becker, Christina Herzog, Oliver Malkmus, Markus Soff, Martin Peschke.

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