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Patrick Strauch: »Das ist Wahnsinn«

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Platz acht, eine Playoff-Platzierung nach 17 von 54 Partien der regulären Saison, nach dem ersten Drittel der Spielzeit 2013/14. Der EC Bad Nauheim bereichert als Meister der Oberliga nun die Deutsche Eishockey-Liga 2.

Drei Spieltage lang führten die Roten Teufel, getrieben von Euphorie und Leidenschaft, das Zwölfer-Feld an, konnten in neun Heimspielen, die von durchschnittlich rund 2500 Zuschauern besucht werden, Event-Charakter vermitteln, alte und neue Eishockey-Fans mit spannendem Sport in einer ausgeglichenen Liga begeistern. Rosenheim, Ravensburg, Bietigheim - drei der derzeit vier führenden Mannschaften - konnten, teils über Verlängerung und Penaltyschießen geschlagen werden. Demgegenüber stehen aber auch Niederlagen wie gegen gegen Schlusslicht Crimmitschau. Im Gespräch mit WZ-Sportredakteur Michael Nickolaus zieht Patrick Strauch, der als »heimlicher Kapitän« des Vorjahres nun auch offiziell das »C« des Mannschaftsführers auf dem Trikot trägt, eine Zwischenbilanz.

Patrick Strauch, die Roten Teufel stehen als Aufsteiger vom ersten bis zu ihrem mittlerweile 17. Spiel auf einem Playoff-Rang; haben gegenüber der Mehrzahl der Konkurrenten ein Spiel weniger absolviert. Wären Sie diesbezüglich eine Wette eingegangen?

Patrick Strauch: »Wenn mir dies prophezeit worden wäre, hätte ich sofort unterschrieben. Aber ich gehe mal einen Schritt weiter und sage: Wir haben noch Punkte liegen gelassen, hätten noch drei, vier, fünf Zähler mehr haben können. In den Heimspielen gegen Landshut und Riessersee war angesichts unserer Führung im Schlussabschnitt mehr drin, und gerade auch in den Spielen gegen Crimmitschau muss mehr dabei herauskommen. Unterm Strich sind wir mit der Platzierung aber total im Soll. Die Zuschauer sind euphorisch, unterstützen uns von der ersten bis zur letzten Minute. Das ist Wahnsinn und macht riesig Spaß.«

Beschreibt die Tabellenposition den Leistungsstand der Mannschaft, oder lebt das Team als Aufsteiger noch von der Euphorie?

Strauch: »Unsere Priorität liegt auf dem Klassenerhalt.«

Das klingt nach Understatement...

Strauch: »Wir denken von Spiel zu Spiel und sind damit bislang gut gefahren. Natürlich wollen wir das Maximale erreichen: Platz sieben oder acht nehmen wir gerne mit. Entscheidend ist, dass wir dazu unsere Heimspiele gewinnen.«

Das Tempo in der DEL 2 ist deutlich höher als in der Oberliga, und Fehler werden schneller bestraft. Wie nehmen Sie die Umstellung wahr?

Strauch: »Als Spieler freut man sich auf jedes einzelne Wochenende, muss in jedem Spiel an die Leistungsgrenze gehen. Der Tabellenletzte kann den Ersten schlagen. Spiele, die mit 50 Prozent Einsatz gewonnen werden, in denen der Sieger schon vorher feststeht, gibt es nicht mehr.«

Einige Spieler haben die in sie gesteckten Erwartungen bislang nicht erfüllen können. Welche Rolle spielen Sie da als Kapitän?

Strauch: »Natürlich wird in der Kabine viel gesprochen; mit dem einen oder anderen auch mal unter vier Augen. Ich denke, wir alle sind auf einem guten Weg.«

Die Roten Teufel haben oft deutlich mehr Torschüsse als der jeweilige Gegner, doch scheint die Verantwortung in der Offensive auf nur wenigen Schultern verteilt.

Strauch: »Ja. Wir dürfen uns nicht von drei, vier Spielern abhängig machen. Das ist zu wenig. Da muss von den anderen mehr kommen. Und das Bewusstsein dafür ist da.«

Die Personalie Taylor Carnevale fokussiert. Seine Verpflichtung wurde kritisch gesehen, jetzt trägt er seit Wochen den Goldenen Helm des Top-Scorers. Wie beurteilen Sie die Entwicklung?

Strauch: »Als Trainer-Sohn steht er automatisch im Fokus, dazu ist er noch jung, und als Kontingentspieler werden von ihm Tore, Punkte und Verantwortung verlangt. Taylor hat sich sehr gut entwickelt. Allein dass er vier Wochen vor allen anderen in Bad Nauheim war, unterstreicht seinen Ehrgeiz, seine Motivation. Und sein Vater hätte ihn auch nicht mitgebracht, wenn er nicht hundertprozentig von ihm überzeugt gewesen wäre.

Taylor ist - nachden er sich an die größere Eisfläche gewöhnt hat und mehr und mehr seinen Rhythmus findet - eine absolute Bereicherung für das Team, und er lässt seine derzeitige Position als Top-Scorer auch nicht raushängen.«

Die Mannschaft hat anfangs gegen die besser platzierte Konkurrenz mehr Punkte eingefahren als gegen die Mannschaften aus dem Tabellenkeller. Ein Zufall?

Strauch: »Ich denke schon. Als Spieler geht man in jede Partie mit der gleichen Einstellung. Zuletzt haben wir gegen Kaufbeuren und Weißwasser zu Hause gewonnen, aber deswegen waren diese beiden Mannschaften nicht schlechter als andere. Die Liga ist einfach zu ausgeglichen besetzt.«

In zwölf von 17 Spielen mussten sie einem 0:1-Rückstand hinterher laufen. Entwickelt sich solch ein Fakt irgendwann auch zu einem mentalen Problem?

Strauch: »Wir hatten das kürzlich in der Kabine angesprochen. Natürlich ist es schwierig, wenn das immer wieder passiert, und natürlich lässt sich mit einer Führung anders agieren. Da fällt einem das Spiel leichter, lässt sich besser taktieren.«

Bad Nauheim spielt als eine der wenigen Mannschaften - so weit das personell möglich ist - mit vier Formationen.

Strauch: »Und das ist zu hundert Prozent ein Vorteil. Das hat man auch gerade in den letzten drei Heimspielen gesehen. Am Ende hatten wir mehr Kraft, und gerade auf die Dauer einer Saison gesehen wird sich das auszahlen.«

Was hat Sie bislang am meisten überrascht?

Strauch: »Ich bin positiv beeindruckt von der Ausgeglichenheit der Liga, auch wenn die üblichen Verdächtigen vorne stehen. Überrascht hat mich auch der Saisonstart der Heilbronner Falken, die bislang noch nicht die Förderlizenz-Unterstützung aus Mannheim bekommen haben, die sie sich wohl erhofft hatten.«

Zwischenzeitlich haben Sie zehn Spiele auf einen Dreier warten müssen.

Strauch: »Aber wir haben dennoch gepunktet. Das war wichtig. Die bisherige Saison hat gezeigt, dass man seine Heimspiele gewinnen muss. Und klar. Auswärts muss auch endlich wieder ein Dreier geholt werden.

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